1. News
  2. Panorama

Coronavirus: chinesische Generalmajorin sucht Impfstoff

Erfolg gegen Covid-19? : Chinesische Forscherin will Impfstoff gegen Coronavirus gefunden haben

Laut chinesischen Medien habe Forscher in Wuhan einen Durchbruch bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs erzielt. Konkrete Ergebnisse präsentieren sie jedoch nicht.

Mit fest entschlossenem Blick steht Chen Wei in einem fensterlosen Raum, hinter sich die rote China-Flagge mit Hammer und Sichel. Gekleidet ist die Chinesin mit der Kurzhaarfrisur in Camouflage-Uniform. Den rechten Oberarm hat sie aufgeknüpft, damit eine Ärztin in Schutzanzug ihr eine Spritze injizieren kann. Bei den Fotos, die sich am Dienstag auf den sozialen Medien Chinas rasant verbreiteten, soll die führende Biochemie-Expertin des Landes beim ersten menschlichen Test eines Coronavirus-Impfstoff zu sehen sein.

Im Dezember wurde der Erreger in der zentralchinesischen Metropole Wuhan erstmals entdeckt. Seither hat er in China mit Stand vom Mittwoch 80.270 Menschen angesteckt und 2.981 getötet. Seit einigen Tagen jedoch liegen die Neuinfektionen außerhalb Chinas deutlich über denen im Land. Am Mittwoch wurden gar nur mehr 119 neue Fälle gemeldet. In Peking tragen laut offiziellen Zahlen derzeit lediglich 115 Menschen das Virus in sich, Tendenz sinkend. Dennoch gilt eine globale Eindämmung des Virus laut Epidemiologen als unrealistisch - vor allem aufgrund der mittlerweile rasanten Verbreitung in Italien, Iran und Südkorea.

Von daher arbeiten Wissenschaftler weltweit an einem Impfstoff, unter anderem an den Universitäten in Marburg, dem australischen Queensland oder Hongkong. In der ehemaligen britischen Kolonie haben die Forscher bereits vermeldet, dass sie einen möglichen Impfstoff gefunden haben. Ehe dieser jedoch alle Studien an Tier und Menschen durchlaufen hat, würden noch Monate vergehen. Unter normalen Umständen würde ein solcher Prozess Jahre dauern, doch in Notfällen können Regierungen die strengen Auflagen vor der Markteinführung lockern und zudem können sich die Forscher bei Covid auf vergangene Ergebnisse während der Sars- oder Mers-Epidemie berufen. Beides sind verwandte Coronaviren. Am Sonntag hat US-Vizepräsident Mike Pence auf Fox News damit geprahlt, dass klinische Tests nur mehr sechs Wochen entfernt seien. Viele Experten tun diese Ansage als höchst unseriös ab und sprechen von mindestens einem Jahr.

Dementsprechend überraschend hat a m Dienstag das chinesische Staatsfernsehen einen „Durchbruch“ bei der Entwicklung eines Impfstoffs vermeldet. Angeführt wird das Forschungsteam von der 54-jährige Chen Wei, die mit 4.000 Medizinern der Volksbefreiungsarmee ins Epizentrum nach Wuhan entsandt wurde. A ls Wissenschaftlerin hat Chen bereits 2014 den ersten Ebola-Impfstoffs auf Genbasis entdeckt. Ebenfalls soll sie laut chinesischen Medien eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung der Sars-Epidemie 2003 gespielt haben. Damals habe sie ein Nasenpray entwickelt, welches gefährdete Menschengruppen vor einer Ansteckung schützen soll. Zwar eigne sich dies nicht zur Massenproduktion aufgrund der Nebenwirkungen und hohen Kosten, dennoch kommt das Spray derzeit vereinzelt auch im Epizentrum Wuhan zum Einsatz.

Geboren wurde Chen Wei in der ostchinesischen Provinz Zhejiang, wo sie auch an der örtlichen Universität Chemie studierte und später einen Master an der renommierten Tsinghua Universität in Peking absolvierte. Im Zug in ihre Heimatstadt soll sie laut einem Fernsehbericht ihren späteren Ehemann getroffen haben, der zur Unterstützung seiner Frau seinen Beruf als Techniker aufgab und seither den Haushalt führt. Die beiden haben einen vierjährigen Sohn.

Ob die chinesische Wissenschaftlerin nun wirklich einen Durchbruch erzielt hat oder es sich nur um reine Staatspropaganda der Kommunistischen Partei handelt, wird sich wohl in den nächsten Wochen zeigen. Der entsprechende Bericht des Staatsfernsehen erwähnt zwar einen sogenannten Adenovirus-Vektor-Impfstoff gegen COVID-19 sowie ein Medikament der Klasse 1, das auch Menschen, die dem Virus ausgesetzt waren, als Notfallprävention helfen soll. Einen Zeitplan oder konkreten Entwicklungsstand wird jedoch nicht erwähnt, von daher ist durchaus Vorsicht geboten: Neben den 4.000 Medizinern aus der Armee wurden nämlich auch etliche Journalisten von der Regierung nach Wuhan geschickt, um von positiven Heldengeschichten wie diesen zu berichten.

Die Erwartungen auf einen schnellen Impfstoff hat Chen dabei selbst einst in einem früheren Interview mit einem chinesischen Wissenschaftsmagazin gedämmt: Es sei unrealistisch, dass man innerhalb eines Monats einen Impfstoff entwickeln könne, sagte sie in Bezug auf unseriöse Heilsversprecher. Und fügte dann jedoch an: "Aber einige exzellente Teams sind immer schneller und besser".