Glosse zu Ian McKellen Sir Ian quält sich nicht

Meinung · Der englische Starschauspieler Ian McKellen wollte eigentlich seine Autobiografie schreiben. Nun hat er es sich anders überlegt. Er würde sich zu sehr aufregen. Eine Glosse zur Einordnung.

 Aufregendes Leben: Sir Ian McKellen.

Aufregendes Leben: Sir Ian McKellen.

Foto: dpa

Er hat früh angefangen. Der 1960 in Belfast geborene Schauspieler Kenneth Branagh hatte in kurzer Zeit so viel erlebt, dass er bereits 1989 die Welt mit seiner Autobiografie konfrontierte; sie hieß „Beginning“. Branagh war zu diesem Zeitpunkt als Darsteller in Shakespeare-Stücken schon eine ganz eigene Marke.

1989 legte er auch seine erste Verfilmung eines Shakespeare-Dramas vor: „Heinrich V.“ Branagh hatte sich seine Autobiografie verdient. Auf eine Fortsetzung von „Beginning“ hat er sich noch nicht eingelassen.

Sir Ian McKellen ist 76 und eine Schauspielerlegende. Seine Triumphe feierte er im Theater (viel Shakespeare) und im Film (viel „Herr der Ringe“ und „X-Men“). 1988 hat er sich als homosexuell geoutet und damit eine persönliche Befreiung erlebt: „Plötzlich konnte ich Gefühle artikulieren mit glaubwürdiger Wucht, ich war ich selber, zum ersten Mal in meinem Leben. Es komplettierte meine Humanität.“

McKellen hätte viel zu erzählen, und er war auf dem besten Weg. Im vergangenen Jahr vereinbarte er mit dem Verlag Hodder & Stoughton eine Autobiografie und kassierte dafür 1,4 Millionen Dollar Vorschuss. Neun Monate hat er an dem Buch gearbeitet, doch dann war plötzlich Schluss.

McKellen hat das Projekt aufgegeben und dem Verlag das Geld zurückgeschickt, gestand er dem Portal contactmusic.com. „Es war ein bisschen schmerzhaft. Ich wollte in meinem Leben nicht zurückgehen und mir Dinge vorstellen, die ich bisher nicht verstanden habe.“

Der Darsteller hatte angekündigt, sich in seinen Memoiren „mit den ungelösten Fällen“ seines Lebens beschäftigen zu wollen. Während der Arbeit an dem Buch stellte der 76-Jährige jedoch fest, dass ihn der Blick zurück auf sein Leben quält. „Ich bin jetzt an dem Punkt, zu sagen: Lass die Vergangenheit ruhen“, sagte McKellen. „Die Geschichten interessieren mich. Aber ich stelle fest, sie regen mich zu sehr auf.“ Der Mann denkt nur an sich. Wir, das Publikum, hätten uns so gern aufgeregt und anregend unterhalten lassen. Schade, Sir Ian.

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