GA-Krimikritik: Der Polizeiruf aus München Ohne Gefälle

In fast schon poetischen Bildern erzählt der neue Polizeiruf aus München die Geschichte einer Brandstiftung. Der Fall: eigentlich gar nicht so spektakulär. Seine Ausführung dafür aber umso großartiger, findet GA-Krimikritiker Daniel Schauff.

  Cris Blohm (Johanna Wokalek) kommt nochmal an den Ort des Brandes, wo immer noch die Absperrbänder hängen.

Cris Blohm (Johanna Wokalek) kommt nochmal an den Ort des Brandes, wo immer noch die Absperrbänder hängen.

Foto: dpa/Alexander Fischerkösen

Es startet mit beeindruckenden Bildern eines brennenden Verwaltungsgebäudes. Das Feuer spiegelt sich in der Brille des Wachmanns, der überfordert scheint, nicht nur mit dem Brand, sondern auch mit dem, was währenddessen in seinem Kopf vorgeht. Der neue Polizeiruf aus München startet gleichzeitig leise und furios, Gerhard Wittmann sorgt als Herr Busch – einen Vornamen hat er im Film nicht – dafür. Und er bleibt nicht der Einzige, der aus dem Krimi aus der Landeshauptstadt einen vorzüglichen macht.

Allein das noch so junge Team aus München ist großartig. Johanna Wokalek macht ihre Cris Blohm zu einer hochinteressanten Kommissarin, die laut nicht kann, laut aber auch nicht braucht. Stephan Zinner ist immer großartig, als Dennis Eden überraschend ausgewogen zwischen polterndem Bayern-Humor und herzlichem Großbrudertum.

Ideal ausspielen können die beiden das im Zusammenspiel mit Golo Euler als Hanno Senoner, der zu Beginn droht, Vehikel für die Krimikomik zu werden, dann aber sehr schnell die Kurve kriegt hin zu einem ernst zu nehmenden Liebhaber, genialen Ermittler und gefährlichen Übeltäter. Der Zuschauer ertappt sich dabei, ihn kurz zu verdächtigen, den Gedanken dann aber wieder zu verwerfen, weil’s zu einfach wäre. Und dann wird es einfach, und es wirkt aber nicht so. Das ist vorzüglich gemacht (Buch und Regie: Alexander Adolph) und in mitreißender Bildsprache erzählt (Kamera: Alexander Fischerkoesen).

Es wäre ein Leichtes gewesen, den Schwenk hin zu denen zu machen, die hinter dem Feuer stecken. Nicht der, der gezündelt hat, sondern die, die ihn dazu gebracht haben. Die Hechtles aber spielen in diesem Polizeiruf nur eine Randrolle, und so vermeidet der Krimi, sich das Gefälle von Reich zu Arm zunutze zu machen, das Vorverurteilungen garantieren würde. Damit zeigen die Krimi-Macher auch ein gutes Stück Selbstbewusstsein, indem sie glauben, ihre Geschichte bräuchte derartige Hilfskonstruktionen nicht. Und siehe da: Sie liegen richtig.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Bunte Würfelei
GA Krimikritik: Der Polizeiruf aus Swiecko Bunte Würfelei
Aus dem Ressort