GA-Krimikritik: Der Tatort aus dem Schwarzwald Seltsam unbeeindruckt

Bonn · Der neue Schwarzwald-Tatort ist keine Offenbarung, aber ein solider Krimi. Die Geschichte ist zu verwoben, um sie als Grund dafür anzugeben. Also müssen es die Darsteller sein, die den Film so sehenswert machen, findet GA-Krimikritiker Daniel Schauff.

 Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) in dem „Tatort: Letzter Ausflug Schauinsland“.

Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) in dem „Tatort: Letzter Ausflug Schauinsland“.

Foto: dpa/Christian Koch

Seltsam unbeeindruckt bleibt man beim Blick in die Forensische Psychiatrie, den der neue Schwarzwald-Tatort ermöglicht. Unbeeindruckt aber auch nur und vor allem deshalb, weil dieser Blick so echt, so realitätsnah wirkt. Man entscheidet sich entschieden dagegen, aus dem Irrenhaus ein solches zu machen. Obwohl man sicher viel Dramatik hätte erzeugen können, hätte man auf Abstoßendes, Widerliches, Beängstigendes gesetzt statt eine Station so zu porträtieren, wie sie wahrscheinlich sein könnte. Rat haben sich die Autoren (Buch: Stefanie Veith) in der LVR-Klinik in Düren geholt. Das steht so im Abspann. Und das scheint eine gute Idee gewesen zu sein.

Drumherum, also außerhalb der Klinikräume, bleibt der Tatort ebenso unaufgeregt und konzentriert sich dankenswerterweise voll und ganz darauf, die arg verwobene Geschichte so zu erzählen, dass der Zuschauer ihr folgen kann.

Durchweg starke Darstellerleistungen

Dass er das auch will, hat viel mit den durchweg starken Leistungen der Darsteller im Schwarzwald-Tatort zu tun. Rüdiger Klink ist großartig als Hansi Pagel, der in erster Linie zwar der Böse, der Vergewaltiger, der Unkontrollierte ist, aber trotzdem Persönlichkeit hat. Bekim Latifi erzeugt als Pagels Drachen sehender Zimmernachbar in einem Moment gleichzeitig Furcht und Mitleid. Ulrike Arnold als Gisela Tausendleben schafft es, ihre Figur von der eigenen kriminellen Energie überrascht wirken zu lassen. Und dann sind da noch Berg und Tobler (Hans-Jochen Wagner und Eva Löbau), die längst allein wegen ihres großartigen Zusammenspiels zu den besten Krimiduos im deutschen Fernsehen gehören. In dieser Tatort-Folge ist es die Hilfe, die sie leistet, während er das Dach neu eindeckt. Da wird nicht wild übereinander hergefallen, da wird nicht lautstark diskutiert, da sind einfach zwei Kollegen, die sich gut verstehen. Das kommt in der Realität wahrscheinlich sehr häufig vor, im Tatort hat das extremen Seltenheitswert.

Der neue Schwarzwald-Tatort ist sehenswert (Regie: Stefan Krohmer) und vielleicht noch ein bisschen mehr. Und er fungiert ein bisschen als ein Beweis dafür, dass die Story nicht die beste sein muss, um sie zu einem guten Film zu machen, wenn die, die filmen, auch Lust dazu haben.

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