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Lauterbach bei „Hart aber fair“: „Der Lockdown wäre uns nicht erspart geblieben“

Lauterbach bei „Hart aber fair“ : „Der Lockdown wäre uns nicht erspart geblieben“

Von der Impfstoff-Bestellung bis zur geringen Zahl der bislang Geimpften: Die Talkgäste sollen Ursachenforschung betreiben. Damit bereitet „Hart aber fair“ den Boden für Schuldzuweisungen.

Politiker und Journalisten diskutieren bei „Hart aber fair“ am Montagabend zum Thema „Rettung nur tröpfchenweise: Bekommt Deutschland zu wenig Impfstoff?“.

Die Gäste:

  • Peter Liese (CDU), Arzt und Europaabgeordneter
  • Karl Lauterbach (SPD), Gesundheitsökonom
  • Volker Wissing, FDP-Generalsekretär
  • Christina Berndt, Wissenschaftsjournalistin
  • Markus Feldenkirchen, Journalist

Darum ging’s:

Die Talkrunde soll die Impfstoff-Bestellung bewerten, die Probleme bei der Verteilung der Impfungen – und scheint eigentlich viel lieber über einen Ausweg diskutieren zu wollen.

Der Talkverlauf:

Zunächst geht es bei der ersten „Hart aber fair“-Sendung des Jahres um die Frage, warum Deutschland so wenig Impfstoff hat. Direkt kritisiert der Europaabgeordnete Peter Liese die Art und Weise, wie Moderator Frank Plasberg das Thema anreißt. „Die Beschreibung ‚Wir haben hier Lockdown, und die anderen haben den Impfstoff‘ greift nun wirklich zu kurz.“ Der führende Gesundheitspolitiker der CDU in Brüssel verweist darauf, dass auch Länder wie die USA oder Großbritannien Corona-Maßnahmen bis hin zur Ausgangssperre verhängt hätten. Als Begründung für die EU-Beschaffungspolitik führt Liese die Haftungsfrage an: Biontech-Partner Pfizer habe zunächst nicht für etwaige Fehler geradestehen wollen. Netanjahu, Trump und Johnson hätten sich darüber offenbar wenige Gedanken gemacht und dennoch schnell massenhaft bestellt.

Karl Lauterbach schaut bei der Ursachenforschung aufs EU-Budget: „Mit zwei Milliarden Euro kann ich so ein Problem nicht erschlagen.“ Und obwohl der SPD-Gesundheitsexperte mit dem CDU-Politiker Liese nicht immer harmoniert, nimmt er ihn in einem zentralen Punkt in Schutz: „Egal wie viel Impfstoff wir gehabt hätten: Der Lockdown wäre uns nicht erspart geblieben“, sagt Lauterbach. Die USA hätten sämtliche Impfstoffkandidaten in großen Mengen bestellt – was allerdings auch heiße: „Das Geld ist weg für die Impfstoffe, die nie auf den Markt kommen.“ Als er anhebt, über Auswege zu sprechen, vertröstet ihn der Moderator auf später.

„Europa hat nicht zu wenig gekauft“, findet die Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt. Die EU habe höchstens falsch eingekauft. Zu diesem Punkt trägt der FDP-Generalsekretär Volker Wissing sein Unverständnis in die Runde: Warum sei die Bundesregierung nicht „ergänzend tätig“ geworden? Überhaupt fordert er Aufklärung. Die Kanzlerin selbst solle erklären, was alles schiefgegangen sei.

Damit ist die Talkrunde nicht nur bei der Frage nach der zögerlichen Verteilung der Impfdosen angelangt, sondern auch bei den Schuldzuweisungen. Immer wieder flammen sie in der Runde auf, und schließlich erwähnt Plasberg auch noch eine Pressemeldung, derzufolge Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) den Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit einem „Fragenkatalog“ zum Thema konfrontiert habe. „Das zeigt, dass die Harmonie in der Koalition offenbar vorbei ist“, findet der Journalist Markus Feldenkirchen. Bisher habe die Große Koalition in der Coronakrise gut zusammengearbeitet und es habe kaum Schuldzuweisungen gegeben, das sei ein „einmaliger Vorgang“ gewesen.

Schließlich schlägt Karl Lauterbach vor, sich in der prekären jetzigen Lage Zeit zu verschaffen, indem die notwendige zweite Impfung statt nach drei Wochen erst nach drei Monaten vorgenommen wird. Der Europapolitiker Liese ergänzt, dass sich möglicherweise aus einer Ampulle mehr Impfdosen machen ließen. Zudem sei in der EU eine Zulassung für den Impfstoff von Astra-Zeneca im Gespräch, obwohl dieser „nicht ganz so gut“ sei. Der SPD-Gesundheitsökonom Lauterbach bringt dazu sogar eine nationale Zulassung ins Gespräch.

Angesichts der am Dienstag anstehenden Gespräche zwischen Bund und Ländern kommt die Runde auch wieder auf den Lockdown zu sprechen. Dazu hat Lauterbach auch einen Vorschlag parat: „Wir sollten nicht die Bevölkerung verwirren mit einem Datum, das wir sowieso nicht einhalten können.“ Statt das Ende des Lockdowns mit dem Kalender festzulegen, solle es an einen Inzidenzwert von 25 gebunden werden. Denn der am häufigsten gemachte Fehler sei eine sofortige Lockerung gewesen, wenn man so gerade eben einen Zielwert erreicht habe, so Lauterbach.

Dieser Text ist zuerst bei RP Online erschienen.