GA Krimikritik: Der Polizeiruf aus Swiecko Bunte Würfelei

Man kann gar nicht anders, als sich Gedanken darüber zu machen, warum die beiden Ermittler im neuen deutsch-polnischen Tatort jetzt gemeinsam ermitteln. Doch langweiliger hätte der Fall kaum erzählt werden können, meint GA-Krimikritiker Daniel Schauff.

Gisa Flake (links) als Alexandra Luschke und Frank Leo Schröder als Karl Rogov in einer Szene aus „Polizeiruf 110: Schweine“.

Gisa Flake (links) als Alexandra Luschke und Frank Leo Schröder als Karl Rogov in einer Szene aus „Polizeiruf 110: Schweine“.

Foto: dpa/Christoph Assmann

Der Presse zeigt die ARD bis wenige Tage vor Ausstrahlung des neuen Polizeirufs noch eine Arbeitsfassung, teils untertitelt, teils mit so miesem Ton, dass die Worte im Oderwald verschwinden. Man kann also nur mutmaßen, was da gerade gesagt wurde, in welcher Sprache, und wie ebendas die Geschichte weiterbringt. Und hoffen, dass die finale Version im Sonntagsprogramm zumindest technisch ein bisschen besser ist. Inhaltlich wird sich wenig retten lassen.

Erbreiche Deutsche jagen in Polen, benehmen sich daneben, einer stirbt, geht ins Wasser, kommt auf deutscher Seite wieder raus. Das muss so, damit Swiecko auch einen Grund hat zu ermitteln. Ist ja schließlich ein deutsch-polnisches Kommissariat.

Das – und hier kommen wir zum Elefanten im Raum – ist neu besetzt. Rogov (Frank Leo Schröder) ist jetzt kein brandenburgischer Kleinstadtpolizist mehr, sondern so etwas wie ein Chefermittler. Ihm zur Seite steht Kommissarin Luschke (Gisa Flake), die bisher in Cottbus im Einsatz war, jetzt in Swiecko. Warum, das weiß kein Mensch. Ross (André Kaczmarczyk) ist auf Fortbildung – so viel erfährt der Zuschauer. Vielleicht lernt er die polnische Sprache. Das würde Sinn ergeben, bleibt aber möglicherweise auch ein frommer Wunsch.

Schöne Bilder, unschöne Längen

Also ermitteln in „Schweine“ zwei, die so gar nichts für die grenzüberschreitende Arbeit qualifiziert. So schön hatten die Ideengeber im RBB-Polizeiruf die einstige Krause-Partnerin Olga Lenski (Maria Simon) an die Oder geholt. Sie traf auf einen Ermittler, der mit seinen polnischen Wurzeln prädestiniert für die Arbeit an der Grenze war. Aber Radczek (Lucas Gregorowicz) ist (leider) weg. Die Idee, den so paradiesvogeligen Ross nach Frankfurt/Swiecko zu holen, war noch nett, jetzt die Karten aber so wild durcheinander zu mischen, ist ein bisschen zu viel des Guten.

Immerhin: Das beschäftigt den Zuschauer rund 88 Minuten lang ausreichend. Das schafft die Krimi-Geschichte nämlich nicht. Viel zu viele Längen haben Seraina Nyikos, Lucas Flasch, Mike Bäuml und Thomasz E. Rudzik (auch Regie) ins Drehbuch gepackt. Unterbrochen werden die höchstens von den schönen Bildern, die entlang der Oder entstanden sind (Kamera: Namche Okon) und für ein bisschen Atmosphäre sorgen.

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