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Urteil am Landgericht Bonn: 33-Jähriger muss nach Vergewaltigung in Psychiatrie

Urteil am Landgericht Bonn : 33-Jähriger muss nach Vergewaltigung in Psychiatrie

Ein 33-Jähriger muss auf Anordnung des Bonner Landgerichts in die Psychiatrie, nachdem er seine behinderte Nachbarin in in Reichshof im Oberbergischen Kreis vergewaltigt hatte. Der Angeklagte gab an, von einem Geist zur Tat gezwungen worden zu sein.

Die 3. Große Strafkammer am Bonner Landgericht hat am Dienstag die dauerhafte Unterbringung eines 33-jährigen Mannes in der Psychiatrie angeordnet: Der Angeklagte hatte am 19. Juni dieses Jahres in Reichshof im Oberbergischen Kreis seine halbseitig gelähmte 60-jährige Nachbarin vergewaltigt. Die Vorsitzende Richterin Isabel Köhne sprach während der Begründung der Kammerentscheidung aus, was auch viele Prozessbeobachter seit dem Auftakt des Verfahrens am 25. November gedacht hatten: dass der angeklagte Eritreer unter krankhaften Wahnvorstellungen leidet. „Er genoss in der Nachbarschaft den Ruf, irre zu sein“, zitierte die Richterin eine Zeugenaussage. So wurde der Mann auch nicht zu einer Haftstrafe verurteilt, sondern dauerhaft in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Die Vergewaltigung seiner Nachbarin hatte der Mann bereits zu Beginn des Verfahrens eingeräumt – als Motiv hatte er aber angegeben, von einem Geist namens „Science“ zu der Tat gezwungen worden zu sein.

Bereits am Vorabend hatte sich der Eritreer unter dem Vorwand, ein Paket Nudeln und ein Glas Tomatensauce vorbeibringen zu wollen, Zugang zu der Wohnung seiner Nachbarin verschafft. Dabei entwendete er den Wohnungsschlüssel. Das spätere Opfer bemerkte zwar den Diebstahl. Die Frau rief aber entgegen dem telefonischen Rat ihrer Tochter nicht die Polizei, sondern verbarrikadierte sich behelfsmäßig in der Wohnung. Dennoch gelang es dem Nachbarn am nächsten Morgen, die Türe zu öffnen und die seit einem Schlaganfall gehbehinderte Frau zu vergewaltigen.

Zum Tatzeitpunkt stand der Mann unter Führungsaufsicht, und auch sein Bewährungshelfer hatte schnell festgestellt, dass sein Mündel unter erheblichen psychischen Problemen litt. Die Geschichte mit dem Geist, die er auch vor Gericht erzählt hatte, war dem Mann schon bekannt. Im Kern ging es darum, dass dieses von ihm „Science“ genannte Wesen von seinem Körper Besitz ergriffen habe und ihn auch nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis für zwei weitere Jahre bestrafen wolle. Es sei klar, dass von dem Mann eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgehe, fuhr die Richterin in der Begründung der Kammerentscheidung fort. Aufgrund seiner massiven psychischen Erkrankung bestehe Wiederholungsgefahr, eine Aussetzung zur Bewährung sei daher nicht in Frage gekommen. „Er ist in keiner Weise integriert“, sagte sie. Nicht nur, dass er die deutsche Sprache nicht ansatzweise beherrsche; von den acht Jahren, die er in Deutschland sei, habe er rund die Hälfte im Gefängnis verbracht.

2014 wurde er wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe, im September 2015 dann zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt. Anders als im aktuellen Fall war ein Gutachter vor fünf Jahren zu dem Ergebnis gekommen, dass der Angeklagte voll schuldfähig sei. Das sah der Gutachter im nun zu Ende gegangenen Verfahren anders: Der Mann leide eindeutig an einer schizophrenen Psychose.