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Debatte um Beutekunst: Bronzen der Bonner Uni unter der Lupe

Debatte um Beutekunst : Bronzen der Bonner Uni unter der Lupe

Raubkunst: Monika Grütters macht Druck bei der Restitution der Benin-Bronzen. Bonner Uni-Museum beteiligt sich an bundesweiter Bestandsaufnahme

Die Eröffnung des Humboldt-Forums in Berlin rückt näher, der Druck wächst ob der vielen während der Kolonialzeit unter nicht geklärten Umständen erworbenen Stücke, die dort gezeigt werden sollen. Da versucht nun Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) zumindest auf dem Feld der Benin-Bronzen für Entlastung zu sorgen. Diese Stücke, die britische Kolonialtruppen 1897 nach der Plünderung des Königspalastes nach England verschleppten, in eigenen Museen unterbrachten oder versteigerten, sollen nun, sofern sie nach Deutschland gelangten, genauer untersucht und rasch an Nigeria zurückgegeben werden. Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy hatte unlängst mit ihrem Buch „Afrikas Kampf um seine Kunst. Geschichte einer postkolonialen Niederlage“ den Druck auf den Bund verstärkt.

Erste als Raubgut eingestufte Bronzen will die Bundesregierung 2022 restituieren, versprach Grütters am Donnerstagabend. Bis zum 15. Juni will sie eine Aufstellung aller im Besitz deutscher Museen befindlichen Benin-Bronzen im Internet veröffentlichen lassen.

Bonner Exponate aus dem BASA-Museum

Ob da auch die beiden Bronze-Hähne aus Bonn dabei sind, darf man gespannt sein. Immer wieder wurden die beiden Stücke aus dem BASA-Museum, der Amerika-Sammlung an der Bonner Universität, in Beziehung zu den Benin-Bronzen gesetzt. Das BASA-Museum in der Oxfordstraße ist jedenfalls an der von Grütters angeregten Bestandsaufnahme beteiligt. Die Daten sollen auf der Webseite www.cp3c.de der von Bund und Ländern gemeinsam finanzierten „Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ zugänglich gemacht werden.

Die beiden Bonner Stücke wurden laut Universität durch den Völkerkundler Franz Josef Micha von einem Antiquitätenhändler Thomas erworben. In dem Stadtrundgang „Koloniale Spuren in Bonn“ der Bundeszentrale für politische Bildung heißt es hingegen, die Bronzen seien in England erworben worden. BASA-Leiterin und Professorin für Archäologie und Kulturanthropologie, Karoline Noack, erklärte sich 2020 bereit, die Objekte zu prüfen, sagte aber: „Selbst bei ausgewiesener Beutekunst kann man die Stücke ja nicht einfach in ein Paket packen und wegschicken.“

Vielleicht muss Noack auch nichts einpacken. Befand doch Silvia Dolz, Kustodin der Afrika-Sammlung im Museum für Völkerkunde Dresden, die Stücke seien „völlig unbedeutend im Verhältnis des Gesamtkonvoluts“ der Benin-Bronzen. Die Stücke könnten, so wird vermutet, in der Zeit nach der Plünderung in Auftrag gegeben worden sein.

Also: keine Beutekunst, sondern schnöde Handelsware?