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Bonn: Familie findet 3.000 Jahre altes Römerschwert in Opas Schrank

Fund des Monats ist in Bonn ausgestellt : Große Überraschung: „Opas Schwert“ ist rund 3000 Jahre alt

Erst lag es in der Erde, dann in einer Baggerschaufel und jahrzehntelang auf dem Schrank von Opa Biesemann - nach einer wahren Odyssee ist ein kostbares 3000 Jahre altes Schwert nun als „Fund des Monats November“ in Bonn ausgestellt.

 In der Familie hieß es nur „Opas Schwert“. Die vermeintliche Römerwaffe aus einer Kiesgrube am Niederrhein war 2020 noch als Deko bei einer St.-Martins-Feier im Einsatz. Inzwischen weiß man: Das Schwert ist 3000 Jahre alt, aus der Bronzezeit und extrem wertvoll.

Die Geschichte des Schwertes ist nahezu unglaublich: „Mein Opa Albert und mein Papa haben es vor ungefähr 65 Jahren bei einem Picknick am Auesee in Wesel gefunden“, erzählt Christian Biesemann die wundersame Story des Fundes. „Mein Opa war Kiesbaggerfahrer. Und weil dort am Wochenende immer Leute zum Baden waren und auf dem Bagger herumkletterten, fuhren sie immer sonntags dorthin, um auf den Bagger aufzupassen. Wir wissen es nicht mehr genau, aber es muss zwischen 1955 und 1958 gewesen sein, als mein Papa das Schwert entdeckt hat. Es lag offen auf der Schaufelkette des Baggers“, berichtet der 32 Jahre alte Christian Biesemann der Deutschen Presse-Agentur.

Die Familie Biesemann habe das Schwert damals als nichts Besonderes angesehen und es wurde als Familienerbstück betrachtet - nicht als bedeutender archäologischer Fund, sagt die Sprecherin des kulturgeschichtlichen Museums im Rheinland, Stephanie Müller. „Mein Opa hat als Baggerfahrer öfter einige Sachen ausgebuddelt, Keramiken, Vasen oder ähnliches. Überall lagen archäologische Funde herum. Da war das Schwert wohl nicht besonderes“, berichtet Biesemann.

 Das Schwert soll laut einer Mitteilung des LVR in der Dauerausstellung des LVR Landesmuseum Bonn gezeigt werden.
Das Schwert soll laut einer Mitteilung des LVR in der Dauerausstellung des LVR Landesmuseum Bonn gezeigt werden. Foto: Benjamin Westhoff

Ein Schlossermeister bog den Fund gerade

So lag das seinerzeit noch verbogene Schwert zunächst zehn bis 15 Jahre auf dem Schrank bei Opa Biesemann. Bis dessen Sohn Josef - Christians heute 70 Jahre alter Vater - seine Gesellenprüfung als Schlosser ablegte. Wie üblich stieß man mit allerlei alkoholischen Getränken mit dem Schlossermeister auf die erfolgreiche Prüfung an. In bierseliger Laune, so erzählt es Biesemann, fasste man einen folgenreichen Entschluss.

Sein Vater kramte das vermeintliche Römerschwert hervor - und der Schmiedemeister bog es nach allen Regeln seiner Zunft gerade. „Hätte man damals gewusst was wir heute wissen, hätte man das sicher nicht gemacht“, sagt der Eigentümer.

Danach wanderte das Schwert wieder auf Opas Schrank, ehe es in den 1990er Jahren mit dem Tod von Christian Biesemanns Großeltern in den Besitz von Josef überging. „Da lag es dann jahrzehntelang wieder auf dem Schrank“, so Biesemann, der sich im Corona-Lockdown im vergangenen November an die Fundsache erinnerte und das Schwert als Dekorationsobjekt für eine kleine St.-Martins-Feier der Gemeinde mit seinen Kindern (1 und 3 Jahre alt) mitnahm.

Forscher staunten als sie den Fund sahen

Längst sei er neugierig geworden, was es mit dem 58 Zentimeter langen Schwert auf sich habe, berichtet Christian Biesemann. So ließ er das vermeintliche Römerschwert kurz darauf im Museum in Xanten untersuchen. Die Experten beim LVR-Amt für Bodendenkmalpflege hätten große Augen gemacht, als ein Foto des Schwertes unter dem Motto „Römerschwert aus Familienbesitz“ einging, berichtete die dortige Wissenschaftlerin Julia Rücker.

Materialproben hätten klar belegt, dass es sich um ein spätbronzezeitliches Schwert aus dem 9. Jahrhundert vor Christus handelt - und dass es tatsächlich für Kämpfe genutzt wurde, wie Hiebspuren an der Klinge bewiesen. Vermutlich sei es dann von den Besitzern mutwillig zerstört worden. „Diese Unbrauchbarmachung ist häufig in spätbronzezeitlichen Hortfunden zu beobachten, die entweder als Fluss- oder Erddepots rituell niedergelegt worden sind“, heißt es bei der Beschreibung des Ausstellungsstückes auf der Website des Museums, das für die wertvolle Waffe eine ziemlich hohe Versicherung abschloss.

Für zehn Jahre ans Museum ausgeliehen

Er habe das Schwert dem Museum als Dauerleihgabe für zunächst zehn Jahre überlassen, berichtet Biesemann. Der Verlockung, es zu verkaufen, habe er widerstanden. „Wenn meine Kinder älter sind und sich vielleicht einmal für Geschichte interessieren, würde ich es mir nicht verzeihen, es aus dem Familienbesitz gegeben zu haben.“ Seine Nachkommen sollen selbst einmal entscheiden, was mit Uropas Schwert geschieht.

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(dpa)