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Brand auf Mallorca: Anwalt hält Touristen aus NRW für unschuldig​

Vorwurf der Brandstiftung : Brand auf Mallorca: Anwalt hält die 13 Touristen aus NRW für unschuldig

13 Männer aus NRW sitzen wegen des Verdachts der Brandstiftung in Untersuchungshaft auf Mallorca. Ihr Anwalt widerspricht nun jedoch den bisherigen Darstellungen. Währenddessen gibt es neue Diskussionen um den Sauftourismus auf der Insel.

Party am Ballermann, Sonne, Strand und mehr - genau so sollte ihr Urlaub auf Mallorca aussehen, zu dem vor einer Woche 13 Kegelbrüder aus Münster und Umgebung gestartet sind. Doch statt Party total endete der Trip am vergangenen Freitag nach nur wenigen Stunden im Gefängnis auf der Baleareninsel. Die deutschen Urlauber sollen nur vier Stunden nach ihrer Landung auf Mallorca einen Brand am östlichen Ende der Playa de Palma in Arenal ausgelöst haben. Die Terrasse des Schnitzellokals „Why not Mallorca“ wurde dabei völlig zerstört. Allein hier soll der Schaden bei 150.000 Euro liegen. Außerdem wurden ein darunter liegendes Bordell, eine benachbarte Wohnung sowie die Fassade eines Hotels stark in Mitleidenschaft gezogen. Zwei Menschen erlitten Verletzungen.

Auch eine Woche nach der Feuerkatastrophe ist noch immer nicht klar, wie genau es zu dem Vorfall kommen konnte. Die Behörden versuchen aktuell, alle Puzzleteile zusammen zu setzen. Bis es ein Ergebnis gibt, können jedoch noch Wochen oder gar Monate vergehen. Solange bleiben die 13 Beschuldigten in Untersuchungshaft auf Mallorca.

Anwalt widerspricht der Darstellung der Zeugen

Zeugen wollen gesehen haben, dass die Gruppe von den Balkonen ihrer Hotelzimmer aus Zigarettenstummel auf das Schilfdach der Terrasse des direkt neben dem Hotel liegenden Lokals geworfen haben. Zudem sollen sie Flüssigkeit auf das Dach gekippt haben. Kurz darauf stand das Dach in Flammen.

Der Anwalt der 13 Beschuldigten, der Strafverteidiger Raban Funk, widerspricht dieser Darstellung jedoch. Wie RTL News berichtet, liege ihm ein Video vor, das aus einem Gebäude gegenüber aufgenommen worden sei. Darauf seien zwei andere Männer auf einem Balkon zu sehen, die etwas auf das Dach des Lokals gießen. Keiner der beiden sei einer der 13 Beschuldigten, so der Anwalt.

Wie Funk weiter erklärt, waren die Münsteraner auf fünf Dreibettzimmer aufgeteilt und hätten sich zum fraglichen Zeitpunkt gerade fertig gemacht, um in den Bierkönig zu ziehen. Einige der Männer hätten gerade geduscht, als der Brand ausbrach. Deshalb seien sie nicht alle gleichzeitig auf den Balkonen gewesen. Zeugen hatten dagegen zu Protokoll gegeben, dass die Männer auf zwei übereinander liegenden Balkonen Party gemacht hätten und von dort auch die Kippen auf das Dach geflogen wären.

Nach Darstellung des Anwalts sollen die Balkone etwa 15 bis 18 Meter entfernt von dem Schilfdach gewesen sein. Von diesem Standort aus sei es ausgeschlossen, dass eine Kippe dorthin hätte fliegen können, berichtet RTL.

Auch der „Bild“-Zeitung gegenüber betonte Raban Funk die Unschuld der Deutschen. Dies würden WhatsApp-Verläufe und Fotos beweisen, die der Zeitung vorliegen. Demnach sei der Nachmittag anders verlaufen, als es die spanische Justiz derzeit für wahrscheinlich hält. Die Angehörigen wollen demnach aber zunächst mit den Ermittlungsbehörden auf Mallorca verhandeln, bevor sie mit den Beweisen an die Öffentlichkeit gehen wollen. Man habe neue Beweisanträge gestellt, erklärte der Anwalt der Beschuldigten. „Das sind alles fest im Leben verankerte Jungs, sie arbeiteten von früh bis spät in der Landwirtschaft, sechs waren in der Freiwilligen Feuerwehr. Das sind keine Trunkenbolde“, zitiert die „Bild“ einen der Väter der Beschuldigten.

Beschuldigten drohen bis zu zehn Jahre Haft

Sollte sich jedoch herausstellen, dass die Männer - die meisten sind Mitte 20 Jahre alt - doch verantwortlich für den Brand sind, drohen ihnen Gefängnisstrafen zwischen ein und drei Jahren. Bei einer fahrlässigen Brandstiftung liegt das Strafmaß in Spanien sogar noch deutlich höher: Dann müssten die Männer, die alle Mitglieder des Kegelclubs „Stramm am Tisch“ sind, sogar fünf bis zehn Jahre hinter Gittern.

