Paul Maar verzaubert wieder Warum man „Die Tochter der Zauberin“ lesen sollte

Bonn · Paul Maar hat wieder ein Buch geschrieben und begeistert kleine und große, junge und ältere Leser gleichermaßen.

 Autor Paul Maar

Autor Paul Maar

Foto: dpa/Sonja Och

Wenn Malefizia Schmitt, genannt Fizzi, nach ihrem Vater gefragt wird, ist das für sie kein Problem. Er ist Vertreter und verkauft Versicherungen. Aber wenn es um ihre Mutter geht, muss Fizzi lügen. Wer würde ihr auch glauben, dass Frau Schmitt eine Zauberin ist? Dazu noch eine böse, die am liebsten üble Sachen zaubert (Waldbrände, Vulkanausbrüche oder lange Warteschlangen vor der Supermarktkasse). Nur beim Finanzamt muss sie passen: „Steuersachen sind zauberresistent.“

Zum Ärger von Frau Schmitt schlägt ihre elfjährige Tochter gar nicht nach ihr. Trotz ihres Namens (von lateinisch maleficium = Verbrechen, Frevel, schlechte Tat) zeigt Fizzi weder Interesse am Zaubern noch am Bösen. Sie liebt Tiere; sie teilt ihr Pausenbrot; wenn sie Geschirr spült, trocknet sie es hinterher auch noch freiwillig ab. Als sie den Zorn ihrer Mutter erregt, wird sie in die Zwischenwelt verbannt. Ob sie von dort jemals wieder nach Hause kommt? Und ihren Papa retten kann, den ihre Mutter verzaubert hat (in einen Koffer, der singt, statt zu reden, und zwar in Reimen)?

Erinnerungen an Preußlers Kleine Hexe werden wach

Dieses fabulierpralle Buch für Kinder ab acht Jahren stammt aus der Feder des mittlerweile 86 Jahre alten Sams-Erfinders. Nach mehr als 50 Jahren mit dem blaugepunkteten Kobold (Band 1 „Eine Woche voller Samstage“ erschien 1973) und elf Bänden (der letzte kam 2022 heraus) hatte Paul Maar Lust auf etwas Neues. Wobei Fizzi Erinnerungen an „Die kleine Hexe“ weckt, die Otfried Preußler 1957 erschuf. Auch die tut Gutes statt Böses – allerdings irrtümlich. Mit 127 Jahren ist sie noch jung, aber kein Kind mehr. Und statt wie Fizzi mit dem Bus zur Schulfreizeit nach Ostwestfalen will sie mit dem Besen auf den Blocksberg. Aber Fizzi soll ja auch keine Hexe werden. Sondern Zauberin, sagt ihre Mutter. Denn: „Hexen sind dumm. Strohdumm! Haben nichts Besseres zu tun, als Lebkuchenhäuschen zu bauen und kleine Jungs aufzufressen!“ Womit sie mit diesen Vorurteilen nicht ganz auf der Höhe der Zeit ist. Schon bei Preußler wurden in der Hexenwelt keine Dächer mehr mit Pfefferkuchen gedeckt, und auch der Verzehr gemästeter Knaben war längst nicht mehr en vogue.

Was sehr viel Spaß macht: die Hommagen an „Der kleine Prinz“, „Der Herr der Ringe“, „Momo“ oder Asterix und Obelix, die sich in der Zwischenwelt verstecken. Kinder, die diese Bezüge (noch) nicht herstellen, freuen sich eher darüber, wie Fizzi heimtückische Laubschlangen und hungrige Sägenager austrickst. Und was dem jungen und älteren Lesepublikum gleichermaßen gefallen dürfte: die Illustrationen, die mit wenigen Strichen Gefühle und Stimmungen ausdrücken können. Sie stammen von Paul Maars Enkel Hannes Maar (geboren 1989), der als Filmemacher, Fotograf und Illustrator in Berlin lebt.

Paul Maar: Die Tochter der Zauberin, Oetinger, 89 S., 15 Euro

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