Jubiläum der Langen Foundation in Neuss Museum zeigt 130 Höhepunkte der Kunst

Neuss · Die Langen Foundation feiert Jubiläum. Zeit, Erlesenes aus der privaten Kunstsammlung zu zeigen. Und das in einem erlesenen Umfeld: Der Museumsbau hat eine spannende Geschichte.

 Aus einer alten Raketenstation machte der japanische Architekt Tadao Ando einen Ort des Friedens und der Ruhe.

Aus einer alten Raketenstation machte der japanische Architekt Tadao Ando einen Ort des Friedens und der Ruhe.

Foto: Sebastian Drueen@Langen Foundati

Die kleine Marianne Langen war eine rheinische Frohnatur. Die ausgebildete Fotografin brachte die Oberkasseler Firma Ehrenreich in die Ehe. Ihr „langer Viktor“ war ein Mann der Wirtschaft, zeitweilig IHK-Präsident, Chef der Schraubenfabrik A. Langen, die einst maßgeblich an der Erfindung der Wuppertaler Schwebebahn und des Otto-Motors beteiligt war. Doch das Stifterpaar und seine Kinder und Kindeskinder gaben auch zurück. Sie schenkten dem Rheinland eines der schönsten Museen Europas. Vor 20 Jahren wurde die Langen Foundation auf der Raketenstation in Neuss vom japanischen Architekten Tadao Ando eingeweiht. Dies ist ein Grund zum Feiern und zum Zeigen.

Im Untergeschoss des Gebäudes hängt Andy Warhols Porträt der vitalen Marianne mit dem sprechenden Mund und der dekorativen Rosenblüte am Revers. Daneben steht die strenge, steinerne Büste von Viktor, geschaffen vom Bildhauer Bernhard Heiliger. Diese Menschen fingen nach dem Krieg im Düsseldorfer Kunstverein an und sammelten mit einer ungeheuren Kennerschaft und Risikofreude. „Der Vater hat sich kunstgeschichtlich für andere Kulturen interessiert, hat sie verglichen und nach kunstgeschichtlichen Bezügen gesucht. Die Mutter war schneller in den Entscheidungen. Für beide war ja nicht nur Europa der Nabel der Welt“, so die Tochter Sabine Langen Crasemann.

Seit seiner Heirat im Jahr 1950 fuhr das Paar nach Asien, Afrika und Südamerika, mit Schwerpunkten in Indien, wo Mariannes Vetter Botschafter war, und seit den 1960ern nach Japan in die Museen und Galerien mit einem Studenten als Übersetzter. Die Jubiläumsausstellung zeigt Ausschnitte aus den Sammlungen der Stifter und ihrer Nachkommen, die nicht nur die Kunst, sondern auch die Leidenschaft am Sammeln geerbt haben.

Japan, Afrika und die Kunst der Gegenwart

Dickbäuchige Tiere als Wassergefäße aus Präkolumbien, ein göttlicher Kopf aus Siam, eine reitende Prinzessin in Keramik und ein hölzernen Maskenträger mit eingelassenen Keramikaugen aus Ozeanien begrüßen das Publikum. Schwerpunkte sind Japan und Afrika sowie die Kunst der Gegenwart. Als 1957 das Museum Morsbroich eine erste Ausstellung von Jean Dubuffet in Deutschland zeigte, waren die Langens wie elektrisiert. Jedes Jahr kauften sie beim Pariser Galeristen Daniel Cordier ein Werk im Stil der Art Brut, bis der Künstler diese „komischen Sammler“ in sein Atelier ließ. Schließlich erwarben sie neben 30 Arbeiten eine große Skulpturen-Installation, die nicht gezeigt wird, weil kein Kunsttransporter sie versichern will.

Die zweite und dritte Generation führt die Entwicklung der Kunst auf hohem Niveau fort. Ein Defilee ergeben die Werke von Tapies, Fontana, Kenneth Noland, Sam Francis, Otto Piene, Günther Uecker und Gotthard Graubner bis zu Roy Lichtenstein, wobei das Bild des Pop-Künstlers 1961 direkt aus dem Atelier gekauft wurde. Lichtenstein gilt als Pionier und Impulsgeber für viele deutsche Künstler.

Sabine Langen Crasemanns Gespür für die Kunst zeigt sich in Arbeiten von Louise Bourgeois, etwa einer Venus mit vielen Brüsten aus weichem, himmelblauem Stoff. Ein früher Neo Rauch, Lichtobjekte von Dan Flavin und Björn Dahlem, kostbarste Fotos von Thomas Ruff und Thomas Demand sowie eine köstliche Szene der Malerin Sophie von Hellermann mit einem bebrillten Jäger, der einer liegenden Schönen einen Apfel serviert, sind zur Bewunderung freigegeben. Das kurzweilige Who is Who führt von Tatlin und Rodtschenko über Delaunay, George Grosz und Botero bis zu Leiko Ikemura, Karin Kneffel und Marcel Odenbach.

Eine wundervolle Hülle

Ein Wunder ist jedoch nicht nur die Kunst, sondern auch die Hülle. Viktor Langen war 1990 gestorben, als seine Witwe ein Modell des damals kaum bekannten Architekten Tadao Ando sah. Die 87-Jährige war voller Entscheidungskraft und gab dem Japaner den Auftrag ohne Wenn und Aber. Als Ando mit den Bauarbeiten begann, war seine Bauherrin 90 Jahre alt. Sie starb im Februar 2004, zwei Monate vor der Eröffnung. Das Defilee der Kirschblüten erinnert in jedem Frühjahr an sie. Das Museum mit der gläsernen Hülle spiegelt sich im Wasser. Es ist ein Ort des Friedens und der Ruhe. Es liegt innerhalb der Erdwälle, die einst den Nato-Stützpunkt vor den Blicken der Allgemeinheit schützten.

Die Familien Langen finanzierten den Zehn-Millionen-Bau und tragen die Betriebskosten. Das Gebäude steht auf Grund und Boden der Museumsinsel Hombroich.