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Xatar und SSIO in Bonn: Konzert im Kulturgarten in der Rheinaue

Auftritt in Bonn : So war das Konzert von Xatar im Kulturgarten in der Rheinaue

Xatar ist am Samstagabend in der Bonner Rheinaue aufgetreten. Groß vor der Bühne gefeiert werden durfte aufgrund der Pandemie aber nicht. Entspanntes Abgehen - wie der Rapper es nannte - war daher angesagt.

Hip Hop boomt. Die Musikrichtung, die in den 1970er Jahren in den Ghettos von New York entstanden ist, in den 1980er Jahren nach Europa kam und in den 1990er Jahren hierzulande riesige Erfolge feierte, bevor sie zumindest kommerziell von der Bildfläche verschwand, ist plötzlich wieder angesagt. Wie sonst lässt es sich erklären, dass derzeit sowohl die Single-, als auch die Albumcharts von mehreren Rappern dominiert werden? Wie sonst lässt es sich erklären, dass beim Open Air Sommer im Bonner Kulturgarten, wo seit Mitte Juli corona-konforme Konzerte stattfinden, gleich mehrere Hip-Hop-Formationen auf dem Programm stehen?

Mit Xatar hatte sich am Samstag einer der derzeit erfolgreichsten deutschsprachigen Künstler dieses Genres angekündigt. Der am Brüser Berg aufgewachsene Gangster-Rapper wurde nach seiner Beteiligung an einem Überfall auf einen Geldtransporter im Jahr 2009 zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Heute ist der 38-Jährige ein erfolgreicher Unternehmer und Produzent, hat zwei Plattenlabels gegründet und vier Alben veröffentlicht, zwei erreichten die Spitze der Albumcharts. Auf seiner Debütplatte „Alles oder nix“ wurden sieben Songs aufgrund ihrer gewaltverherrlichenden Texte als jugendgefährdend eingestuft.

Ebenjener Xatar lockt nun zahlreiche Fans in die Rheinaue und hat auch mehrere musikalische Weggefährten mitgebracht, die bei seinem eigenen, in Bonn gegründeten Label „Alles oder nix Records“ unter Vertrag stehen.

Ausverkauft ist das Konzert im Kulturgarten jedoch nicht – corona-konform zu Hip-Hop feiern – geht das überhaupt? Während es auf der Bühne zeitweise knallhart zugeht, bleibt es vor der Bühne stets sehr entspannt. „Bonn, was geht ab? Ihr dürft nicht zu krass ausflippen, sonst kommt das Ordnungsamt!“, erinnerte Rapper Almany, der das Bühnenprogramm eröffnete, die Konzertbesucher an die aktuellen Regeln.

Das Publikum hielt sich stets daran: Während der Show chillten die Besucher auf Liegestühlen, beziehungsweise blieben auf Bierbänken oder Picknickdecken sitzen. Das war sicherlich auch für den Hauptact des Abends ein ungewöhnliches Bild: „Ihr seid am Chillen, als wärt ihr im Kino! Ich freue mich, dass es hier so entspannt abgeht!“, stellte Xatar zufrieden fest. Sicherlich fiel es ihm nicht ganz so leicht, statt „Ich will, dass ihr alle ausflippt!“ jedes Mal „Ich will, dass ihr alle chillt“ zu rufen.

In seinen Liedern blickt Xatar mehrmals auf seine Kindheit zurück, seine Schulzeit auf dem Hardtberg-Gymnasium und das Aufwachsen im sozialen Brennpunkt. Im Song „Ich will nicht weg hier“ wird er sogar ein wenig sentimental. „Genug Gefühle, lasst uns härter werden“, ruft er nur wenige Minuten später und erzählt in „Alles oder nix“ vom Alltag im Knast.

Zu den musikalischen Gästen zählte auch NU51 vom Label Bantu Nation, der stolz erzählte, er sei erst letzte Woche aus dem Knast entlassen worden. Bekanntester Kollege auf der Bühne war der Bonner Rapper SSIO, bei dessen Nummern die Fans am lautesten mitsangen. Nach rund zwei Stunden zeigten sich die Konzertbesucher zum Finale bei Xatar`s größtem Hit „Iz da“ noch einmal textsicher, bevor ein Feuerwerk über der Bühne den Konzertabend beendete. Am Sonntagabend tritt der DJ „Alle Farben“ auf dem Open-Air-Konzertgelände in der Rheinaue auf.