Göttinnen sterben nicht Zum 100. Geburtstag von Maria Callas

Bonn · Sie war die fleischgewordene Elektrizität, sagte Leonard Bernstein. Sie lebte mit ihrem Gesang auf der Rasierklinge, sagte Ingeborg Bachmann. Sie war die Primadonna assoluta. Vor 100 Jahren wurde Maria Callas geboren.

    Die Callas als Medea: Leonard Bernstein war von der Leistung der Diva „wie von Sinnen“.

Die Callas als Medea: Leonard Bernstein war von der Leistung der Diva „wie von Sinnen“.

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Sie hat den Höhepunkt ihrer Karriere längst überschritten, aber von der Bühne kann sie noch nicht lassen. An der Pariser Oper singt Maria Callas die Titelpartie in Bellinis „Norma“. Die Vorstellung vom 6. Juni 1964 wird allen Beteiligten nachhaltig in Erinnerung bleiben. Die Callas gelangt zu einem hohen C – und ihre Stimme bricht. Im Publikum herrschen Verwunderung, Fassungslosigkeit, Mitleid. Und es gibt Rufe: „Bringt sie in die Garderobe.“ Aber Maria Callas hebt die Hand. Gibt dem Dirigenten ein Zeichen. Neubeginn. Diesmal sitzt der Ton perfekt. Jubel. Wieder einmal hat „die Tigerin“, wie sie genannt wird, ihre Krallen gezeigt.