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Corona-Impfung: Hausarztpraxen bekommen kein Johnson & Johnson mehr

Corona-Impfung in Nordrhein-Westfalen : Hausarztpraxen bekommen kein Johnson & Johnson mehr

Die Impfkampagne tritt auf der Stelle. Auch in der letzten Juni-Woche gibt es nicht mehr Impfstoff gegen das Coronavirus. Der Apothekerverband sieht die Hausärzte gegenüber Betriebsärzten benachteiligt. Und bald machen viele Praxen Ferien.

Die Impfkampagne geht in kleinen Schritten voran, Hausärzte haben noch immer wenig Dosen für Erstimpfungen gegen das Coronavirus. Denn sie erhalten auch in der letzten Juni-Woche nicht mehr Impfstoff. „Auch in der letzten Juni-Woche werden die Arztpraxen bundesweit wie seit Ende Mai nur etwa gut drei Millionen Impfstoff-Dosen geliefert bekommen“, sagte Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, unserer Redaktion. „Die Impfstoff-Lieferungen treten jetzt seit vier Wochen auf der Stelle.“

Zugleich kritisierte Preis, dass die Betriebsärzte bei der Belieferung bevorzugt werden: „In der letzten Juni-Woche wird den Hausärzten gar kein Impfstoff von Johnson & Johnson zur Verfügung stehen. Dafür bekommen jetzt die Betriebsmediziner den nur einmal zu impfenden Impfstoff geliefert.“

Der Verbandschef betonte: „Die Bevorzugung der Betriebsärzte gegenüber den Hausärzten verstärkt sich somit in der letzten Juni-Woche noch weiter. Wenn etwa 6000 Betriebsärzte fast 850.000 Impfdosen bekommen und sich über 65.000 Hausärzte nur 3,2 Millionen Dosen teilen müssen, wird die unterschiedliche Verteilung überdeutlich. Wir halten an unserem Appell fest, endlich den Hausärzten ausreichend viele Impfstoffe zur Verfügung zu stellen.“

Der US-Hersteller kam als vierter auf den Markt und hat der Europäischen Union im zweiten Quartal 55 Millionen Dosen versprochen, zehn Millionen davon für Deutschland. Doch daraus wird nichts. Grund ist vor allem der Produktionsausfall in einem zentralen Werk in den Vereinigten Staaten: Die US-Firma Emergent Biosolutions in Baltimore hat im Auftrag von Johnson & Johnson und Astrazeneca Impfstoffe hergestellt. Allerdings wurde die Fabrik im April von den US-Behörden stillgelegt. Denn dort waren Wirkstoffe für Millionen Dosen aus beiden Produktionslinien vermischt und damit unbrauchbar gemacht worden.

Aber auch die Verzögerungen von Biontech sorgen für Ärger. „Um den Rückstand der ursprünglich für Biontech/Pfizer fest geplanten Lieferungen aufzuholen, müssten in den letzten Tagen des Juni noch zusätzlich 4,2 Millionen Dosen nachgeliefert werden. Für die Woche ab 28. Juni würden das acht Millionen Dosen von Biontech/Pfizer bedeuten“, sagte Preis. Das hält er nicht für möglich. „Außerdem sind die Arztpraxen auch gar nicht in der Lage, plötzlich eine so große Anzahl von Menschen zu impfen. Was über Wochen nicht geimpft werden konnte, kann man nicht in einer Woche aufholen.“

Der Verbandschef mahnte: „Jetzt wird die Zeit immer enger, noch vor der Ferienzeit eine Beschleunigung der Impfkampagne zu erreichen. Immer mehr Arztpraxen teilen jetzt schon mit, dass in wenigen Wochen der Praxisurlaub ansteht.“