Erfolg im Dunstkreis der Mafia : Al Pacino wird 80

Der große Hollywoodschauspieler Al Pacino wird an diesem Samstag 80 Jahre alt. Mit „Der Pate“ wurde er zum Star. Den verdienten Oscar gab es allerdings erst im siebten Anlauf.

Auch wenn er nur diese drei Filme gedreht hätte, wäre Al Pacino einer der Unsterblichen des Hollywoodkinos. In Francis Ford Coppolas Mafia-Trilogie „Der Pate“ (1972-1990) durchmisst er als Michael Corleone einen ganzen Shakespeare-Kosmos: Anfangs wirkt er in Marlon Brandos Übervaterschatten wie ein überforderter Hamlet, lernt später das Geschäft der Grausamkeit fast so perfekt wie Richard III., um schließlich als einsamer King Lear zu enden.

Diese Höllenfahrt spielt der Mann aus New York mit mimischer Minimalpräzision. Wenn Michaels Schwester Connie ihm den Mord an ihrem Mann vorwirft und er die Tat gegenüber seiner Frau (Diane Keaton) eiskalt leugnet, sieht man beides: seine Härte und den Preis, den er bezahlt. Ein Charakter implodiert.

Diese ganz große, leise Schauspielkunst war der Oscar-Academy keine Trophäe wert. So zählt es zu den Bizarrerien seiner Karriere, dass Pacino den Goldjungen erst im siebten Anlauf für seine grenzwertige Tour de Force als blinder Army-Veteran in „Der Duft der Frauen“ (1992) bekam.

Der Schauspieler als Rampensau

Überhaupt gibt es diesen Star gewissermaßen in zwei Versionen: als subtilen Menschenzeichner und als pompös auftrumpfende „Rampensau“. Wobei solch exaltiertes Overacting manchmal durchaus zu aparten Effekten führt, wenn es etwa wie in Michael Manns Thriller „Heat“ auf die Granit-Coolness von Robert De Niro stößt.

Alfredo James Pacino wuchs als Sohn früh geschiedener italienischer Einwanderer in der South Bronx auf, setzte nach dem Schulverweis mit 17 ganz aufs Theater.  Anfangs war er Kartenabreißer in kleinen Klitschen, wurde aber nach harter Lehre im Actor‘s Studio am Off-Broadway fürs Kino entdeckt. Schon 1970 machte er als neurotischer Dealer in „Panik im Needle Park“ Furore.

Seine besten Parts hatte er bald in abgründigen Krimis wie William Friedkins Undercoverdrama „Cruising“ oder in harten Gangsterfilmen. So verkörperte er in Sidney Lumets „Hundstage“ den gestressten Bankräuber in einer explosiven Mischung aus Angst, Selbstüberschätzung und Kleine-Leute-Pathos. Zwei mutige Rollen jenseits des Hetero-Macho-Klischees.

Wie breit die Temperaments-Palette dieses Könners ist, zeigt sich auch abseits des „Paten“ vor allem in seinen Mafia-Figuren: Einerseits ließ er sich von Brian De Palma gern den blutroten Teppich für seinen Amoklauf als monströser Drogenbaron Tony Montana in „Scarface“ ausrollen, andererseits beeindruckte er in „Donnie Brasco“ als unglamouröser, äußerlich wie innerlich verschlissener Mobster, der seine Vertrauensseligkeit teuer bezahlt.

Auch außerhalb des kriminellen Milieus fand er reizvolle Rollen: als kriselnder Rennfahrer in „Bobby Deerfield“ oder als lebensmüder Schauspieler in „The Humbling“ nach Philip Roths Roman „Die Demütigung“.

Liebe zum Theater

Er war ein unter Erfolgsdruck leidender Immobilienmakler („Glengarry Glen Ross“), Satan persönlich („Im Auftrag des Teufels“) – oder spielte sich selbst in „Jack und Jill“. Wobei ihm letzterer Auftritt die „Goldene Himbeere“ als schlechtester Nebendarsteller einbrachte.

Abgesehen von einer kurzen Misserfolgsphase in den 80er Jahren war Pacino stets gefragt. Und wenn es auf der Leinwand wirklich einmal nicht lief, spielte er eben wieder Theater oder drehte einen Film über Shakespeares „Richard III.“. Dass der (nie verheiratete) dreifache Vater an diesem Samstag 80 Jahre alt wird, mag man beim Blick auf seine aktuellen Aktivitäten und seine Vitalität kaum glauben.

Da spukt er als exzentrischer Filmproduzent durch Quentin Tarantinos „Once Upon A Time in Hollywood“ und  mimt einen Holocaust-Überlebenden und Nazi-Jäger in der Serie „Hunters“. Sein jüngster Geniestreich führte ihn wieder in den vertrauten Dunstkreis der Mafia. Neben Joe Pesci und Robert De Niro als Gangstern gab er in Martin Scorseses Gangster-Epos „The Irishman“ dem aufbrausend-unberechenbaren Gewerkschaftsboss Jimmy Hoffa eine unglaublich intensive Präsenz. Wie dieser Mann an seinem Größenwahn zugrunde geht, muss man gesehen haben.