Wie lange die Beschuldigten in Untersuchungshaft sitzen werden, ist noch ungewiss. Sie waren noch am Freitag in der Lobby des Hotels von der Guardia Civial festgenommen worden. Einige der Männer hatten ihre Koffer bei sich, als sie auf die Beamten trafen. Ein Richter verhängte tags drauf die Untersuchungshaft für alle 13 Beschuldigten. Gleichzeitig lehnte er es ab, dass sie auf Kaution frei kommen können - offenbar wegen fehlender Kooperationsbereitschaft und wegen der Tatsache, dass sie durch ihre vermeintliche Tat Menschenleben riskiert haben.

Der Richter geht momentan noch von einer „kollektiven Verantwortung“ aus. Bleibt er bei dieser Meinung, werden die 13 Männer mindestens bis zum Abschluss der Ermittlungen, wahrscheinlich aber wohl sogar bis zum Beginn des Prozesses inhaftiert bleiben. Bis es zur Verhandlung kommt, könnte es Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern. Denn die Gerichte auf Mallorca sind hoffnungslos überlastet. Die U-Haft kann in Spanien deshalb bis zu zwei Jahre betragen und sogar noch einmal zwei Jahre verlängert werden.

Neue Diskussion um Sauftourismus auf Mallorca

Der Vorfall hat erneut die Diskussion um das Thema Sauftourismus auf Mallorca neu entfacht. Denn eigentlich sind allzu trinkfreudige Partyurlauber auf der Ferieninsel nicht mehr gern gesehen. Die Balearenregierung versucht schon seit Längerem, das wilde Treiben vor allem am Ballermann sowie in anderen Partyarealen wie in der Briten-Hochburg Magaluf auszubremsen. Dazu wurden erst kürzlich wieder neue Benimmregeln aufgestellt, die vor allem ein Ziel haben: die Partymeute von der Insel fernzuhalten.

Die balearische Ministerpräsidentin, Francina Armengol, nahm den Brand in Arenal dann auch gleich zum Anlass, die Haltung ihrer Regierung nochmals zu unterstreichen: Man wolle hier keinen Exzesstourismus, sagte die Politikerin Anfang der Woche. Anders als in anderen Regionen traue man sich auch, dies laut auszusprechen und klare Benimmregeln zu erarbeiten.

„Rücksicht kennen hier viele nicht“

Doch der jüngste Vorfall, bei dem erneut stark angetrunkene Urlauber einmal mehr über die Stränge geschlagen sind und nun sogar für einen Brand gesorgt haben sollen, bei dem gleich mehrere Gastronomen ihre Existenz verloren haben, zeigt, dass die bisherigen Maßnahmen gegen den Sauftourismus offenbar nur wenig bewirkt haben. Ein adäquates Mittel gegen diese Klientel scheint man bisher nicht gefunden zu haben.

Insbesondere nach zwei coronabedingten Saison-Ausfällen präsentiert sich Mallorca und vor allem der Ballermann dieser Tage wieder besonders voll. Die Insel-Hotels melden gut gefüllte Häuser und in den Party-Tempeln wie dem Megapark und dem Bierkönig herrscht schon wieder feucht-fröhliche Partystimmung wie vor der Pandemie. Schlägereien und Diebstähle rund um den Ballermann sind bereits wieder an der Tagesordnung.

„Rücksicht kennen hier viele nicht - die vergessen ihre Erziehung, sobald sie in Palma gelandet sind“, sagte Kerstin Bauer. Die Mainaschafferin ist eine Freundin der Kölner Wirtin des „Why Not Mallorca“ und hat die Feuerkatastrophe unmittelbar miterlebt. Sie und ihr Mann sind selbst Feuerwehrleute und wohnten zur gleichen Zeit ebenfalls im Hotel „Whala Beach“. „Ich gehe auch gerne feiern, aber ich weiß halt, dass ich mich hier zu benehmen habe“, so die Urlauberin.

Vorwurf der Vergewaltigung: Zwei Deutsche auf Mallorca in Haft

Am Freitag wurde derweil bekannt, dass bereits am Donnerstag zwei weitere deutsche Urlauber auf Mallorca festgenommen wurden. Ihnen wird vorgeworfen, eine 22 Jahre alte deutsche Urlauberin in einem Hotel an der Playa de Palma vergewaltigt zu haben. Der Vorfall soll sich bereits am Mittwoch zugetragen haben. Die junge Frau sei auf einer Polizeiwache am Ballermann erschienen und habe weinend von der Vergewaltigung erzählt, berichten mallorquinische Medien.

Die beiden Festgenommen wurden vom Haftrichter ebenfalls in Untersuchungshaft geschickt. Sie bestreiten den Vorwurf. Die junge Frau habe dem sexuellen Kontakt zugestimmt.