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August Macke Haus in Bonn: Zeichnungen und Aquarelle von Hermann Hesse

August Macke Haus in Bonn : Zeichnungen und Aquarelle von Hermann Hesse

Für seinen Roman "Glasperlenspiel" erhielt Hermann Hesse 1946 den Literaturnobelpreis. Dass er auch ein begabter Maler war, zeigt eine Ausstellung, die im August Macke Haus in Bonn zu sehen ist.

Mit dem Wein, "dessen Rausch das Leben so weit hübsch macht, dass es zu tragen ist", verglich der Schriftsteller Hermann Hesse einmal das "Produzieren mit Feder und Pinsel".

Aus diesen Zeilen in einem Brief an den Dichterkollegen Franz Karl Ginzkey spricht die pure Verzweiflung. 1920 schrieb er ihm. Vier Jahre zuvor hatte sich der von Schreibkrisen gebeutelte, vor den Scherben seiner Ehe stehende Hesse in psychotherapeutische Behandlung bei einem Schüler von C. G. Jung begeben, war dem Rat gefolgt, sich seine Ängste von der Seele zu malen.

Sieben Jahre nach dem Brief bringt der fast 50-Jährige unter Mühen seinen "Steppenwolf" heraus und schreibt: "Ich schmeiße alles hin, mein Leben, ich alternder Mann. Auf eure Welt anders zu reagieren als durch Krepieren oder durch den Steppenwolf wäre für mich Verrat an allem, was heilig ist."

Die unter schwersten seelischen Qualen leidende, suizidgefährdete Hauptfigur des "Steppenwolfs", Harry Haller, die nicht zufällig Hesses Initialen trägt, ist sein Alter Ego. Von dieser Zerrissenheit und Verzweiflung, von diesem Hadern mit der gesellschaftlichen Realität ist in Hesses Bildern, die seit 1916 entstanden, nichts zu sehen. Ins Auge fallen vielmehr farbsatte Tessiner Idyllen, duftige Landschaften und Sommerimpressionen.

Zu sehen sind sie jetzt im August Macke Haus, das sich unter dem Titel "Hermann Hesse - Mit Feder und Farbe" dem spätberufenen malenden Literaturnobelpreisträger von 1946 widmet. Die Ausstellung, die vom Museum Hermann Hesse Montagnola konzipiert wurde, war zuvor im Kunsthaus Stade zu erleben.

Das Macke Haus zeigt Werke auf Papier aus dem Nachlass von Hesses Sohn Heiner, dessen anrührender Briefwechsel mit dem Vater in Ausschnitten Teil der Schau ist. Beleuchtet wird ein Oeuvre mit vielen Fragezeichen. Eines davon betrifft sicherlich die Frage nach Hesses Zugehörigkeit zum Rheinischen Expressionismus, dem ja die Ausstellungstätigkeit des Macke Hauses verpflichtet ist.

Bis auf eine Bewunderung, die der gebürtige Württemberger Hesse für den Wahlbonner August Macke und insbesondere dessen Aquarelle hegte, und eine 1920 geknüpfte Freundschaft mit Mackes Tunisreisen-Partner Louis Moilliet gibt es keine Hinweise auf eine Beziehung zum Macke-Kreis.

Als Hesse den Maler in sich entdeckte, tobte in Europa ein Krieg mit nie da gewesener Brutalität, 1919 trennte sich der Autor von seiner psychisch erkrankten Frau, schickte seine drei Kinder ins Heim oder zu Pflegeeltern - kaum ein Reflex darauf im Werk, wiewohl er sich im Tessiner Montagnola in einen wahren Schaffensrausch malte und zeichnete.

Das künstlerische Werk, von der Fachwelt lange belächelt, rückt seit den Ausstellungen zum 50. Todestag Hesses im Jahr 2012 wieder in den Fokus. Das Landschafts-Oeuvre wurde untersucht, hier ein toter Baum inmitten der Natur als Zeichen der Einsamkeit, dort Häuser ohne Fenster als Chiffren für Isolation interpretiert.

Aber, war es nicht doch nur die Weltflucht eines mit sich selbst hadernden Autors, der sich als künstlerischer Dilettant und seine Malerei als Dichtung oder Traum bezeichnete? In einem Brief an Cuno Amiet gestand er 1922 seine künstlerischen Grenzen ein: Einfache Landschaftsmotive beherrsche er, aber die Schönheit, das Leben, die Menschen könne er nicht malen.

Die Ausstellung folgt Hesses nur mäßig überzeugenden Anfängen und zeitgeistigen Experimenten, die bald aufgegeben werden, zu einem durchaus fesselnden Oeuvre, das weitgehend unbeleckt von zeitgleich herrschenden Debatten der Kunst einen eigenen Weg sucht.

Hesse wird im Verlauf der Jahre immer besser, staffelt seine Bildelemente virtuos, bildet Landschaftsräume, entwickelt sich als Kolorist. Man dürfe aber nicht vergessen, dass er nie ein "großer Maler" sein wollte, betont die Kuratorin der Schau, Regina Bucher, "Kunst war für ihn Therapie, eine Gegenwelt".

Das Malen gab dem Autor von "Siddharta" Kraft, schriftstellerische Krisen zu meistern, aber auch seine Umwelt zu definieren. Mit Strohhut, Rucksack und Malkasten war er in die Natur gezogen. Hesses Aquarelle dokumentieren ziemlich genau, wie es rund um Montagnola, wo er von 1919 bis zu seinem Tod 1962 lebte, aussah. Traumhaft schön.

Info

August Macke Haus, Bornheimer Str. 96. Di-Fr 14.30-18, Sa, So 11-17 Uhr. Katalog (Hatje Cantz) 24,80 Euro