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Statt Comedy: Carolin Kebekus sendet „Brennpunkt Rassismus“

Statt Comedy : Carolin Kebekus sendet „Brennpunkt Rassismus“

Schluss mit lustig: Am Donnerstagabend reservierte Carolin Kebekus 8 Minuten und 46 Sekunden für nicht weiße Deutsche, die über Rassismus im Alltag erzählten. Mit frappierenden Beispielen.

Normalerweise steht Carolin Kebekus für Comedy, doch am Donnerstagabend nutzte sie einen Teil ihrer ARD-Show für einen „Brennpunkt“ zum Thema Rassismus.

„Mein Anliegen mit dem Themenstück in der gestrigen Sendung ist und war, dass auch hier bei uns über Rassismus diskutiert wird, denn Rassismus ist nicht nur ein amerikanisches Problem“, teilte Kebekus dazu am Freitag der Deutschen Presse-Agentur mit. „Rassismus tötet, auch in Deutschland. Und damit müssen wir uns alle auseinandersetzen - auch wenn’s wehtut.“

Für dieses Thema gab die 40 Jahre alte Satirikerin die Moderation ihrer „Carolin Kebekus Show“ zeitweise an Shary Reeves („Wissen macht Ah!“) ab. Diese führte durch einen „Brennpunkt“ im „ersten deutschen weißen Fernsehen“. „Menschen mit heller Haut können nicht nachempfinden, was Menschen mit dunkler Haut fast täglich an Benachteiligungen widerfährt“, erklärte die gebürtige Kölnerin mit afrikanischen Wurzeln.

Sie selbst vergleiche das immer mit einer Schwangerschaft. „Ich hab' keine Ahnung, was es bedeutet, schwanger zu sein. Warum? Ganz einfach: Ich war's nämlich noch nie. Deswegen können Sie Rassismus auch nicht nachvollziehen.“ Danach schilderten dunkelhäutige Deutsche wie der Sänger Marius Jung, die grüne Politikerin Aminata Touré und der ehemalige BVB-Spieler Patrick Owomoyela rassistische Alltagserfahrungen.

Die Autorin Jasmina Kuhnke erzählte, sie habe einmal im Krankenhaus um ihr Leben gekämpft: „Die diensthabende Schwester weigerte sich, mir zu helfen. Sie weigerte sich mit den Worten, dass sie schwarze Menschen nicht so gerne anfasst.“

Schauspielerin Thelma Buabeng berichtete, wie sie wegen Schmerzen eine anthroposophischen Frauenärztin aufgesucht habe. Die erklärte ihr: „Frau Buabeng, Sie müssen gar nicht weiterreden. Das ist ganz typisch bei afrikanischen Frauen. Sie tragen den Schmerz der afrikanischen Frau in Ihrem Becken. Sklaverei, Kolonialismus, Vergewaltigung.“ Sie solle einfach zuhause Trommelmusik anmachen und den Schmerz rausschütteln. Die Schilderungen dauerten 8 Minuten und 46 Sekunden - so lange wie der Polizist in Minneapolis auf George Floyd gekniet hatte.

Auch Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf hatten im Mai 15 Minuten Sendezeit für ein ernstes Thema reserviert - bei ihnen war dies Belästigung von Frauen. Eine Twitter-Nutzerin schrieb zu dem Rassismus-Schwerpunkt bei Carolin Kebekus: „Aus den USA kennt man das ja schon länger, aber auch in D übernehmen immer öfter Comedians, Satirikerinnen und Late-Night-Talker in bestimmten Bereichen den Job der etablierten Medien. Das ist cool - noch besser wärs aber, wenn das nicht nötig wäre.“

"Brennpunkt Rassismus" von Carolin Kebekus

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(dpa)