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Beethoven 2020: So war das Festkonzert mit Daniel Barenboim in Bonn

250 Jahre Ludwig van Beethoven : So war das Festkonzert mit Daniel Barenboim in Bonn

Das Konzert zum 250. Tauftag des Komponisten Ludwig van Beethoven in der Bonner Oper wurde live im Fernsehen übertragen. Der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra bezauberten die Fernsehzuschauer mit dem dritten Klavierkonzert und der fünften Sinfonie.

Barenboim ist ein Freund pointierter Formulierungen. „Ich bin sicher, dass Beethoven länger leben wird als das Coronavirus“, prophezeite er im Pausen-Interview der Live-Übertragung des großartigen Festkonzerts zum 250. Tauftag des Komponisten. Der argentinisch-israelische Dirigent und Pianist war auf Einladung der Jubiläumsgesellschaft mit dem von ihm mitbegründeten West-Eastern Divan Orchestra angereist. Ursprünglich hatten sie vor, an diesem Donnerstag, dem 250. Tauftag Beethovens, die Musik des Komponisten und seine menschliche Botschaft mit der Aufführung der neunten Sinfonie zu feiern. Denn mit welchem Werk hätte dieses Orchester, das  zu gleichen Teilen aus jungen israelischen und arabischen Musikern besteht, den Anlass besser zelebrieren können, als mit dem völkerverbindenden Chorfinale?

Dieser ursprüngliche Plan ließ sich aber wegen der Corona-Pandemie nicht mehr halten, man verzichtete also schweren Herzens auf den Chor und auf die Gesangssolisten. Statt der neunten Sinfonie erklangen nun das dritte Klavierkonzert und die fünfte Sinfonie, die „Schicksalssinfonie“. Statt frei singender Menschen erblickte man nun Streicher mit FFP2-Masken. Ein Jammer! Und doch: Zu welch einem glücklichen Moment wurde dieses außergewöhnliche Konzert! Denn die Zuschauer konnten vor den Bildschirmen oder Radios eine Aufführung dieser beiden Werke von glühender Intensität erleben. Sie schufen eine echte und wirklich packende Live-Atmosphäre, obwohl die Zuschauerreihen im Opernhaus komplett leer blieben. Selbst Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte wegen der Pandemie sein Kommen abgesagt und richtete seine Grußbotschaft aus seinem Berliner Amtssitz per Video an die Zuschauer. Neben ihm stand eine der lächelnden Beethovenstatuen Ottmar Hörls, die das Beethovenjahr 2020 auf besonders populäre Weise repräsentieren.

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Brillantes Spiel auf dem eigenen Flügel

Barenboim ist ein Traditionalist im besten Sinne. Die historische Aufführungspraxis berührt seine Interpretation ebenso wenig wie das Streben nach immer schnelleren Tempi. Mit großer Sorgfalt breitet der 78-Jährige das musikalische Material aus, lässt die Musikerinnen und Musiker jede Nuance der Themen und Motive auskosten, achtet penibel auf das musikalisch atmende Zusammenspiel. Und wenn er sich nach der langen Orchestereinleitung selbst an den Flügel setzt, kann er sicher darauf vertrauen, dass seine jungen Musikerinnen und Musiker ihm auch ohne permanente Zeichengebung folgen würden.

Barenboim hatte seinen eigenen Flügel mit nach Bonn gebracht. Ein Instrument, das nach seinen Wünschen und Klangvorstellungen entwickelt wurde und sich optisch vor allem durch die parallel aufgezogenen Saiten von anderen modernen Konzertflügeln unterscheidet. Vorbild sind Instrumente des 19. Jahrhunderts, doch der Klang des „Barenboim“ ist gleichwohl kräftig und brillant, erlaubt aber auch eine Wärme in der Tongebung, die Barenboims Spiel  sehr entgegenkommt.

Sein Spiel wirkte in jedem Augenblick inspiriert, jeder Lauf, jeder Sprung saß absolut sicher, jede ausformulierte Melodie wurde zum Genuss. Sowohl im ersten Satz mit einer wunderbar gespielten Kadenz als Höhepunkt, wie auch in dem himmlischen zweiten Satz und dem nicht zu schnellen und doch sehr tänzerischen Finalsatz. Wie gerne hätte man danach den Applaus gehört!

Auch bei der fünften Sinfonie musste man darauf verzichten. Dennoch erlebte man durch Barenboim und seine fantastischen Musiker diese Sinfonie als wunderbare Reise von der Nacht zum Licht und wurde Zeuge eines echten Hörabenteuers. Dabei legten Barenboim und sein Orchester es nicht auf Effekte an, sondern wie schon beim Klavierkonzert auf ein wunderbar ausgewogenes Musizieren, das die dramaturgische Entwicklung des Werks sehr nachvollziehbar aufzeigte. Beim berühmten Beginn klopfte das Schicksal wuchtig an die Pforte, woraus sich ein temperamentvolles Wechselspiel der verschiedenen Instrumentengruppen ergab. Ein triumphierender Hornruf war da ebenso zu vernehmen wie eine herrlich kadenzierende Oboe. Auch im zweiten Satz gefielen die Holzbläser, die Barenboim perfekt aufeinander abgestimmt hatte. Und die tiefen Streicher im Fugato des dritten Satzes machten ebenso eine gute Figur wie das strahlende Blech im Finale. So darf das Jubiläumsjahr gerne in die Verlängerung gehen!  

Das Konzert ist noch bis zum 15. Februar 2021 in der 3sat-Mediathek zu sehen.