GA-Krimikritik: Der Tatort aus Zürich In Sachen Affenmord

Bonn · Das Zürcher Team legt den ersten wirklich guten Fall ihrer noch jungen Karriere vor. Und schafft dabei etwas, was Münster längst verlernt hat, findet GA-Krimikritiker Daniel Schauff.

Anna Pieri Zuercher (r) und Carol Schuler gehen zu einer Pressekonferenz. Als Ermittlerinnenduo haben sie diesmal unter anderem einen Affenmord aufzuklären. Der entpuppt sich aber als Glied in einer ganzen Kette von Morden.

Anna Pieri Zuercher (r) und Carol Schuler gehen zu einer Pressekonferenz. Als Ermittlerinnenduo haben sie diesmal unter anderem einen Affenmord aufzuklären. Der entpuppt sich aber als Glied in einer ganzen Kette von Morden.

Foto: picture alliance/dpa/KEYSTONE/Walter Bieri

Man will den Schweizern gleich des Fotografen Lieblingssatz entgegenschmettern: Bitte genau so bleiben. Nicht bewegen. Nicht wieder langweilig werden. Humor steht euch. Weiter so.

Zürich probiert es mit einem Augenzwinkern. Und es wirkt. Bisher hatten sich Grandjean (Anna Pieri Zuercher) und Ott (Carol Schuler) vor allem als nichtssagende Ermittlerinnen hervorgetan und damit dem Schweizer Tatort alle Ehre erwiesen. Jetzt aber wird’s interessant. Denn Zürich probiert das, was Münster einst konnte und längst verlernt hat: feinen Humor.

Da stirbt also ein Affe. Und Ott wirft gleich die Frage in den Raum, warum dafür nicht die Abteilung Leib und Leben zuständig sein sollte. Ein Prozent der Genetik unterscheidet das Tier vom Menschen, argumentiert sie. Und Grandjean verdeutlicht: Genau das entscheidet, auf welcher Seite der Scheibe wer steht. Das grenzt an Philosophie.

In Sachen Affenmord unterwegs

Und während sich Ott nun also ein paar Stunden freinimmt und den Affenmord untersucht, fallen in Zürich reihenweise comicartige Gestalten um, werden auf bestialische Weise ermordet. Gut, dass ebendiese Morde, passend zur Story (Buch: Lorenz Langenegger und Stefan Brunner), ebenso comichaft wie die Figuren dargestellt werden. Das verleiht dem Zürcher Tatort eine ganz ungewohnte Leichtigkeit, erinnert fast ein bisschen an Filme wie „Sin City“ oder „Watchmen“. Und macht die 90 Minuten erfreulich kurzweilig.

Außerdem kriegt es der Tatort diesmal hin, den beiden Ermittlerinnen ihre jeweilige Persönlichkeit zu geben. Da ist Ott, die bescheiden lebt, aber mit goldenem Löffel im Mund geboren wurde. Und da ist Grandjean, die Grande Dame, die eigentlich gar nicht so grande ist und sich von einem Rohdiamanten ordentlich aus dem Konzept bringen lässt.

Und herrlich müde ist sie auch, sodass man sich gern gleich mit aufs Ohr knallen würde, bestünde so nicht die Gefahr, wichtige Wendungen in diesem sehr sehenswerten Sonntagskrimi zu versäumen, der sich schamlos nicht nur an bereits erwähnten Comicverfilmungen bedient, sondern auch aus der großen Kinokomödienzeit der 1980er Jahre klaut: Mrs. Stone, Bette Midler, wer sie noch kennt. Aus noch früheren Zeiten die etwas ungelenke, aber hochsympathische Art, eine Schauspielerin in zwei Rollen zu zeigen. Kamera auf den Hinterkopf und bloß nichts sagen. Perfekte Illusion, dachte man in vergangenen Jahrzehnten noch. Gute alte Zeit. Guter neuer Krimi. Also noch mal: Bitte genau so bleiben.

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