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Bonn: Rhein - Niedrigwasser, Pegel und Fahrrinne: Darum können Schiffe noch fahren

Pegelstand und Wassertiefe : Warum können Schiffe trotz des niedrigen Pegels noch auf dem Rhein fahren?

In Bonn liegt der Pegelstand noch bei 85 Zentimetern, anderswo hat der Wert bereits die Null-Marke erreicht - und trotzdem fahren noch Schiffe auf dem Rhein. Wir erklären, wie sich der Pegel berechnet und was er über die Wassertiefe aussagt.

Seit Tagen fallen die Pegelstände entlang des Rheins immer weiter. Am Pegel Kaub in Rheinland-Pfalz wurden am Dienstagmorgen noch 33 Zentimeter gemessen. In Bonn liegt er bei 85, in Köln bei 74 Zentimetern. Und in Emmerich nahe der niederländischen Grenze ist am Dienstag ein historischer Tiefststand erreicht worden: null Zentimeter.

Doch wie kommen all diese unterschiedlichen Werte eigentlich zustande? Und wieso können trotz der geringen Pegelstände noch immer Schiffe auf dem Rhein fahren, ohne auf Grund zu laufen?

Florian Krekel ist Pressesprecher beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein und kann diese Fragen beantworten. „Der Pegelstand ist ein ziemlich willkürlicher Wert“, erklärt er. „Pegelstände können nicht einfach so miteinander verglichen werden und geben ohne weitere Referenzwerte auch keine Auskunft darüber, wie tief der Rhein an dieser Stelle ist.“

Niedrigwasser im Rhein: Pegel gibt keine Auskunft über die Wassertiefe

Denn die sogenannte Pegellatte, an deren unterem Ende der Pegelstand gemessen wird, hängt nicht an der tiefsten Stelle des Rheins, sondern links oder rechts am Ufer. Bei einem Pegelstand von 0 Zentimetern liegt also nicht das Flussbett trocken. Lediglich die Pegellatte taucht nicht mehr ins Wasser ein.

Gesetzt wurden die Pegellatten teilweise schon vor deutlich mehr als hundert Jahren und jeweils abhängig von den örtlichen Gegebenheiten. Daraus ergeben sich auch die unterschiedlichen Pegelstände an verschiedenen Messstellen. Oftmals wurde der Pegel so aufgehängt, dass auch bei extremer Trockenheit keine Minuswerte entstehen. Nun könnte genau dieser Fall jedoch eintreten: Florian Krekel rechnet damit, dass der Pegelstand in Emmerich in den kommenden Tagen negative Werte annehmen wird. Dazu trägt nicht nur die anhaltende Trockenphase bei, sondern auch natürliche sowie bauliche Gewässerveränderungen in den letzten Jahrhunderten.

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Ohne weitere Informationen lässt sich mit dem Pegelstand also wenig anfangen, betont Krekel. Denn: “Der Pegelstand ist nicht die Wassertiefe.“ Um die Wassertiefe in der sogenannten Fahrrinne zu bestimmen, werden neben dem Pegelstand zwei weitere Werte benötigt: die sogenannte garantierte Wassertiefe, die für den Abschnitt zwischen Koblenz und Krefeld bei 250 Zentimetern liegt, und der gleichwertige Wasserstand. Letzterer wurde von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion als Vergleichswert eingeführt und wird alle zehn Jahre mit einer komplizierten und aufwendigen Berechnung neu festgelegt. Zur Berechnung werden unter anderem Ablagerungen, Erosionen und Niedrigwasserstände in einem bestimmten Zeitraum berücksichtigt.

Schifffahrt auf dem Rhein wird auch bei Niedrigwasser nicht von Behörden eingestellt

In Bonn liegt der gleichwertige Wasserstand bei 141 Zentimetern. Sollte der Pegel in Bonn also auf 0 fallen, läge die Wassertiefe in der Fahrrinne immer noch bei 109 Zentimetern (Pegel - gleichwertiger Wasserstand + garantierte Wassertiefe).

Und bis zu welchem Pegelstand können noch Schiffe auf dem Rhein fahren? „Es gibt keinen Wert, bei dem die Schifffahrt behördlicherseits eingestellt wird“, erklärt Krekel. „Überspitzt gesagt: Mit einem Schlauchboot können Sie noch ganz lange fahren.“ Die Entscheidung, ob ein Schiff den Rhein noch passieren kann, liegt in der Verantwortung des Schiffsführers. Abhängig ist sie nicht nur vom Tiefgang eines Schiffes, sondern wird auch durch wirtschaftliche Faktoren beeinflusst: Denn wenn ein Schiff nicht mehr voll beladen werden kann, lohnt sich eine Fahrt oft nicht.