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Vor der Sommerpause: Viel Kritik an Deutschlands Talkshows

Vor der Sommerpause : Viel Kritik an Deutschlands Talkshows

Der Sommer kommt, die Talksendungen pausieren. In den vergangenen Wochen und Monaten davor war dagegen viel los bei Anne Will & Co. Deutschlands Talker hatten es schon mal leichter.

Am Donnerstag muss Maybrit Illner noch einmal ran. Dann sind alle vier großen Talksendungen von ARD und ZDF in der Sommerpause. Etliche Kritiker müssten danach aufatmen. So viele Diskussionen über „hart aber fair“, „Maischberger“, „Anne Will“ und „Maybrit Illner“ wie in den zurückliegenden Monaten gab es schon lange nicht mehr.

Dass Deutschlands Talkern vorgeworfen wird, die falschen Themen zu behandeln, die falschen Gäste einzuladen, zu oberflächlich oder zu einförmig zu sein, kommt immer wieder vor. Aber zuletzt war die Kritik anhaltender. Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, forderte im Juni sogar, darüber nachzudenken, ob das Erste und das ZDF nicht ein Jahr lang Talkpause machen sollten, um in Ruhe über die Formate nachzudenken. ARD-Chefredakteur Rainald Becker wies die Kritik in einem Interview in der „Welt“ allerdings sofort als „vollkommen übertrieben“ zurück.

Auch Bernd Gäbler hält nichts von Zimmermanns Vorschlag. „Er zielt nicht auf seriöse Auseinandersetzung, sondern auf Schlagzeilen“, kritisiert der frühere Direktor des Grimme-Instituts, der in Bielefeld Journalistik lehrt.

Zimmermann hatte argumentiert: „Mehr als 100 Talkshows im Ersten und im ZDF haben uns seit 2015 über die Themen Flüchtlinge und Islam informiert und dabei geholfen, die AfD bundestagsfähig zu machen.“

„Es ist das Recht und die Pflicht des Journalismus, Themen aufzugreifen, von denen er glaubt, dass diese wichtig sind“, argumentiert Gäbler. „Das ist nicht zu kritisieren. Zu kritisieren ist aber, wenn die Beurteilung der Relevanz eines Themas nur oder hauptsächlich nach dem Grad der Popularität erfolgt.“

Vorwurf: Keine lösungsorientiere Diskussion

Ähnlich sieht es Riem Spielhaus, Islamwissenschaftlerin an der Universität Göttingen. „Ich gehe seit 2007 nicht mehr in Talkshows, weil durch sie bestimmte Themen, bestimmte Perspektiven, bestimmte Rahmungen gesetzt werden und das für eine lösungsorientierte Diskussion nicht hilfreich ist.“

Gerade an dem Aspekt der Rahmungen - Framing genannt - gab es zuletzt mehrfach Kritik. Zurecht, findet Gäbler: „Ein Titel wie: „Flüchtlingskrise - mehr Kriminalität in unseren Städten?“ stellt eben einen Zusammenhang her. Niemand denkt das Fragezeichen mit.“

Das bewertet Spielhaus nicht anders: „Allein die Titel, wenn man sich die in Bezug auf den Islam anschaut, da gibt es immer eine ähnliche Rahmung, es ist immer eine islamkritische, es kann nie in die andere Richtung zugespitzt sein“, sagt die Wissenschaftlerin.

Andere Formate ausprobieren

Spielhaus findet es ebenfalls nicht nötig, die Talkshows pausieren zu lassen. „Wichtiger wäre es, andere Formate auszuprobieren, mal richtig zuzuhören“, betont sie. „Mir fällt in unterschiedlichen Bereichen unserer Gesellschaft immer wieder auf, dass die Diskussionskultur wenig lösungsorientiert ist, es wird eher pauschalisiert, Menschen in Gruppen geordnet und bewertet oder gar abgewertet.“

Sandra Maischberger wandte sich im Juni in einem ausführlichen Gastbeitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“ an ihre Kritiker: „Wer den Streit auf offener Bühne führen will, begibt sich zwangsläufig auf unsicheres Terrain“, schrieb sie mit Blick auf die Talker. „Wer aber aus Angst vor einem falschen Wort gleich die Debatte vermeiden will, überlässt erst recht denen die Bühne, die diese Angst nicht haben, sondern sie zu nutzen wissen.“