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Popstars zu Hause: Max Giesinger, Silbermond und Co. im Home-Office

Popstars zu Hause : Max Giesinger, Silbermond und Co. im Homeoffice

Auch Musiker, die sonst ein eher ruheloses Leben führen, werden zurzeit ausgebremst. Für den Umgang und die Arbeit in der Krise gibt es verschiedene Strategien.

Mit der Krise müssen sich auch Musiker arrangieren, die sonst ein eher ruheloses Leben führen. Wir haben mal ein bisschen herumtelefoniert und nachgefragt. „Ich hatte früher immer Angst, dass ich was verpasse“, sagt beispielsweise Max Giesinger (31). Und dieses „früher“ bezieht sich natürlich auf die Zeit vor Corona. Der gebürtige Karlsruher, der allein in Hamburg lebt, zählt mit Liedern wie „80 Millionen“ zu den erfolgreichsten deutschen Popsängern. „Da wir aber gerade alle gar nichts verpassen können, genieße ich die Situation sogar. Ich komme komplett runter und kann meine Energie auf die wichtigen Dinge lenken.“

Dinge wie Klavier üben oder ein paar Stunden früher aufstehen, um auf dem Balkon wenigstens noch ein wenig Sonne abzukriegen. Und einkaufen, was er sonst nur selten tut. „Mein Kühlschrank war meistens leer“, sagt er. Selbst sein Frühstück holte sich der zentral wohnende Max in den umliegenden Cafés und Imbissen. „Mittlerweile bin ich total umgeschwenkt, und ich muss sagen, einkaufen macht mir richtig Spaß.“ Der Kühlschrank sei nun prall gefüllt, „in Hamsterkäufe artet es aber nicht aus.“

Und was macht der man mit all den Vorräten? Er schmeißt den Herd an. Kochen war für Max Giesinger bislang nämlich auch ein Fremdwort, abends ging er erst recht essen. „Ich habe mir im Internet ein paar Filmchen angeguckt, wie das mit dem Kochen so funktioniert.“ Das klappt mal schlechter („Die Gemüsebouillon gestern war zu salzig“), doch immer öfter auch immer besser. „Ich kann inzwischen eine sehr gute Spaghetti Bolognese, mit Sahne, Paprika, Karotten, Hackfleisch und ganz viel Liebe.“ Überhaupt, so Giesinger, halte er es für die falsche Herangehensweise „alles rund um das Virus supernegativ zu sehen und sich krass runterziehen zu lassen. Ganz wichtig ist, dass man seinen Humor behält und möglichst positiv durch die Krise geht.“

Schnell hat Max Giesinger, der ab Mai in der Vox-Show „Sing meinen Song“ zu sehen sein wird (die Dreharbeiten in Südafrika konnten eine Woche vor der Corona-Eskalation abgeschlossen werden), auch seine aktuelle Single der neuen Lage angepasst. Statt „Nie besser als jetzt“ heißt der Song nun „Nie stärker als jetzt“ und ist all den Pflegern, Ärzten, Lkw-Fahrern oder Supermarkt-Angestellten gewidmet.

Auch die Band Silbermond, die ihre Tournee noch rechtzeitig vor Corona beenden konnte, reagiert mit Musik. Die Gruppe hat als Schnellschuss die bittersüße Ballade „Machen wir das Beste draus“ veröffentlicht – aufgenommen haben die vier Musiker den Song in ihren jeweiligen Wohnungen, das Video mit menschenleeren Berliner Straßen und S-Bahn-Stationen drehten sie bei den individuellen Einkaufsausflügen.

Und auch Silbermond-Schlagzeuger Andreas Nowak stellt das Positive in den Vordergrund. „Wenn Corona vorbei ist, werden wir es viel mehr als vorher zu schätzen wissen, im Biergarten zu sitzen, in Clubs zu gehen oder mit Freunden zu kochen. Ich glaube, es bildet sich gerade ein ganz neues Wir-Gefühl.“ Wenn die Welt wieder aufmache, so Nowak, werde er als erstes zu seinen Eltern fahren und sie „ganz fest in den Arm nehmen.“

Jasmin Tabatabai (52) kennt man als Schauspielerin („Letzte Spur Berlin“) und als Jazz-Chanson-Sängerin – ihr neues Album „Jagd auf Rehe“ erscheint im Mai. Ihre Töchter (17 und 10) und der Sohn (6) wollen zurzeit nicht nur von ihr und Partner Andreas Pietschmann (ebenfalls Schauspieler) bei Laune gehalten werden, sie sollen nach Möglichkeit auch noch was lernen. „Homeschooling ist ein Vollzeitjob“, hat Tabatabai festgestellt. „Um einen Lagerkoller zu entwickeln, hatten wir bis jetzt noch gar keine Zeit; ich finde es sogar ganz schön, dass richtig Zeit für die Familie habe.“

Sollten die Einschränkungen des öffentlichen Lebens noch länger Bestand haben, schließt Jasmin Tabatabai, die mit der Familie in einer alten Villa in Berlin-Pankow lebt, eine intensivierte Heimwerkertätigkeit nicht aus. „Ich habe in meinen jüngeren Jahren bestimmt zehn Berliner Mietwohnungen von Grund auf renoviert. Ich kann sehr gut anstreichen, ganz okay spachteln und sogar Böden abschleifen.“

Mit der ihm eigenen Gelassenheit stellt sich auch der Sänger Max Raabe (57) dem Daheimbleiben-Gebot. Raabe lässt einfach seine neue Single „Ich bleib zu Haus“ (ehemals unter dem Titel „Der perfekte Moment … wird heute verpennt“ bekannt) sprechen. „Heut‘ mach‘ ich gar nichts/ Keinen Finger krumm/ Ich bleib‘ zu Haus/ Und liege einfach nur so rum/ Mir geht’s gut, wo ich bin/ Die Sonne scheint, Wolken ziehen“. Mehr muss er auch gar nicht sagen, man darf sich Max Raabe momentan als Mann in der Hängematte vorstellen.