Ausstellungsprojekt Von Revolutionen und Strömen

Zehn deutsche und ägyptische Künstler haben zwei Wochen lang in der Fabrik 45 und im Künstlerforum gemeinsam gewerkelt. Nun sind ihre Installationen und Werke zu sehen.

 Die Künstlerinnen Amanda H. Matt, Hanaa el Degham und Mareike Drobny (von links) arbeiten mit Sperrmüll und Lehm. FOTO: FABIAN VÖGTLE

Die Künstlerinnen Amanda H. Matt, Hanaa el Degham und Mareike Drobny (von links) arbeiten mit Sperrmüll und Lehm. FOTO: FABIAN VÖGTLE

Foto: Fabian Vögtle

Zehn Kreative, fünf aus Ägypten und fünf aus Deutschland, die für zwei Wochen gemeinsam werkeln und wirbeln. Das Konzept und die Künstler standen schon fest als Organisator Jo Hempel bei Susanne Grube vom Künstlerforum anfragte, ob ihr Haus mitmache. „Das ist immer ein gewisses Risiko. Aber wir hatten viel Vertrauen in das Team und ich habe mich total rausgehalten“, sagt die Leiterin des Künstlerforums, indem, wie in der Fabrik 45, nun inspirierende Installationen zu sehen sind. Da steht etwa ein architektonisch wohl niemals fertiges Werk, an dessen Enden und Ecken drei Künstlerinnen immer wieder Bauteile austauschen und diese mit Lehm zusammen kleben.

Mareike Drobny, die als ehemalige Alanus-Studentin ein Heimspiel hat, die in Berlin lebende Ägypterin Hanaa el Degham und Amanda H. Matt, Ägypterin und US-Amerikanerin, haben sich erst zu Beginn des Projekts kennen gelernt. Gemeinsam beschäftigten sie sich mit Städtebildern in Deutschland und Ägypten. Daraus entstand die Idee, ein Gebäude zu errichten. Das Material lag ihnen zu Füßen. Sie nahmen einfach den Sperrmüll aus der Bonner Nordstadt und entschieden sich für den uralten Baustoff Lehm um die Stühle, Kleiderständer, Regale, Spielsachen, Reifen und sonstigen Kram miteinander zu verstricken. „Das Ganze wirkt vielleicht noch chaotisch, aber wir bekommen das bis zur Vernissage hin“, sagen Hanaa el Degham und Mareike Drobny unsono.

Die interkulturelle Kommunikation durch Kunst ist das Anliegen von Jo Hempel. Der Archäologe und Fotograf näherte sich bei Reisen nach Ägypten der dortigen Kunstszene. „Ich war anfangs verblüfft, wie wenig Street Art es in Kairo gibt.“ Nach dem Umbruch in Ägypten 2013 habe sich das Bild jedoch gewandelt, vor allem Wandbilder seien aus dem Boden geschossen, erinnert er sich. nach und nach entstand bei ihm die Idee eines Künstleraustauschs. Einen, den er in Kairo kennen lernte, ist Amado Alfadni. Der Ägypter mit sudanesischen Wurzeln setzt sich in Malereien sonst mit Rassismus und traditionellen Kulturen Afrikas auseinander.

In Bonn widmete er sich einem fast vergessenen Thema der Stadtgeschichte. Der Historie des Ortes, an dem die Künstler kurzzeitig ihre Ateliers haben. Dort, wo sich heute das Künstlerforum befindet, stand einst die Blumenhalle, die 1983 weichen musste. Alfadni sprach mit Nachbarn, recherchierte und installierte im Obergeschoss eine Art Archivplatz, an dem die Besucher Platz nehmen und sich informieren können.

Auch sehenswert, ist die Installation von Julika Meyer aus München, die sich mit dem Nil und dem Rhein beschäftigte. Sie kontrastiert die Flussromantik mit der Gefahr der beiden Ströme.

Die Vernissage der Ausstellung „Strom-stream-magra“ findet am Samstag, 16. April um 18 Uhr im Künstlerforum und danach in der Fabrik 45 statt. Die Ausstellung ist bis zum 1. Mai zu sehen.

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