GA Krimikritik: Der Tatort aus Münster Weil Ideen gar nicht zünden können

Bonn · Dem Münsteraner Tatort Klamauk vorzuwerfen, wäre in etwa so, als werfe man dem Koch das Kochen vor. Schade ist, dass der Witz nicht zündet – weil er gar nicht zünden kann, findet GA-Krimikritiker Daniel Schauff.

 Prof. Karl-Friedrich Boerne (l-r, dargestellt von Jan Josef Liefers), Silke Haller (ChrisTine Urspruch) und Frank Thiel (Axel Prahl) in einer Szene aus dem „Tatort"-Krimi "Unter Gärtnern“.

Prof. Karl-Friedrich Boerne (l-r, dargestellt von Jan Josef Liefers), Silke Haller (ChrisTine Urspruch) und Frank Thiel (Axel Prahl) in einer Szene aus dem „Tatort"-Krimi "Unter Gärtnern“.

Foto: dpa/Thomas Kost

Jüngst behauptete ein Krimikritiker im GA noch, Musik von Tom Waits könne selbst schlechte Krimis sehens- oder zumindest hörenswert machen. Jetzt muss besagter Kritikus revidieren. Den Münsteraner Tatort kann selbst Waits nicht retten – nicht einmal, wenn Rebekka Bakken ihre deutlich gefälligere Version von „Little Drop of Poison“ anbietet.

Den Münsteranern nun Klamauk vorzuwerfen, wäre in etwa so, als werfe man dem Koch das Kochen vor. Man hat sich dort anscheinend längst dazu entschieden, jede Ernsthaftigkeit, die einst mit feinem Humor garniert wurde, über Bord zu werfen und sich in Haudrauf-Schenkelklopfern zu versuchen. Das kann weder Axel Prahl (als Kommissar Thiel) noch Jan-Josef Liefers (als Professor Boerne). Neu ist das alles nicht.

Auch nicht ganz neu, aber immerhin neu erzählt ist die Agentengeschichte, die – völlig willkürlich – im niederländischen Scheveningen seinen Anfang nimmt. Weniger willkürlich: die Kleingartenkolonie, deren Pächter mit viel Humor porträtiert werden – vom Ökoveganen zum Instagram-Seller ist alles dabei. Und ein nackter Mann, dessen Nacktheit für Humor sorgen soll. Wenn das der Plan war, sagt das viel über die Qualität eines Films.

Fast lustig, wenn auch im Tatort schwerst deplatziert: Die Eichhörnchen als Mordopfer – klar, kann man machen, aber dann braucht es Kaliber wie einen Leslie Nielsen, der mit stoischer Ernsthaftigkeit über völlig überzogene Szenerien hinweg spielt.

Stattdessen scheint es, als glaubten Prahl und Liefers ihrem eigenen Schicksal kaum und würden sich ebendem ergeben. Von Schauspielerei kann da allerdings keine Rede mehr sein.

Vielmehr versucht der Krimi, sich irgendwo in eine Reihe mit den Agentenpersiflagen aus vergangenen Jahrzehnten in eine Reihe zu stellen, was grandios misslingt, weil das Grundkonstrukt Tatort und seine Charaktere in Münster völlig überfordert sind mit den durchaus feinen Einfällen aus Drehbuch (Regine Bielefeldt) und Regiestuhl (Brigitte Maria Bertele). Das liegt zumindest teilweise auch daran, dass sich der Münsteraner Tatort nicht zu trauen scheint, das eigene Korsett zumindest ein bisschen zu lockern. Boerne bleibt Boerne, Thiel bleibt Thiel. Zwischendurch nennen alle Beteiligten das Opfer wiederholt „alte Frau“ – fast frech, wenn damit eine Frau Jahrgang 1954 (zumindest das Jahr hätte man sich kneifen können) bezeichnet wird. Zum Glück gibt es eine Kasse, in die Boerne jetzt bei jeder Unverschämtheit einzahlt. In großen Scheinen natürlich. Weil Boerne Boerne bleiben wird. Schade drum.

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