GA-Krimikritik: Der Tatort aus Wacken Hart an der Peinlichkeitsgrenze

Bonn · Borowski auf Wacken. Das schreit nach schlecht, ist es auch. Das ist vor allem deshalb schade, weil die Idee zum Krimi alles andere als schlecht war. Bei ebendieser bleibt es aber auch, findet GA-Krimikritiker Daniel Schauff.

 Mila (Almila Bagriacik) und Borowski (Axel Milberg, 2.v.r.) nehmen Michi Berger (Nikolaus Okonkwo) unter die Lupe in einer Szene des Films „Tatort: Borowski und das unschuldige Kind von Wacken“.

Mila (Almila Bagriacik) und Borowski (Axel Milberg, 2.v.r.) nehmen Michi Berger (Nikolaus Okonkwo) unter die Lupe in einer Szene des Films „Tatort: Borowski und das unschuldige Kind von Wacken“.

Foto: dpa/Thorsten Jander

Es stellt sich am Ende halt die Frage, warum dieser Krimi in Wacken spielen musste. Klar, der Tatort aus Kiel folgt damit einem neuen Trend – man liest und hört immer öfter, wie viele Menschen es raus aus der Stadt und rauf aufs Land zieht. Ganz frisch noch die Ausflüge der Münchner und Stuttgarter jenseits der Stadtgrenzen. Jetzt also auch Kiel.

Nun gäbe es rund um die norddeutsche Großstadt zweifelsohne eine Menge Orte, die ebenso klein wie Wacken sind, aber ohne Heavy-Metal-Festivals auskommen. Nicht falsch verstehen: Wacken ist zweifelsohne ein ganz großartiges Ding, spielt aber weder für den Fall noch für die Kulisse in irgendeiner Form eine tragende Rolle. Im Gegenteil: Die sich ständig zuprostenden Statisten, die überwiegend schlecht kostümiert durchs Bild wanken, stören vielmehr. Und weil man ständig hofft, dass sich doch noch ein Grund auftut, warum nun Wacken, lässt man sich von der Handlung abbringen, die so schlecht gar nicht ist (Buch: Agnes Pluch), die sogar – einmal mehr – Andreas Stöhler spielen lässt (Vorsicht, so langsam nutzt er sich ab).

Vielleicht ist das ja auch der Grund für die konstant miese Laune, mit der Almila Bagriacik als Mila Sahin durchs Bild laufen muss. Der früher immer eher schlecht gelaunte Borowski (Axel Milberg) hat sich derweil zum Hipsterrentner entwickelt und weiß wahrscheinlich selbst gar nicht mehr genau, wer, wie oder was seine Figur jetzt darstellen soll. Borowski, damals, als er noch Passat fuhr, bei Wacken. Das wäre sicher ein großartiger Krimi geworden. Und wer nach 88 Minuten noch nicht genug hatte, muss sich noch ansehen, wie Borowski und Schladitz (Thomas Kügel) ihre Teufelsfinger in die Luft recken, während sie einem Wacken-Konzert lauschen. Das überschreitet jede bis dahin gerade so vermiedene Grenze zur Peinlichkeit.

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