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Köln: So war das Konzert von Volbeat in der Lanxess-Arena

30 000 Fans beim Konzert : Volbeat begeistert in der Kölner Lanxess-Arena

Die Metalband Volbeat lockt mit ihrem eigenwilligen Sound insgesamt 30 000 Fans in die gleich doppelt ausverkaufte Lanxess-Arena. Mit „Rewind, Replay, Rebound“ haben die Dänen ihr siebtes Album herausgebracht.

Volbeat ist eine dieser Bands, an denen sich die Geister scheiden: Entweder man liebt oder man hasst sie. Grund dafür ist die recht eigenwillige musikalische Mischung, die den radiotauglichen Sound der Dänen ausmacht. Da wird Heavy Metal mit Pop, Rockabilly und Retro-Kitsch vermischt – ein Graus für Puristen und längst ein Fall für die Szene-Polizei. Trotzdem surft die Truppe mit ihrem Elvis-Metal seit mehr als einer Dekade auf der Welle des Erfolgs. Anlässlich seiner Tour zum mittlerweile siebten Album „Rewind, Replay, Rebound“ hat sich das Quartett gleich für zwei Abende in der Lanxess-Arena eingenistet.

Ein mutiges Unterfangen, bekommen eigentlich nur Giganten wie Metallica das Henkelmännchen mit seinen gut 15 000 Sitzplätzen zweimal hintereinander voll. Wer am Donnerstag auf die proppenvollen Sitzreihen und den wuseligen Innenraum blickte, staunte deshalb nicht schlecht. Laut Veranstalter war die Arena an beiden Tagen ausverkauft. Bevor Volbeat schließlich zu ihrem ersten Gastspiel in der Domstadt aufliefen, gaben sich Danko Jones und Baroness die Ehre. Während erstere gewohnt testosterongeladen und breitbeinig ihren Garagenrock runterwetzten und dabei nicht mit bösen Blicken geizten, zeigten sich die US-Progger von Baroness sprungfreudig, ungeschminkt und mit bombastischer, aber gut definierter Klangwand.

Nachdem der Vierer aus Georgia seine letzten Riffs ins Publikum gefeuert hatte, drückten die Roadies von Volbeat auf die Abspieltaste der Arena-Anlage. Um die Metalband um Frontmann Michael Poulsen anzukündigen, tönten Motörheads „Born to Raise Hell“ und Nick Caves „Red Right Hand“ aus der Konserve. Das countryesque Stück wurde jäh durch das Gitarren-Intro von „Leviathan“ beendet. Poulsen und seine Mitmusiker stürmten das Parkett und spielten im Anschluss mit „Lola Montez“ und „Pelvis on Fire“ gleich zwei weitere ihrer massentauglichen Rocker.

Soundtechnisch präsentierte sich die Arena dabei von ihrer besten Seite. Gesänge, Gitarren, Bass und Schlagzeug harmonierten gut miteinander, fiese Ausbrecher gab es keine. Ohrenstöpsel waren obsolet. So klar und sauber wie der Mix war auch das Bühnenbild. Statt aus aufwendigen Aufbauten bestand die Deko eigentlich nur aus einer Choreografie aus sich bewegenden Videowänden und einem Banner.

In ihrer fast zwei Stunden dauernden Show beglückten Volbeat ihre Fans mit altem und brandneuem Material. Darunter waren beispielsweise „Doc Holiday“, das mit hartem Riffing à la Metallica punkten konnte, „Sad Man´s Tongue“, eingeleitet von Johnny Cashs „Ring of Fire“ sowie „Slaytan“, ein Stück basierend auf der Musik der Thrash-Götter Slayer.

Spaß an der Sache

Den einen oder anderen gut geprobten Gag gab es obendrauf: Bei „Black Rose“ hatte Danko Jones einen Gastauftritt, zu „Die to Live“ schäkerten zwei bärtige Gestalten an Saxophon und Piano als ZZ Bottom (in Anspielung an ZZ Top) mit den Bandmitgliedern. Das Ende des regulären Sets machte „Last Day Under The Sun“, ein Rocksong mit 80er Popanleihen, der den doch recht gleichförmigen Katalog der Dänen kurz vor Schluss noch etwas auflockerte.

Als der Vorhang nach einer Handvoll Zugaben fiel, konnte man Poulsen und seinen Mannen nicht viel vorwerfen – handwerklich perfekt, sichtlich Spaß an der Sache und sehr, sehr aufgeräumt. Letzteres bleibt letztlich eine Frage des Geschmacks. Denn obwohl die Gruppe in ihrer Performance und ihrer Musik am laufenden Band Blues-, Country- und Rocklegenden zitiert, fehlen den Saubermännern von Volbeat die Unvollkommenheit und der Schmutz der Vorbilder. So verschwindet das Quartett nach der Show bis auf ein paar Papierschnipsel aus der Konfettikanone fast rückstandslos.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass man Pomade, Rock ’n’ Roll und Rebellion auch familientauglich unter einen Hut bekommen kann – wie ein 1958er Cadillac mit modernem Vierzylindermotor.