50-jähriges Bestehen des BBK Bonn, Rhein-Sieg Zum Jubiläum ist das Bonner Künstlerforum vollgepackt

Bonn · Mit „Zustand“ feiert der BBK Bonn, Rhein-Sieg sein 50-jähriges Bestehen. 41 Kunstschaffende tragen dazu bei. Da gibt es viel zu sehen, und manches kommt augenzwinkernd daher.

 Der „Pharao und sein Raver“ von Horst Becker stammen aus dem 3-D-Drucker und wirken wie eine Mischung aus Antike und Berghain.

Der „Pharao und sein Raver“ von Horst Becker stammen aus dem 3-D-Drucker und wirken wie eine Mischung aus Antike und Berghain.

Foto: Schoenebeck

In diesem Jahr feiert der BBK Bonn, Rhein-Sieg (Bundesverband bildender Künstlerinnen und Künstler) sein 50-jähriges Bestehen. Knapp 80 Künstlerinnen und Künstler hatten sich 1974 zusammengetan, um die regionale Vertretung eines Verbandes aufzubauen, der ihre berufsständischen Interessen gegenüber Politik und Verwaltung vertritt. Aktuell zählt der Bezirksverband 266 Künstler und ist aktiver Teil des mehr als 10.000 Mitglieder starken Bundesverbandes.

Zum Jubiläum wurde eine dreiteilige Ausstellungsserie entwickelt, deren zweiter Teil mit dem Titel „Zustand“ nun im Künstlerforum zu sehen ist. Zur Eröffnung findet Rainer Lehmann, Vorsitzender des BBK Bonn, Rhein-Sieg, ermutigende Worte über die starke Solidargemeinschaft, die Vieles erreicht habe. In Richtung Bonner Politik wird Lehmann jedoch deutlich. „Wir wünschen uns, dass auch in Bonn die von unserem Bundesverband entwickelten Empfehlungen für eine angemessene Vergütung der Künstler berücksichtigt werden.“

Ein klug gewählter Titel

Für die Ausstellung „Zustand“ ist das Künstlerforum mit Arbeiten von 41 Künstlern vollgepackt. Der klug gewählte Titel ermöglicht die künstlerische Reflexion auf vielen Ebenen – persönlich, philosophisch, politisch. Zu Beginn des Rundgangs begegnet man einem Video von Georg Schnitzler, in dem eine Plastikparkscheibe langsam von unsichtbaren Kräften deformiert wird. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass auch eine Zustandsbeschreibung selbst grundsätzlich infrage gestellt werden kann.

Weiter geht es mit der Installation „Isola“ von Anja Schindler, einem in mediterranem Blau getauchten Schränkchen, auf dem die Natur in Form von getrockneten Pflanzen und in geheimnisvollen Glasbehältern versammelt ist – eine Insel der Zuflucht. Von Tatjana Chimes stammt das Bild „Dutch Angle“, in dem ein von der Wand abgerutschtes Regalbrett die Bestandteile eines typisch niederländischen Stilllebens mit Zinnkanne, Weinglas, Nautilusbecher, Muschel und Tulpen unter sich begraben hat. Der Titel verweist auf eine schräge Kameraperspektive in der Fotografie und im Film, die im Betrachter Unbehagen und Desorientierung auslösen soll. Das verunglückte Stillleben könnte als Metapher für den Manipulationsversuch am Publikum stehen.

Nicht nur Weltuntergang

Bei den Skulpturen machen die „zwei Köpfe“ von Horst Becker auf sich aufmerksam. Die aus der Serie der Doppelporträts stammenden 3-D-Drucke identifiziert Becker als „Pharao und sein Raver“, und so wirken die beiden wie eine Mischung aus Antike und Berghain mit unernstem Unterton. „Unser Regenwald“ heißt die Installation von Er_ich.es, in der Regenschirmgestänge aus einem mulchigen Untergrund herausragen und einen traurigen Zustandsbericht einer überstrapazierten Erde vorlegen.

„Unser Regenwald“ heißt dieses Werk von ER_ich.es. Es zeigt den Zustand einer überstrapazierten Erde.

„Unser Regenwald“ heißt dieses Werk von ER_ich.es. Es zeigt den Zustand einer überstrapazierten Erde.

Foto: Schoenebeck

Auch die hochformatige elfteilige Fotoserie „Bodycheck“ von Dietmar Paetzold bietet keinen Ausweg aus dem schonungslosen Blick auf den Zustand des Körpers. Wem das alles zu viel Weltuntergang ist, dem sei das Bild „Das ist der große Moment“ von agii gosse empfohlen. Eine Gruppe von Schwimmerinnen liegt sich nach einem gewonnenen sportlichen Wettkampf in den Armen, offenbar in einem Zustand größten Glücks, passenderweise auf Frottee als Bildträger.

Künstlerforum Bonn, Hochstadenring 22, bis 30. Juni, Di-Fr 15-18, Sa 14-17, So 11-17 Uhr. Finissage mit Künstler-Gespräch am 30. Juni um 15.30 Uhr. Noch bis zum 28. Juni läuft der erste Teil der Ausstellungstrilogie im Pumpwerk Siegburg.

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