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Glosse zu Digitalwährung: Warum die Wette auf Bitcoins Nerven kostet

Glosse zu Digitalwährung : Warum die Wette auf Bitcoins Nerven kostet

Die Digitalmünze Bitcoin ist trotz ihres schicken Namens eines nicht wirklich: Geld. Mit ihr zu spekulieren ist ähnlich wie auf den Namen des royalen Nachwuchses zu wetten, den William und Kate erwarten, schreibt unsere Autorin.

Wenn die guten Vorsätze in Sachen Schokolade (weniger!) und Sport (mehr!) gefasst sind, bleibt am Jahresanfang vielleicht etwas Zeit zum Nachdenken über Geld. Ach, hätte man doch statt der paar Euro im Portemonnaie lieber Bitcoins auf der Festplatte. Die digitalen Münzen, vor ein paar Jahren noch Spielgeld für Computerfreaks, könnten heute locker ein Einfamilienhaus finanzieren. Mittlerweile zocken neben Cyber-Kriminellen auch brave Angestellte mit der Internetwährung.

Dabei ist die Digitalmünze trotz ihres schicken Namens eines nicht wirklich: Geld. Denn in Deutschland ist kein Händler verpflichtet, gegen Bitcoin Ware herauszurücken. Dass der eine oder andere Pizzadienst werbewirksam gegen Kryptowährung liefert, wird dem Bitcoin-Millionär ein schwacher Trost sein, wenn der Hype eines Tages sein abruptes Ende findet.

Bis dahin ist die vermeintliche Münze erst einmal ein Spekulationsobjekt. Dagegen ist nichts einzuwenden, solange das dem Spekulanten klar ist. Wer im Jahr 2018 reich werden will, kann sein Glück mit einer Investition in den Bitcoin versuchen. Er kann aber auch auf den Namen des royalen Nachwuchses wetten, den William und Kate erwarten.

Wenn das Prinzenkind völlig unerwartet Jennifer heißt

Zuletzt boten britische Buchmacher das neunfache des Einsatzes, sollte 2018 bei Königs ein kleiner Arthur auf die Welt kommen. Mit dem zwanzigfachen des Wetteinsatzes wäre eine royale Margaret deutlich lukrativer. Dieses Investment dürfte die Nerven zudem schonen, ist es doch mit dem Geburtstermin im April zeitlich überschaubarer als die weitere Entwicklung des Bitcoin.

Bei der Hoffnung auf schnelles Geld, gilt allerdings: Vielleicht ist auch alles weg – die Lottoscheine trefferlos, das Prinzenkind heißt völlig unerwartet Jennifer, oder der Bitcoin stürzt ab. Solche Ereignisse haben schließlich Tradition. Im 17. Jahrhundert gab es zwar noch keine Kryptowährungen, aber Tulpenzwiebeln, deren Preise in Holland ähnlich atemberaubend kletterten.

Zuletzt kostete eine Knolle mehrere tausend Gulden – bis im Jahr 1637 der Blütenrausch ebenso schnell vorbei war, wie er begonnen hatte. Zahlreiche Handwerker hatten ihre Werkstätten verkauft, um groß in den Tulpenzwiebelhandel einzusteigen. Nach dem Crash blieben den mittellosen Glücksrittern höchstens die bunten Blumen als Trost.

Wenn schon Digitalgeld, dann also richtig: Selbermachen liegt auch 2018 noch im Trend, und jeder kann sich seine eigenen Bitcoins erschaffen. Gut, ganz einfach ist es nicht, aber die Nuggets damals in Alaska sind auch nicht vom Himmel gefallen.

Irgendwas mit digital – und das Geschäft läuft

Bitcoins entstehen durch aufwendige Computerrechnungen (Blockchain), die immer komplizierter werden, je mehr digitale Goldsucher im Netz unterwegs sind. Daher haben die Bitcoin-Schürfer ihre Rechenzentren unter anderem nach Island verlegt, da kühlt das Polarwetter die heißgelaufenen Computer und der Strom ist spottbillig. Schon heute soll die Schaffung von Bitcoins und der Handel mit ihnen den Elektrizitätsbedarf eines mittelgroßen Landes erreicht haben. Kein Wunder, dass Klimaziele auch in der Politik aus der Mode geraten.

Die Schlagworte für den Anleger sind andere: Irgendwas mit digital – und das Geschäft läuft. Doch, doch, so einfach ist das manchmal. Als der US-Teefabrikant Long Island Iced Tea Corp. sich in Long Blockchain Corp. umbenannte und ankündigte, statt in Zuckerwasser fortan in Bitcoin zu machen, stieg der Aktienkurs des Unternehmens umgehend um 289 Prozent. Und dabei waren die Leute von Long Island noch nicht einmal in Island.

Wer an dieser Stelle seine Geldanlagestrategie aus dem Vorjahr übernimmt, sich ein paar Pralinen genehmigt und den Besuch im Fitnessstudio auf übermorgen verschiebt, der ist bestens im Jahr 2018 angekommen.