Helmut Dietl Der bayerische Billy Wilder: Zum 70. Geburtstag des Regisseurs

Die Glückwünsche tragen einen Trauerrand, und Filmkritiker entschuldigen sich bei Helmut Dietl schon für herbe Verrisse. Tatsächlich steht der 70. Geburtstag des Münchner Regisseurs am Sonntag im Schatten seiner Lungenkrebserkrankung, die er selbst öffentlich machte.

 Ehrenpreis: Regisseur Helmut Dietl bei der Verleihung des 64. Deutschen Filmpreises Lola am 9. Mai in Berlin.

Ehrenpreis: Regisseur Helmut Dietl bei der Verleihung des 64. Deutschen Filmpreises Lola am 9. Mai in Berlin.

Foto: dpa

Wobei er sich wunderte, dass rund eine Million verqualmter Gitanes nicht schon vorher fatalen Tribut forderten. Die "Goldene Lola" für das Lebenswerk dieses bayerischen Billy Wilder ist gleichwohl kein pietätvoller Trostpreis, sondern vollauf verdient. So hat Dietl TV-Geschichte geschrieben mit "Monaco Franze" und Baby Schimmerlos, dem Klatschreporter in "Kir Royal". Zwei Münchner Hallodris, die nach Seitensprung und Verlassenwerden schon der Blues packt, aber nicht zu heftig.

Diese satirischen Schickeria-Spiegelbilder waren seine Eintrittskarte ins Kino. Dort fand er für den Skandal der gefälschten Hitler-Tagebücher die geniale Form im lakonischen Aberwitz von "Schtonk!" Mit seinem Freund Patrick Süskind schrieb er etwa "Rossini", wieder ein Münchner Märchen, das Ungereimtheiten mit feiner Lubitsch-Eleganz kaschierte. Bevor Dietl mit dem "Kir Royal"-Aufguss "Zettl" scheiterte, hatte er sich am großen Gefühlskino versucht.

So wollte "Vom Suchen und Finden der Liebe" das Drama von Orpheus und Eurydike ebenso ernst wie auf die leichte Schulter nehmen. Anfechtbares Kino mit vollem Risiko. Humor und Weltschmerz, Sarkasmus und Romantik sind die Fliehkräfte seines Spätwerks. "Die einen kriegen Kinder, die anderen machen Filme" - so umreißt Helmut Dietl sein Rezept gegen die Todesangst.

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