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Unterwegs auf dem Wanderweg „Grüne Hölle“: Am Eingang lacht der Teufel

Unterwegs auf dem Wanderweg „Grüne Hölle“ : Am Eingang lacht der Teufel

Im deutsch-luxemburgischen „Naturpark delux“ an der Sauer führen zahlreiche Wanderwege zu spektakulären Felsen. Ein Höhepunkt ist die Tour durch die „Grüne Hölle“ in Bollendorf.

Im Wald von Bollendorf im Südwesten der Eifel herrscht Totenstille. Nur die Blätter rauschen im Wind. Endlich Ruhe. Dann macht es „Pling“. Keine WhatsApp, nur ein iPod. „Schauen Sie sich mal den dicken Stein an, der vor Ihnen liegt“, flüstert der junge Mann aus dem kleinen Lautsprecher ins Ohr der Wanderer. „Da verläuft eine rötliche Ader, fassen sie die mal an!“ Okay, machen wir. „Erraten Sie, was das ist?“, will der Mann wissen. Eisen vielleicht? Und in der Tat: „Es ist Eisenerz, das früher unten im Tal zu Eisen verarbeitet wurde.“

Die Stimme gehört dem Radioreporter Marco Neises, der im Juli 2010 in Mainz das Projekt „Lauschtour“ gegründet hat. Ob Wanderung oder Museumsrundgang: Mit einer App auf dem Smartphone lassen sich an relevanten Stationen die passenden Infos aktivieren. Mittlerweile gibt es Lauschtouren von Marco Neises auch im Bonner Raum, etwa auf der Drachenburg und im Museum Koenig.

Eine der ersten Audiotouren realisierte Neises in der Südeifel. Die App „Grüne Hölle Bollendorf – Ein Dorf vertont sich selbst“ liefert an den zehn Stationen eines bemerkenswerten Wanderwegs kernige Infos – und beste Unterhaltung. Neises hat den sympathischen Lauschangriff mit lokaler Prominenz eingespielt. Unter anderem wirken der Wanderführer Manfred Schmidt und die Archäologin Elke Wagner mit. Zur Einstimmung erklingt der Wanderklassiker „Aus grauer Städte Mauer“ mit Waschbrett und Akkordeon.

Die Grüne Hölle, nicht zu verwechseln mit der namensgleichen Nordschleife des Nürburgrings, ist ein sieben Kilometer langer, mittelschwerer Wanderweg. Gehzeit: drei bis vier Stunden. Oder am besten sechs. Denn man sollte sich Zeit lassen für die vielen Geschichten zu Flora, Fauna, Geologie und Kultur. Markante Markenzeichen der Region sind zahllose Felsformationen aus erodiertem Jurasandstein, deren Kuppen immer wieder aus dem Mischwald blitzen. Den eigentlichen Eingang zur Grünen Hölle markiert die dritte Station. An mächtigen grünen Felsblöcken lacht uns der Teufel gehässig ins Ohr: „Hohoho!“. Dann erklärt Elke Wagner das wundersame Farbenspiel: „Die Hölle ist so grün, weil der Sandstein Wasser aufsaugt wie ein Schwamm – beste Voraussetzungen für Moos, Algen und Flechten.“ Dann geht es durch enge Felswände in die Tiefe.

Später, am Eulenhorst, grüßt ein Uhu aus der kleinen Box. Wanderführer Schmidt ergänzt: „Das Tier ist Namensgeber des KG Uhu, unseres Bollendorfer Karnevalsvereins.“

An der Aussichtsplattform Lingelslay geht der Blick über die Sauer nach Luxemburg. An dem flachen Fluss, der bei Hochwasser oft die Contenance verliert, konzentriert sich Geschichte. Hier verlief ab Herbst 1944 die Frontlinie zwischen Wehrmacht und den Alliierten, nach Kriegsende blühte der Schmuggel von Kaffee. Heute fahren viele Bollendorfer zur Arbeit ans linke Ufer. Und zum Tanken sowieso.

Das Panorama macht einen gemeinsamen Kultur- und Lebensraum sichtbar. Die Topografie ist nahezu identisch. Aufregende Felsenwege finden sich mit der Teufelsschlucht und den Irreler Wasserfällen bei Ferschweiler im Osten und in der Ferienregion im Müllerthal auf der luxemburgischen Seite. Dort führt eine Tour von Echternach durch die Wolfsschlucht zur ausgehöhlten Hohllay, wo in früheren Zeiten ganze Mühlsteine aus den Felsen geschlagen wurden.

Eine Grenze existiert auch in den Köpfen längst nicht mehr. „Schengen war ein schleichender Prozess“, sagt der Bollendorfer Hermann Nübel, Jahrgang 1968. „Die Grenze war für meine Generation schon immer offen, dann noch offener und schließlich ganz offen.“ Nübel betreibt in sonniger Hanglage das Waldhotel Sonnenberg, an dem der Rundweg „Grüne Hölle“ startet. Man arbeitet mit den Luxemburgern prima zusammen. Das Gemeinschaftsgefühl basiert nicht zuletzt auf einer gemeinsamen Dachmarke. Beide Ufer der Sauer zählen zum „Naturpark delux“, der vor 55 Jahren durch einen Staatsvertrag zwischen Rheinland-Pfalz und Luxemburg errichtet wurde.