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Aldi: Neue Doppelkassen in allen Filialen - das müssen Sie wissen

Änderung in allen Filialen : So will Aldi schnelleres Einkaufen ermöglichen

Selbstbedienungskassen gibt es bereits in einigen Supermärkten. Nun zieht auch Aldi nach und kündigt zugleich sogenannte Doppelkassen für die eigenen Filialen an. Wie funktionieren die?

Im Supermarkt oder beim Discounter steht die Kundschaft auch schon mal länger in der Warteschlange – sei es, weil die Kunden davor alle mit vollgepacktem Einkaufswagen an die Kasse kommen, beim Bezahlen mit Bargeld nach den passenden Münzen suchen oder beim Zahlen mit der Girocard irgendwas nicht funktioniert. Das kostet mitunter Zeit und Nerven.

Dem haben manche Handelsunternehmen dadurch in Teilen entgegenzuwirken versucht, indem sie Self-Check-out-Kassen eingerichtet haben – Systeme, bei denen der Kunde die Barcodes seiner Waren selbst scannt und anschließend mit Karte oder bar an einem Automaten zahlt. Zwischen August 2019 und Augst 2021 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) hat sich die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte mit solchen stationären Self-Check-out-Systemen nach Angaben des EHI-Handelsinstituts in Köln auf 1687 fast verdoppelt. In diesen Läden werden laut EHI insgesamt rund 7240 SB-Kassen eingesetzt, gut die Hälfte davon allein im Lebensmitteleinzelhandel.

Herkömmliche Kassen weiter deutlich in der Mehrheit

Im Vergleich zu 235.000 herkömmlichen Kassen ist das immer noch vergleichsweise wenig. Aber der Trend ist längst vorhanden. Insofern ist der Discounter Aldi, der Filialen in ausgewählten städtischen Gebieten jetzt nach einem Testlauf auch mit Check-out-Systemen ausrüsten will, spät dran. „Das ist bei den Discountern aber häufiger so, dass sie sich Systeme erst einmal anschauen, wie die in der Praxis ankommen. Danach setzen sie es dann aber umso konsequenter um“, sagt Cetin Acar, beim EHI Projektleiter für den Forschungsbereich IT.

Aldi selbst hat angekündigt, dass vor allem Läden im Umkreis von Schulen und Büros dafür infrage kämen, in denen viele kleinere Einkäufe getätigt werden, wie André Giesen, Director National Store Operations bei Aldi Süd, erklärt hat. „Hier eignen sich Self-Check-out-Kassen hervorragend, um mögliche Schlangen im Kassenbereich zu entzerren“, so Giesen.

Das sieht EHI-Experte Acar genauso: „Für den Wocheneinkauf sind Self-Check-out-Kassen nicht geeignet.“ Aber auch bei den Kleineinkäufen hatten viele Kunden zunächst Vorbehalte, auch weil sie Angst hatten, das Gerät falsch zu bedienen und doch wieder um Hilfe bitten zu müssen. Manche Unternehmen haben zunächst eigens Personal zur Verfügung gestellt, das den Kunden helfen sollte. Aber eine Selbstbedienungskasse, bei der dann die Belegschaft doch wieder zur Seite stehen muss, ist nicht im Sinne des Unternehmens.

Aldi kündigt die neue Doppelkasse an

Wie auch immer – Aldi ist bei den Self-Check-outs wohl nicht der Vorreiter. Auf die neue Doppelkasse, die der Discounter angekündigt hat, trifft das schon eher zu. Denn diese Kassen, von denen es im Lauf der Zeit in allen rund 2000 deutschen Filialen zumindest eine geben soll, könnten den Kassendurchlauf noch einmal deutlich beschleunigen. Die Idee: Es werden zwei Kundinnen oder Kunden parallel bedient. Die Kassen sind länger. Und sie haben einen doppelten Warenschacht mit zwei Auslagen – ein System, das man beispielsweise häufig in Drogerie- und Baumärkten sieht, aber auch in manchen Supermarktfilialen.

Aber dort werden die Einkäufe nacheinander abgearbeitet. Die Aldi-Idee: Es gibt zwei separate EC-Terminals und Drucker für die Kassenbons. So könne bereits mit dem Erfassen des nächsten Einkaufs begonnen werden, während der vorherige Kunde noch mit der Karte bezahlt, heißt es von Aldi Süd. Außerdem bleibe den Kunden mehr Zeit zum Einpacken der Ware. Allerdings, so räumt Aldi auf Nachfrage ein, kann das natürlich nur funktionieren, wenn wenigstens eine nachfolgende Kundin beziehungsweise ein nachfolgender Kunde mit Karte bezahlt. Beide hintereinander mit Bargeld zahlen zu lassen, würde das Personal in den Märkten am Ende wohl doch überfordern.

Das Ganze ist auf jeden Fall ein Weg, um den Einkauf zu beschleunigen. Noch schneller ginge es aber mit dem mobilen Self-Scanning. Dabei bekommt die Kundschaft, wenn sie den Markt betritt, ein Lesegerät, mit dem sie die Artikel während des Einkaufs einscannt. Am Ende werden die Daten in das Kassensystem übernommen, gezahlt wird an einem Automaten oder an einer Extrakasse. Wer so etwas nutzen will, muss sich aber vorher mit den persönlichen Daten registrieren (lassen). Vielleicht noch ein Hemmnis. Die Zahl der Läden, in denen dies angeboten wurde, lag im August 2021 auch bei nur 983, sie hatte sich damals allerdings binnen 24 Monaten verzehnfacht. Eingesetzt wurden in 244 Märkten Handscanner, in 885 Märkten lief das Verfahren über eine App mittels Smartphone. Vielleicht ist dies das wahre Bezahlverfahren der Zukunft.