Kein Anschluss unter dieser Nummer Aus und vorbei: Telekom stellt die Telefonauskunft ein

Meinung · Während 1995 noch 550 Millionen Deutsche jährlich bei der telefonischen Auskunft der Telekom anriefen, sind es heute nur noch etwa zwei Millionen. Das Unternehmen zieht daher jetzt die Reißleine - zu Recht, meint unsere Autorin.

 Weil es sich nicht finanziell lohnt: Die Telekom stellt seinen telefonischen Auskunftsdienst ab dem 1. Dezember ein.

Weil es sich nicht finanziell lohnt: Die Telekom stellt seinen telefonischen Auskunftsdienst ab dem 1. Dezember ein.

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Es war einmal 1995. Hermann Fischer lernt in einer Bar Friede Bühler kennen. Friede hat es ihm sofort angetan und auch das Gespräch läuft super. Am Ende des Abends verabschieden sie sich. Dann der Schreck: Hermann vergaß, Friede nach ihrer Nummer zu fragen. „Kennen Sie das? Sie benötigen dringend und unerwartet eine Information? Dann rufen Sie die Auskunft der Telekom an“, erinnert sich Hermann plötzlich an die Werbung der Telekom. Daheim wählt er die 11833, wie 549.999.999 andere Menschen auch in diesem Jahr. Zeitgleich werden die ersten Menschen der Generation Z geboren. Was damals keiner ahnt: Diese Generation wird niemals den Hörer in die Hand nehmen und die Ziffern wählen.

Seit 1995 ist die Nachfrage jährlich um 20 Prozent gesunken. Mehr als 80 Prozent der Deutschen nutzen heute ein Smartphone. Da stinkt der teure 1,99-Euro-pro-Minute-Anruf bei der Auskunft neben dem günstigen Internet dank Flatrate einfach ab. Bar-Bekanntschaften werden jetzt durch Social-Media ausfindig gemacht.

Die Telekom zieht daher Konsequenzen: Ab dem 1. Dezember wird es keine Inlandsauskunft, keine Auslandsauskunft und keinen Weckservice mehr geben. Das passende Restaurant oder die Notfallapotheke im Dorf lassen sich mit Suchmaschinen wie Google eben schneller finden. Die Auskunft der Telekom ist einfach nicht mehr up to date.

Aber keine Sorge: Ein weiteres Relikt aus längst vergangenen Zeiten, das kiloschwere Telefonbuch, bleibt uns noch weiterhin erhalten, wie die Telekom beruhigend mitteilte.