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Kulturtipp: Französisches Kammerspiel: TV-Serie „En thérapie“

Kulturtipp : Französisches Kammerspiel: TV-Serie „En thérapie“

Die israelische TV-Serie „BeTipul“ hat weltweit Nachahmer gefunden. In Frankreich heißt sie „En thérapie“. Frédéric Pierrot spielt einen Psychoanalytiker in der Lebenskrise.

Der in Irland geborene Schauspieler Gabriel Byrne ist unvergessen als Psychiater Paul Weston in der amerikanischen Fernsehserie „In Treatment“ (2008-2010). Der melancholische Arzt wirkte immer genauso hilfsbedürftig wie seine Patienten. Die drei Staffeln waren eine Adaption des israelischen Originals „BeTipul“ von Hagai Levi; die erste der zwei zwischen 2005 und 2008 ausgestrahlten Staffeln ist derzeit als Arte-Stream abrufbar. Jetzt hat Paul Weston eine Nachfolgerin. Uzo Aduba als Dr. Brooke Lawrence trägt die vierte Staffel von „In Treatment“ (bei Sky Atlantic).

Damit aber nicht genug. Frankreich hat ebenso wie Rumänien, Moldawien, Serbien, die Tschechische Republik, Polen, die Slowakei und Ungarn Geschmack an dieser Art therapeutischem Kammerspiel gefunden. „En thérapie“ heißt die Adaption von David Elkaïm und Vincent Poymiro, die Éric Toledano und Olivier Nakache für Arte umgesetzt haben. Die Serie ist auf DVD und Blu-Ray bei Arte Editions im französischen Original erschienen. Die 35 Episoden, in denen der Psychoanalytiker Philippe Dayan (Frédéric Pierrot) fünf Patienten (darunter ein Paar) auf seiner Couch begrüßt und selbst Hilfe bei seiner Kollegin Esther (Carole Bouquet) sucht, erinnern stark an „In Treatment“ – mit einem entscheidenden Unterschied.

Ob Ariane (Mélanie Thierry), eine junge Ärztin, die sich in den Therapeuten verliebt, oder Adel (Reda Kateb), Beamter der Polizei-Spezialeinheit BRI – alle sind von den islamistischen Anschlägen am 13. November 2015 in Paris traumatisiert; die Serie setzt wenige Tage danach ein. Adel war im Einsatz im Musikclub Bataclan, Ariane hat im Krankenhaus Verletzte operiert. Auch der Psychoanalytiker Dayan ist Opfer der Verhältnisse.

„En thérapie“ nähert sich dem Thema mit Empathie, Wärme und Humor. Die Schauspieler wachsen über sich hinaus. Allen voran Pierrot als Therapeut in der Lebens- und Ehekrise, der alle Distanz zu seiner Patientin Ariane verliert. Deren innere Zerrissenheit macht Mélanie Thierry zu einem Darstellungsereignis. Reda Kateb als Polizist Adel droht an dem Gegensatz zwischen idealisiertem Selbstbild und grausamer Wirklichkeit zugrunde zu gehen. Carole Bouquet nutzt als Esther einen rasiermesserscharfen Verstand, dessen Erkenntnisse ihren Kollegen Dayan aus der Fassung bringen. Auch Clémence Poésy, Pio Marmaï und Céleste Brunnquell verleihen ihren Figuren eine im Fernsehen (erst recht im Theater) seltene Tiefe.

In loser Folge an dieser Stelle: Kulturtipps aus der Feuilleton-Redaktion.