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Pandemie: Corona-Risiko in Deutschland gesunken

Pandemie : Corona-Risiko in Deutschland gesunken

Nach drei Wochen ist die Corona-Inzidenz in Deutschland wieder etwas gestiegen. Vollen Impfschutz haben weniger als 18 Prozent. Trotzdem gibt es gute Nachrichten zur Entwicklung der Pandemie im Land.

Wegen der entspannteren Corona-Lage gilt nach sechs Monaten erstmals wieder eine mildere Risikobewertung für Deutschland.

Die Gefahrenlage in Deutschland werde von „sehr hoch“ auf „hoch“ gesetzt, teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Dienstag in Berlin mit. Mehrere Bundesländer kündigten spürbare Lockerungen der Schutzmaßnahmen und die Öffnung von Restaurants an. Dabei liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland mit 35,2 erstmals seit drei Wochen wieder etwas höher als am Vortag.

Das Robert Koch-Institut (RKI) und Minister Spahn werteten den neuerlichen Anstieg nicht als Trendwende. Allerdings seien Wachsamkeit und Schutzmaßnahmen weiter nötig, damit es nicht wieder zu einem deutlichen Anstieg der Infektionszahlen komme. „Es gibt zu viele Beispiele auf der Welt, wo dann noch einmal etwas schiefgegangen ist“, mahnte Spahn mit Blick auf steigende Corona-Zahlen nach einem Absinken in anderen Ländern.

„Wir sind noch mitten in dieser Pandemie“

Am 11. Dezember war die Risikobewertung für Deutschland nach oben gestuft worden. Spahn sagte: „Die Lage wird besser, sie wird deutlich besser, aber wir sind noch mitten in dieser Pandemie.“ Die neue Einschätzung sei „ein Signal“ dafür, dass die sehr schwierige Situation mit der zweiten und dann der dritten Corona-Welle gebrochen sei. RKI-Präsident Lothar Wieler sagte: „Jetzt müssen wir diesen Erfolg nutzen, um die Infektionszahlen weiter zu senken. Lassen Sie uns dafür den Sommer nutzen.“ Direkte Auswirkungen etwa auf die Corona-Maßnahmen hat die Herabstufung nicht.

Spahn betonte, wenn die Menschen nicht aufpassten, könne sich die Lage sehr schnell ändern und wieder verschlechtern. Wieler sagte, die Möglichkeit, dass sich Menschen in diesem Land ansteckten, sei geringer geworden. Aber sie bestehe weiter. Deutschland könne bei der Risikobewertung „rein theoretisch“ auch wieder hochgestuft werden, falls sich die Lage wieder verschärfe. Wieler erinnerte daran, dass viele Millionen Menschen im Land noch nicht geimpft seien. Mindestens eine Erstimpfung hat laut Spahn inzwischen jeder zweite Erwachsene. Insgesamt sind dies 43 Prozent der Menschen in Deutschland. Aber erst 17,6 Prozent sind voll geimpft.

Wieler sagte unter Berufung auf Modellierungen seines Instituts: „Mit kontrolliertem Öffnen erwarten wir kein weiteres exponentielles Wachstum.“ Außerdem werde die Belegung der Intensivbetten in den Kliniken über die nächsten acht Wochen sinken. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg innerhalb eines Tages von 35,1 um 0,1. Vor einer Woche gab es noch 58,4 gemeldete Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und einer Woche. Binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter dem RKI 1785 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche waren es 1911.

Wieler sagte, Modellierungen ließen einen leichten vorübergehenden Anstieg der Inzidenz erwarten. Das RKI erkläre dies mit Öffnungsschritten. Von den mehr als 400 Landkreisen hätten aber nur noch vier einen Wert von mehr als 100. „Die Inzidenzen gehen auch in allen Altersgruppen zurück.“

Großzügigere Öffnungen in der Gastronomie

Mehrere Länder reagierten mit weiteren Öffnungsbeschlüssen auf die sinkenden Zahlen: In Berlin dürfen Restaurants voraussichtlich von Freitag an wieder ihre Innenräume für Gäste öffnen. In Brandenburg sind von Donnerstag an wieder Restaurantbesuche in Innenräumen und in der Außengastronomie teilweise ohne Testpflicht erlaubt. Auch in Hamburg darf vom Wochenende an die Innengastronomie wieder öffnen. Im beliebten Schanzenviertel und Teilen von St. Pauli wird aber zugleich ein Alkoholverbot eingeführt.

In Sachsen-Anhalt sollen von diesem Mittwoch an wieder mehr Menschen zusammentreffen dürfen. Mecklenburg-Vorpommern lockert seine Corona- Testpflicht für Urlauber; wer in einer Ferienwohnung oder in einem Ferienhaus Urlaub machen will, muss zwar bei Anreise einen negativen Corona-Test vorlegen, ihn aber nicht mehr alle drei Tage wiederholen.

Die Bundesnotbremse mit deutschlandweit einheitlichen Einschränkungen für steigende Inzidenzen soll nach dem Willen Spahns wie bereits festgelegt am 30. Juni auslaufen. „Das heißt nicht, dass dann auch alle Maßnahmen zu Ende sind“, sagte er. „Ideal wäre und bleibt ja, wenn in dem Moment, wo es regional, lokal, in einer Stadt, in einem Landkreis auf einmal stark steigende Zahlen gibt, dann sofort, und nicht erst wieder bei 100, so beschränkt wird, dass dann die Zahlen auch wieder sinken.“ Notfalls könne auch die Bundesnotbremse auf dem normalen Gesetzesweg innerhalb von einer oder zwei Wochen wieder eingeführt werden.

RKI-Dashboard

© dpa-infocom, dpa:210601-99-814939/13

(dpa)