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Kunst im öffentlichen Raum: Aus grauen Stromkästen werden in Geislar informative Hingucker

Kunst im öffentlichen Raum : Aus grauen Stromkästen werden in Geislar informative Hingucker

Wandmaler Ralf Kess gestaltet auf Initiative des Bürgervereins Geislar einige unansehnliche Versorgungskästen im Stadtteil. Angebrachte QR-Codes ermöglichen einen virtuellen Rundgang zu historischen Sehenswürdigkeiten. Weitere Kästen sollen bald gestaltet werden.

In seinem Selbstverständnis ist Geislar einer „der schönsten Ortsteile Bonns“, wie der Bürgerverein auf seiner Homepage verkündet. Jener Ortsteil ist jetzt noch ein Stück attraktiver geworden. Dazu hat in diesem Fall der Bürgerverein selbst beigetragen, zusammen mit dem Künstler Ralf Kess. Sie haben eine Arbeit begonnen, von der nichts Vergleichbares in der näheren Umgebung bekannt ist: Stromkästen wurden verschönert.

Diese hässlichen grauen Kästen, die zumeist beschmiert sind und unschön aussehen, zu verschönern, dazu gehört nicht allzu viel. Aber wenn ein gestandener Wandmaler wie Ralf Kess diese unansehnlichen, aber notwendigen Kästen mit historischen Motiven aus Geislar bemalt, dann hat das schon etwas. Dann bleiben Menschen unterschiedlichen Alters stehen und betrachten diese Bilder, Menschen, die vorher höchstens ihren Hund an den Kästen hätten schnuppern lassen.

QR-Code hält Geheimnisse bereit

Solche Kästen mit schönen Motiven bemalt gibt es inzwischen auch anderswo, zum Beispiel in Friesdorf oder Duisdorf. Der Clou des Ganzen ist ein QR-Code auf dem Kunstwerk, der beim Fotografieren mit einem Smartphone seine Geheimnisse preisgibt. „Wir haben das mit Android und IOS erfolgreich getestet“, sagt Bernd Müller vom Bürgerverein.

Bereits beim Anvisieren zeigt das Handy an, dass man eine Information über das auf dem Kasten abgebildete gezeigte Motiv bekommen hat - als Teil der Rundtour „Historisches Geislar“. „Eigentlich wollten wir nur Stromkästen verschönern“, erzählt Serge Mpouma, Vorsitzender des Bürgervereins. „Heraus gekommen ist ein virtueller Rundgang durch das historische Geislar.“

Wegweiser zu weiteren Highlights des Rundgangs

Zudem kann sich der Betrachter die Positionen der weiteren Sehenswürdigkeiten anzeigen und sich dorthin navigieren lassen. „Vier Minuten zu Fuß“ zeigt ihm dann beispielsweise das Display des Smartphones zur nächsten Sehenswürdigkeit an. Drei Kästen sind inzwischen online, das heißt im System gespeichert. „Insgesamt haben wir 15 solcher Kästen von der SWB, der Telekom und der Post im Ort stehen“, erläutert Müller, „die wir gerne sukzessive von Herrn Kess bemalen lassen wollen.“

Jedes fertige Kunstwerk wird sogleich im Ortssystem hinterlegt. Mit der SWB hat man nach langwierigen Verhandlungen einen Vertrag zur Verschönerung, mit den anderen beiden sei man in Gesprächen. Außerdem habe man noch die eine oder andere Wand, die ebenfalls mit einem historischen Motiv verschönert werden könnte.

Einwohner von Geislar geben Tipps bei der Gestaltung

Der schön bemalte Stromkasten an der Fabristraße 8a hat den katholischen Kindergarten St. Joseph als Motiv. „Der Geislarer Peter Heider schenkte in den 1930-er Jahren seinen Hof im Geislarer Oberdorf dem Cellitinnen-Orden zur Einrichtung eines Klosters mit Altersheim, Kindergarten und Krankenpflege-Ambulanz. Das Kloster wurde 1975 wegen Nachwuchsmangels aufgehoben, während der Kindergarten an die Pfarrei St. Joseph überging“, erfährt man hierzu.

Der Stromkasten an der Abtstraße 2 nimmt Bezug auf ein Gedenkkreuz an der Geislarstraße. Dieses befindet sich zwischen Ortseingang und der Burg Lede und erinnert an zwei Geislarer Jungen, die am Neujahrstag 1820 im Eis auf der Laach (Nähe Burg Lede) eingebrochen und ertrunken sind. Und schließlich der Stromkasten am Dorfplatz, der das ehemalige „Gasthaus Muders“ zum Motiv hat, das sich an der heutigen Adresse Geislarstraße 91 befand.

„Als ich dieses Motiv malte, kamen einige ältere Geislarer vorbei, die mir Tipps gaben, wie die Umgebung vom Gasthof aussah“, berichtet Kess. Denn er musste um die Ecke malen, um alles auf den Stromkasten zu bekommen, was aber das Bild als Vorlage nicht hergab. „Es blieben viele Menschen stehen und schauten mir über die Schulter. Ob alt oder jung, alle begrüßten diese Aktion und freuten sich über meine Kunstwerke.“ Zum Schutz vor Witterung, Hunden oder neuen Schmierereien hat er am Schluss seiner Arbeit alles mit Klarlack überzogen. „Das hat sich bewährt, das macht das Werk lange haltbar“, sagt er.

Jetzt dürfen nicht nur die Geislarer gespannt sein, welche Bilder als Nächste gemalt werden. „Ideen und Vorlagen haben wir genug“, so Bernd Müller, der auch einer der Autoren der „Chronik des Ortes Geislar“ ist.