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Kritik zum neuen Album: Chrysta Bell: Wie eine schöne Außerirdische

Kritik zum neuen Album : Chrysta Bell: Wie eine schöne Außerirdische

Konkurrenz für Lana Del Rey: Chrysta Bells neues Album „We Dissolve“ klingt abwechselnd poppig, soulig, rockig und jazzig.

David Lynch hat ein Händchen für Musen. In den 1990er Jahren war das zum Beispiel die Sängerin Julee Cruise. Zuletzt hat der „Twin Peaks“-Schöpfer viel kreative Zeit mit der texanischen Sängerin und Schauspielerin Chrysta Bell, 39, verbracht.

2011 brachten die beiden Bells großartiges Debütalbum „This Train“ heraus, 2016 dann die EP „Somewhere In The Nowhere“. Bell, die „We Dissolve“ ohne den musikalischen Kollaborateur Lynch eingespielt hat, ist aber nicht ganz von Lynch losgekommen. In der dritten Staffel von „Twin Peaks“ verkörpert sie die glamouröse FBI-Agentin Tammy Preston. Die Kamera kann sich gar nicht sattsehen an ihr.

Chrysta Bells professionelle Karriere als Musikerin begann, als RCA Victor sie im Alter von 18 Jahren unter Vertrag nahm. Sie war Leadsängerin der texanischen Band 8 ½ Souvenirs. Vier Jahre dauerte ihre Amtszeit bei der Band. Als Lynch die Musikerin zum ersten Mal auf der Bühne sah, war er hingerissen von dieser Außerirdischen – „the most beautiful alien ever“. Lynch mag es sinnlich, betörend, enigmatisch und ein bisschen diabolisch. All das bietet Chrysta Bell auf vollkommene Weise. Sie behauptet sich dabei auf einem Terrain, das zuletzt die amerikanische Kollegin Lana Del Rey dominiert hat.

Die zehn Songs des neuen Albums „We Dissolve“ hat John Parish, langjähriger Mitstreiter von PJ Harvey , produziert. Bell und er haben die Palette der Sängerin erweitert, abwechselnd klingt sie poppig, soulig, rockig und jazzig. Sie spielt mit dem Lied „Devil Inside Me“ überzeugend die herausfordernd laszive Femme fatale. Der Titelsong „We Dissolve“ ist ein Lovesong, gesungen wie in Trance. Die heile Welt hat Chrysta Bell nicht im Angebot. Happy End auch nicht. „Over You“ spiegelt die Zerrissenheit einer Frau, die von einem Kerl loskommen will – und eigentlich doch nicht.

Chrysta Bell: We Dissolve. Kobalt.