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Martin Perscheid ist tot - Cartoonist stirbt nach Krebserkrankung

Künstler aus Wesseling : Cartoonist Martin Perscheid gestorben

Martin Perscheid wollte mit Cartoons nicht nur spielen, sondern zubeißen. Jetzt ist der Künstler aus Wesseling mit 55 Jahren einem Krebsleiden erlegen.

Sein Witz ist lakonisch, der Stil mutet naiv an, so dass der Clou, die Tragweite der Story quasi durch die Hintertür eintritt. Beispiel: Er steht in der Küche und sagt: „Alexa, bestell Toastbrot“, die Gattin sitzt am Tisch und erwidert: „Du sprichst mit einer Dose Thunfisch.“ Die halt entfernt so aussieht wie die virtuelle Assistentin von Amazon. Oder: Sie fragt „Möchten Sie mein Arschtattoo sehen?“ Er erfreut: „Ja Gerne!“ Sie krempelt ihre Ärmel hoch, auf dem Arm steht „Trump“. Er reagiert enttäuscht.

„Perscheids Abgründe“

Der Scherz über Alltägliches war Martin Perscheids große Stärke. Er nannte es „Perscheids Abgründe“, ein Kompendium das vom feinen Humor bis zum krachenden Kalauer reichte, Wort- und Bildwitz herrlich kombinierte. Cartoon-Kunst par excellence. In der Nacht zum 31. Juli ist der Cartoonist Perscheid gestorben, wie seine Familie jetzt bekannt gab. Er wurde nur 55 Jahre alt. Perscheid habe den langen Kampf gegen den Krebs verloren, heißt es bei der Online-Meldung von Caricatura. „Dieser Verlust ist dramatisch. Wir verlieren mit Martin Perscheid nicht nur einen der besten und populärsten Zeichner der komischen Kunst, sondern auch ein Vorbild und einen Wegbereiter und einen Freund. Wir trauern mit seiner Familie und mit seinen vielen Fans“, sagt Martin Sonntag, Leiter der Caricatura Galerie.

Der Cartoonist stammte aus Wesseling bei Köln, wo er lebte und bis zu seinem Tod arbeitete. Sein erstes Buch erschien 1995 im Lappan Verlag, zuvor wurden seine Arbeiten bereits in vielen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Unter dem Titel „Perscheids Abgründe“ schuf Perscheid, der einer der beliebtesten Cartoonisten der Republik war,  über 4300 Cartoons und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem „Max & Moritz-Preis“ für die beste deutsche Comic-Serie. Antje Haubner, die Programmleiterin des Lappan Verlages, erinnerte an Perscheids schwarzen Humor: „Er wollte mit seinen Cartoons nicht nur spielen, sondern zubeißen. Dort, wo es wehtut und wo andere sich lieber wegducken, weil es kaum auszuhalten ist.“

Chronist mit Zeichenstift

„Ich hatte schon als Kind beschlossen, nie etwas anderes zu machen“, hat er einmal im Interview gesagt, „als ich dann ein paar Cartoons zusammen hatte, kopierte ich die, heftete sie zusammen und schickte sie an verschiedene Zeitungsredaktionen und Verlage“. Er mache nun sechs Cartoons pro Woche, und das zwei Wochen hintereinander, sagte er damals. „Dann eine Woche Nebenjobs, denn nur von Cartoons alleine kann man nicht leben. Und so komme ich auf ziemlich genau 200 Cartoons im Jahr.“ Tagesaktuelle Themen und die politische Agenda lagen ihm, er war eigentlich immer auf Empfang gepolt, immer offen für Impressionen aller Art, gerne auch brutal und bisweilen anzüglich. Es menschelte bei ihm in jeder Hinsicht. So lesen sich seine „Abgründe“ wie eine Chronik unserer Zeit. Der Chronist wird fehlen.