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Golden Globes 2021: Kritik an Filmpreis - Diversität in Hollywood

Bonner Experten zur Kritik an Golden Globes : „Vielfalt ist eine Realität in der Gesellschaft“

Zu wenig Vielfalt, Diskrimierung, Rassismus: Die Organisatoren der Golden Globes stehen massiv in der Kritik. Schauspieler Tom Cruise soll nun seine Preise zurückgegeben haben. Wieso Diversität immer wichtiger wird, erklären Bonner Experten.

77 Jahre ist es her, da wurden die berühmten Golden Globes zum ersten Mal vergeben. Nun, nach der 78. Ausgabe in diesem Jahr, häufen sich die negativen Berichte über die Organisatoren der internationalen Preisverleihung: Dem Verband HFPA (Hollywood Foreign Press Association) wird Diskriminierung, Rassismus und fehlende Diversität vorgeworfen.

Das hat Konsequenzen: Der Sender NBC, der die Globes jedes Jahr im TV überträgt, will die Gala im nächsten Jahr nicht mehr ausstrahlen. Auch der Schauspieler Tom Cruise soll mehreren US-Medien zufolge seine drei Trophäen als Zeichen des Protests zurückgegeben haben.

Kritik gab es vor allem dafür, dass der Jury keine Schwarzen angehören. Deshalb hatte die HFPA bereits in der vergangenen Woche Reformen angekündigt. Zum Beispiel wolle der Verband nun vor allem afroamerikanische Mitglieder aufnehmen und Diversitäts-Berater einstellen. Für viele aus der Filmbranche war das aber zu wenig: Stars wie Scarlett Johansson und Mark Ruffalo sowie wichtige Firmen in Hollywood und NBC kritisierten die angekündigten Neuerungen als nicht weitreichend genug.

Diversität: Geschlecht, Herkunft, Weltanschauung

„Ich hätte erwartet, dass mittlerweile ein geschärftes Bewusstsein dafür besteht, Vielfalt auch abzubilden“, sagt Christian van den Kerckhoff, Geschäftsführer des Bonner Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen e.V (Bimev). Es gehe nicht darum, dass zum Beispiel bestimmte Quoten erfüllt werden - sondern dass Diversität in solchen Gremien schlicht Berücksichtigung finde. „Vielfalt ist eine Realität in der Gesellschaft. Und es geht einfach darum, diese Realität abzubilden“, sagt der Ethnologe aus Bonn.

Dr. Prasad Reddy sieht das ähnlich: „Das wird immer wichtig sein, weil die Gesellschaft so vielfältig geworden ist. Das kann man nicht mehr verstecken“, sagt der Geschäftsführer des Zentrums für soziale Inklusion, Migration und Teilhabe in Bonn. Vor allem in Deutschland gebe es beim Thema Diversität noch einiges aufzuholen. Reddy habe den Eindruck, dass oft nur wellenartig über Migration oder Vielfalt gesprochen werde, und die Debatte dann wieder abebbt. „Diese konzentrierte, langanhaltende Diskussion - das fehlt einfach.“

Zum Begriff Diversität werden nicht nur Unterschiede in der Hautfarbe gezählt, sondern zum Beispiel auch das Geschlecht, die ethnische Herkunft, Religion, sexuelle Orientierungen oder auch Behinderungen. „Wir haben auf allen Ebenen sehr viel Bewegung und Austausch innerhalb und auch außerhalb Europas. Und das spiegelt sich ja auch in der Gesellschaft wider.“ In den vergangenen 60 bis 70 Jahren habe sich dieser Prozess nochmal beschleunigt. „Das ist ein Kennzeichen moderner Gesellschaften, das sie sich immer weiter ausdifferenzieren“, glaubt van den Kerckhoff. Pluralistische Gesellschaften mit verschiedenen Menschen, Meinungen und Herkünften habe es demnach schon immer gegeben.

The Weeknd: Kritik an Intransparenz bei den Grammys

Dass große Preisverleihungen wegen Diskriminierung oder Intransparenz in der Kritik stehen, ist kein neues Phänomen. Der kanadische R&B-Popstar The Weeknd kündigte im März an, die Grammys zu boykottieren, nachdem er dort keine Preise gewonnen hatte. „Aufgrund der geheimen Komitees werde ich meinem Label nicht mehr erlauben, meine Musik bei den Grammys einzureichen.“ Bei den Nominierungen für die wichtigsten Musikpreise in der Branche war The Weeknd komplett leer ausgegangen - obwohl er mit „Blinding Lights“ den international erfolgreichsten Song des vergangenen Jahres geliefert hatte. „Die Grammys bleiben korrupt. Ihr schuldet mir, meinen Fans und der Industrie Transparenz“, twitterte er. 

Auch bei den Oscars wurde in der Vergangenheit immer wieder bemängelt, dass zu wenig Vielfalt abgebildet werde - zum Beispiel mit dem Hashtag #OscarsSoWhite. Als 2016 zum zweiten Mal hintereinander keine Afroamerikaner in den vier begehrten Schauspielerkategorien nominiert wurden, reagierte der Filmverband auf die massive Kritik. Es solle für den Hauptpreis des Oscar-Wettbewerbs ab 2024 mindestens zwei Vielfaltskriterien geben, damit sich Talente qualifizieren können. Beispielsweise könnte eine Darstellerin oder ein Darsteller in einer wichtigen Rolle einer Minderheit angehören, etwa afroamerikanischer, asiatischer, hispanischer oder indigener Abstammung sein. Auch der Sender NBC hofft jetzt, dass die Golden Globes sich die aktuelle Kritik zu Herzen nehmen - damit die Gala im Januar 2023 nach entsprechenden Veränderungen wieder im Fernsehen gezeigt werden kann.

(Mit Material von dpa)