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Kölner Opernhaus: Wiedereröffnung erst 2024

Kölner Opernhaus : Wiedereröffnung erst 2024

Die Arbeiten an den Kölner Bühnen dauern noch länger. Gesamtkosten erreichen Milliardengrenze

Die Sanierung der Kölner Bühnen wird insgesamt neun Jahre länger dauern als ursprünglich geplant. Die Wiedereröffnung der Oper und des Schauspielhauses ist jetzt für 2024 geplant, wie die Stadt am Dienstag mitteilte. Bisher war man von 2023 ausgegangen, ursprünglich war die Wiedereröffnung für 2015 geplant gewesen. Die Kosten erhöhen sich noch einmal um 63,5 Millionen Euro beziehungsweise 72,9 Millionen Euro bei Berücksichtigung aller Risiken. Die Gesamtsumme beläuft sich dementsprechend auf 617,6 bis 643,9 Millionen Euro. Als die Sanierung 2012 begann, hatte man mit 253 Millionen Euro geplant.

Viele stellten sich angesichts dieser Kosten die Frage, ob Köln eine solche Oper und ein solches Schauspielhaus überhaupt brauche, sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos). „Ich sage Ihnen voller Überzeugung: Ja, Köln braucht Oper und Schauspiel.“ In der vom Krieg zerstörten Stadt hätten in den 50er und 60er Jahren nicht zuletzt die Bühnen den Kölnern wieder auf die Beine geholfen. Sie seien Orte des Diskurses, der Begeisterung und der neuen Erfahrungen. „Und wenn die Bühnen auch nicht glänzen werden wie die Elbphilharmonie, sie werden strahlen“, sagte Reker.

„Eklatante Fehlleistungen“ in den ersten Jahren

Die Kölner Oper stammt von 1957, das Schauspielhaus von 1962. Wie sich herausstellte, war es nur mit großem Aufwand möglich, die historische Grundsubstanz zu erhalten und die Gebäude gleichzeitig den heutigen Sicherheitsbestimmungen und technischen Erfordernissen anzupassen. In den ersten drei Jahren der Generalüberholung gab es nach Angaben des heutigen Technischen Betriebsleiters, Bernd Streitberger, „eklatante Fehlleistungen“. Große Teile der technischen Ausrüstung mussten deshalb noch einmal zurückgebaut und auf null gesetzt werden. „Das war ein Desaster für die Kulturstadt Köln“, sagte Reker am Dienstag. Die Lehre für die Zukunft: „Erst planen, dann bauen.“

Sollte die Schlüsselübergabe, wie jetzt prognostiziert, im ersten Quartal 2024 stattfinden, werden elf Jahre ins Land gegangen sein. Der Interimsspielbetrieb der Bühnen ist laut Stadt Köln bislang nur bis Dezember 2022 durch Ratsbeschlüsse abgesichert. Zur Verlängerung des Interimsspielbetriebes würden die Bühnen im Laufe des Jahres eine entsprechende Verlängerungsvorlage erarbeiten, hieß es. Staatenhaus und Depot stünden für eine Verlängerung zur Verfügung. Eine Spielzeit im Interim koste auf Basis der Erfahrungen der Vergangenheit neun bis zehn Millionen Euro. Nach Information der „Kölnischen Rundschau“ sind bislang für die Ausweichspielstätten 113,5 Millionen Euro bis Ende 2022 geplant. Nimmt man die Finanzierungskosten, also Kredite samt Zinsen, von aktuell 260 Millionen Euro dazu, würden Sanierung, Finanzierung und Interim die Stadt Köln demnach rund eine Milliarde Euro kosten. Zum Vergleich: Die Baukosten der Elbphilharmonie in Hamburg betrugen circa 866 Millionen Euro.

Intendantenposten müssen neu besetzt werden

Auf jeden Fall wird bis zur Wiedereröffnung auch die Opern-Intendanz neu besetzt werden müssen. „Hier ist eine schnelle Neubesetzung erforderlich“, sagte Henriette Reker in der Pressekonferenz zur Bühnensanierung mit Blick auf die Oper Köln. Während die „F.A.Z.“ am Dienstag noch fragte: „Warum soll Birgit Meyer gehen müssen?“, hat sich Kölns Oberbürgermeisterin in dieser Frage bereits längst für „frischen Wind“ am Musiktheater der Stadt entschieden. Meyers Vertrag endet im Sommer 2022. Wer immer ihr nachfolgt, muss somit (mindestens) noch zwei Interims-Spielzeiten im Staatenhaus absolvieren und gleichzeitig den Start am Offenbachplatz planen.

Für eine erfolgreiche Suche wurde nun eine Findungskommission zusammengestellt: Pamela Rosenberg hat Erfahrungen als Intendantin der San Francisco Opera und der Berliner Philharmoniker, während Peter Theiler an der Dresdner Semperoper und Viktor Schoner an der Stuttgarter Staatsoper renommierte Häuser der Republik führen. Weitere Mitglieder sind Stefan Englert, Geschäftsführender Direktor des Gürzenich-Orchesters, sowie Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach. Auch für Schauspielchef Stefan Bachmann muss eine Nachfolge gefunden werden. Sein Vertrag endet nach der Spielzeit 2022/23.