1. News
  2. Kultur & Medien
  3. Regional

Bruce Springsteen in Mönchengladbach: Wünsch' dir was mit dem Boss

Bruce Springsteen in Mönchengladbach : Wünsch' dir was mit dem Boss

Paris, London, Genf – das waren die letzten Stationen von Bruce Springsteen, bevor die Wrecking Ball-Tour mit der E-Street Band am Freitag im wenig glamourösen Mönchengladbach Halt machte. Doch Springsteen wird wieder mal seinem Working-Class-Image gerecht, macht sich nichts aus Namen und sorgt dafür, dass jeder der gut 35.000 Zuschauer im nahezu ausverkauften Gladbacher Fußballstadion mit dem Gefühl nach Hause geht, die Show seines Lebens gesehen zu haben.

Und da ist sogar ein bisschen Wahrheit dran. Die Welttournee neigt sich dem Ende zu, läuft schon seit eineinhalb Jahren. Springsteen hat die Setlist mittlerweile mächtig aufgeräumt und viel Platz für die Wünsche der Fans gemacht. Vom seinem aktuellen Album spielt er in Mönchengladbach nur vier Stücke.

Von insgesamt 29. Den halbstündigen Soul- und Gospel-Block mitsamt spiritueller Predigt, die beim gefeierten Konzert in Köln im Mai 2012 noch fester Bestandteil der Show war, hat Springsteen zu Gunsten einer reineb Rock'n'Roll-Show ausgewechselt. Viele alteingesessene Fans werden es ihm gedankt haben.

Und die kamen auch in Mönchengladbach voll auf ihre Kosten. Gleich der Einstieg mit Raritäten wie „Jackson Cage“ von „The River“, dem treibenden „My Love Will Not Let You Down“ aus den 80ern und „Better Days“ aus Springsteens schwächerer Phase zu Beginn der 90er Jahre zünden in den ersten Reihen des Publikums. So lieben sie ihren „rich man in a poor mans shirt“, wie es in „Better Days“ heißt.

Gerade zu Beginn des Konzerts strecken die Fans Hunderte selbstbemalte Plakate mit Songtiteln in die Luft. Springsteen geht insgesamt acht Mal darauf ein, die Band spielt auf Zuruf jeden beliebigen Song aus der rund 40-jährigen Karriere ihres Chefs. Und spätestens nach Song vier, dem Rock'n'Roll-Klassiker „Shake Shattle and Roll“, der erste Fanwunsch, den die E-Street Band mal eben so spontan aus dem Ärmel spielt, ist Springsteens Hemd standesgemäß durchgeschwitzt. Andere Bands würden sich freuen, solche Zugaben zu haben, für den Boss fängt der Abend erst an.

Die Show, die nicht mehr braucht als eine Bühne, drei Leinwände und die pure Kraft der Musik, entwickelt sich zu einem wilden Mix aus Hits wie „Badlands“, „Because The Night“ oder „Hungry Heart“, bei dem der Borussia Park die komplette erste Strophe selbst singt, und umjubelten Raritäten. Das berührende „Point Blank“ sorgt für Totenstille, das pumpende „Death To My Hometown“ vom aktuellen Album bringt die halbe Band inklusive der vier Bläser an den Bühnenrand.

„Thunder Road“ beendet nach zwei Stunden und 20 Minuten das reguläre Set, ehe Springsteen im fulminanten Zugabenblock mit „Born In The USA.“, „Born To Run“ und „Dancing In The Dark“ auch den letzten Zuschauer von seinem Sitz reißt und das große Finale einleitet.

Zum Abschluss steht Springsteen, völlig durchnässt und testosterongeschwängert, im Unterhemd auf dem Klavier: „Tenth Avenue Freeze-Out“ und das CCR-Cover „Rockin' All Over the World“ beenden drei fulminante Stunden purer Energie, mitreißendem Rock'n'Roll und einem Bruce Springsteen in Topform. Es ist vielleicht nicht der beste Bruce aller Zeiten, schließlich ist der Mann 63 Jahre alt, aber er ist nah dran.