GA-Krimikritik: Der Polizeiruf aus Magdeburg Zum Scheitern bestimmt

Bonn · Ein paar Minuten sind gut in diesem neuen Magdeburg-Polizeiruf. Bezeichnend, dass die nichts mit dem Fall zu tun haben, findet GA-Krimikritiker Daniel Schauff.

 Brasch (Claudia Michelsen) und Lemp (Felix Vörtler) schauen sich auf dem Dach um und tauschen erste Ideen aus.

Brasch (Claudia Michelsen) und Lemp (Felix Vörtler) schauen sich auf dem Dach um und tauschen erste Ideen aus.

Foto: dpa/Stefan Erhard

Ein paar Minuten lang ist der neue Polizeiruf aus Magdeburg richtig gut. Dann nämlich, als der Kriminalrat (Felix Vörtler) und die Kommissarin (Claudia Michelsen) im Ausweichquartier des Genesenden sitzen und über das Leben und den Tod philosophieren. Das ist stark – und bezeichnend, weil die einzige fesselnde Szene im Krimi nichts mit dem Fall zu tun hat – zumindest nichts mit dem aktuellen.

Der dreht sich um soziale Netzwerke, um Influencerinnen, die – ganz dem Klischee entsprechend – auch noch Narzissten sind. Dabei passiert genau das, was nahezu immer passiert, wenn sich der Sonntagskrimi besonders modern geben will und Jugendliche ansprechen möchte. Genau das Gegenteil geschieht: Die bunte Welt des Influencertums wird eins zu eins so dargestellt, wie der geneigte Krimifan, der wenig damit zu tun haben dürfte, sie wahrnimmt: eindimensional, dumpf, gefährlich und sowieso irgendwie sinnlos. Zu allem Überfluss macht der Magdeburg-Krimi auch noch die Ehrenmord- und Familienehre-Büchse auf, die vollkommen überflüssig ist und vergeblich versucht, den Zuschauer auf eine falsche Fährte zu locken.

Das funktioniert nicht, weil ziemlich schnell ziemlich klar wird, dass Leonie (Katharina Stark) die Täterin ist, zumindest die physische. Als dann auch noch klar ist, dass Aalisha (Hannah Gharib) gar nicht tot ist, ist auch klar, dass sie die treibende Kraft war.

Und so plätschert dieser Polizeiruf dahin (Buch: Michael Gantenberg, Regie: Florian Knittel), und so wenig Lust der Zuschauer hat, bis zum Ende dabeizubleiben, so wenig Lust scheinen auch die Darsteller an ihrer Aufgabe zu haben. Michelsen wirkt genervt, Vörtler tut sein Bestes, das ist auch gewohnt gut, nimmt nur viel zu wenig Raum in diesem Krimi ein. Jenseits der paar Minuten zwischen Kriminalrat und Kommissarin glänzt allenfalls besagte Stark als Leonie, die Begeisterung für sie schwindet allerdings, als sie zur Geiselnehmerin wird. Das wirkt ebenso unbeholfen wie die Idee einer Doppelgängerin. Damit kann man ein Publikum auch für dumm verkaufen.