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Buchbesprechung: Sein Grabstein wurde abgesägt

Buchbesprechung : Sein Grabstein wurde abgesägt

Ein Buch erinnert an den aus Aachen stammenden einstigen musikalischen Leiter der Berliner Lindenoper Leo Blech. Herausgeberin Jutta Lambrecht stellt den Band am Freitag in Bonn vor.

Im Jahre 2013 glaubte Berlin, es sei an der Zeit, das Ehrengrab des Dirigenten Leo Blech auf dem Friedhof Heerstraße einzuebnen, weil „ein fortlebendes Andenken in der allgemeinen Öffentlichkeit über den Zeitraum eines Jahrhunderts hinaus“ nicht zu erwarten sei, hieß es aus der Senatsverwaltung.

Dabei gehörte der 1871 als dritter Sohn des jüdischen Pinsel- und Bürstenfabrikanten Jakob Blech und seiner Frau Rosette in Aachen geborene Musiker über die vielen Jahrzehnte seines Wirkens zu den ganz Großen seines Fachs. Insbesondere prägte er über Jahre die Berliner Staatsoper Unter den Linden, wo er seit 1906 regelmäßig dirigierte, deren Generalmusikdirektor er 1913 wurde und der er bis 1937 mit Unterbrechung eng verbunden blieb. Dennoch: Der Grabstein wurde abgesägt und Platz geschaffen für eine Neubelegung. Der im Dezember 2012 verstorbene Germanist Peter Wapnewski fand nun seine letzte Ruhestätte im aufgelassenen Ehrengrab Leo Blechs und dessen Ehefrau Martha.

Da Proteste von Musikliebhabern in der Berliner Senatsverwaltung ungehört verhallten, entschlossen sich die in Bornheim lebende Musikwissenschaftlerin Jutta Lambrecht und einige Mitstreiter, dem 1958 im Alter von 87 Jahren verstorbenen Dirigenten, der auch als Opernkomponist erfolgreich war, ein eigenes Denkmal zu setzen und haben das Leben und Wirken des außergewöhnlichen Mannes mit der kleinen Schrift in Erinnerung gebracht. Kommenden Freitag stellen Herausgeberin Jutta Lambrecht und ihr zum Autorenteam gehörender Berliner Kollege Peter Sühring den schmalen, gleichwohl sehr informativen Band in der Buchhandlung Böttger vor. Sühring hat für die Schrift die biografischen Fakten zusammengetragen. Dass Blech sich als Jude während der Nazizeit überhaupt in Berlin halten konnte, hatte er dem Intendanten der Lindenoper Heinz Tietjen zu verdanken, der für ihn erfolgreich bei Hermann Göring vorsprach. Doch 1937 musste Blech seine Heimat verlassen, ging zunächst nach Riga, von dort floh er nach Stockholm. Mit 78 Jahren kehrte Blech schließlich nach Berlin zurück, wo er 1949 Generalmusikdirektor der Städtischen Oper in Charlottenburg wurde. Vier Jahre später gab er seinen geliebten Beruf aus gesundheitlichen Gründen auf.

Jutta Lambrecht (Hg.): Leo Blech: Komponist – Kapellmeister – Generalmusikdirektor, Hentrich und Hentrich Verlag, 108 S., 9,90 Euro. Buchvorstellung am Freitag, 22. Januar, 20 Uhr, in der Buchhandlung Böttger, Maximilianstr. 44.