Das UKW-Radio wird 75 Die Magie der Zahlen

Zu seinem 75. Geburtstag muss sich das UKW-Radio Sorgen um die Zukunft machen: Immer weniger Nutzer setzen auf das analoge Signal. Digitale Verbreitungswege setzen sich durch. Die magische Zeit des Radios ist in Zeiten des Streams ohnehin längst vorbei.

Hat heutzutage fast ausgedient: Das klassische Autoradio.

Hat heutzutage fast ausgedient: Das klassische Autoradio.

Foto: Adobe Stock

Die Magie der Zahlen erschließt sich nicht nur Mathematikern oder sehr reichen Menschen. Wer in der Prä-Internet-Ära Radio gehört hat, brauchte durchaus ein gutes Gedächtnis und vor allem ein ruhiges Händchen, um den UKW-Sender der Wahl per Drehknopf exakt einzustellen, damit es nicht knarzt und rauscht. Im Falle des Autors war dies meist 94.8 (SWF3, vor der Fusion mit dem SDR zu SWR3 der unterhaltsamste Sender), 99.2 (WDR2, für die Fußball-Konferenz am Samstag) und 96.5 (BFBS1, für die unterhaltsamen Stau-Durchsagen inklusive urkomischer deutscher Autobahnkreuze von britischen Moderatoren).

Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Streaming oder der digitale Empfang (DAB) machen abseits von Spotify und Konsorten auch den Radio-Konsum störfreier und stabiler. Und so liegt es auf der Hand, dass sich die 1949 in Deutschland eingeführte Ultrakurzwelle zu ihrem 75. Geburtstag am Mittwoch auf dem Rückzug befindet: 2013 war ein UKW-Gerät noch in 78,6 Prozent der deutschen Haushalte der meistgenutzte Radioapparat. Im vergangenen Jahr war das nur noch in 53 Prozent der Haushalte der Fall, meldet die Deutsche Presse-Agentur. Streaming killed the Radio Star. Oder so ähnlich.

Ob die Ultrakurzwelle ihren 100. Geburtstag erleben wird?

Die digitale Technik wird zunehmend dazu führen, dass Sender ihre teure analoge Verbreitung abstellen werden. Bleibt abzuwarten, ob die Ultrakurzwelle ihren 100. Geburtstag überhaupt noch erleben wird.

Der ganz große Tüftel-Zauber war ohnehin früh verflogen. Dank der RDS-Technik haben moderne Geräte schon in den 90er Jahren immer die bestmögliche Frequenz eines Senders selbst eingestellt. Das erhabene Gefühl, die gewünschte Welle mit feinem Händchen so genau justiert zu haben, dass man illegal Musik auf Kassette mitschneiden konnte, gehörte also schon damals längst der Vergangenheit an – egal ob 94.8, 99.2 oder 96.5.

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