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Marylin Monroe: Die Frau, die im Dunkeln leuchtete

Marylin Monroe : Die Frau, die im Dunkeln leuchtete

Tragik stand ihr nicht: Auf der Leinwand brillierte Marilyn Monroe vor allem als Komödiantin. Überhaupt fällt auf, dass man von all jener Verzweiflung und Einsamkeit, die Marilyn-Biografen und Tagebücher beschwören, im Kino kaum etwas sehen kann.

Billy Wilder fand die Arbeit mit ihr "anstrengend wie Zähne ziehen". Aber irgendwann, nach etlichen vergessenen Dialogzeilen und enervierenden Verspätungen, "war da ein undefinierbarer, einzigartiger Zauber". Gewiss gab es verruchtere Sexsymbole in Hollywood: Hedy Lamarr, Jean Harlow, vor allem Rita Hayworth. Gegen ihren berühmten "Gilda"-Striptease wirkt Marilyns Reizwäsche-Geknutsche mit Jack Lemmon in "Manche mögen's heiß" geradezu jugendfrei.

Überhaupt verströmt gerade dieser Film eine eher kindlich-giggelnde als männermordende Erotik, ebenso übrigens wie "Das verflixte 7. Jahr", in dem MM nie so recht zu merken scheint, wie gründlich sie den armen Tom Ewell mit arglosen Hüftschwüngen und "zufälligen" Entblößungen ins Schwitzen bringt. Beide Erfolgsfilme sind Komödien, und hier lag Marilyns Talent. Sie war umwerfend in ihrer kokett-naiven Attraktivität, die sie selbst am meisten zu überraschen schien.

In dieser Kluft liegt eine einzigartige Faszination: Einerseits stellte wiederum Wilder fest, dass sich Monroes Fleisch so frappierend fotografieren ließ, als ob man es auf der Leinwand anfassen könnte. Andererseits aber hielt der Star in den Filmen (anders als im Leben) eine ironische Distanz zur eigenen Anziehungskraft. Sexualität ja, aber ohne ruinöse Risiken und Nebenwirkungen.

Dabei hätte ihre Karriere leicht anders verlaufen können: In John Hustons "Asphaltdschungel" räkelte sie sich 1950 als laszives Gangsterliebchen auf der Couch, ein seine Lage nicht annähernd durchschauendes Spielzeug alter, mächtiger Männer.

Die gefährliche Konstellation mag ein Menetekel für ihr Leben gewesen sein. Doch so unglücklich es auch verlief - vor der Kamera stand Marilyn Monroe die Tragik eher schlecht. In Henry Hathaways "Niagara" war sie zwar neben den berühmen Wasserfällen als zweites Naturwunder präsent, doch zur femme fatale fehlte ihr mehr als ein Hauch abgründiger Düsternis.

Überhaupt fällt auf, dass man von all jener Verzweiflung und Einsamkeit, die Marilyn-Biografen und Tagebücher beschwören, im Kino kaum etwas sehen kann. Markanteste Ausnahme: John Hustons "Misfits - Nicht gesellschaftsfähig". Hier spielte Marilyn eine ehemalige Tänzerin, die endlich geachtet statt nur begehrt werden will, unter den raubeinigen Pferdefängern (Clark Gable, Montgomery Clift) aber wiederum nur Hahnenkämpfe auslöst. Der Film verströmt eine existenzielle Bitterkeit, die auch das Happy End nicht vergessen macht.

Letztlich aber war das nicht die Leinwandwelt der Marilyn Monroe. Dann schon eher die wild-entschlossene Männer-Eroberungslust, die Jean Negulescos "Wie angelt man sich einen Millionär" (mit MM als kurzsichtiger Pola), vor allem aber Howard Hawks' "Blondinen bevorzugt" so federleicht karikierte.

Die Monroe sang darin "Diamonds are a Girl's best Friend", und sie war eine fantastische Sängerin: wunderbar etwa "One Silver Dollar" in "Fluss ohne Wiederkehr" oder "My Heart belongs to Daddy" in George Cukors "Machen wir's in Liebe".

In diesen Momenten wirkte sie ganz bei sich, völlig ungekünstelt. "Sieht man Marilyn im Film, will man auf keinen Fall, dass ihr etwas Schlimmes passiert", sagte ihre Kollegin Natalie Wood einmal. Doch ohnehin schien die Schauspielerin Monroe auf der Leinwand wie in einem Kokon vor all dem geschützt, was sie im Starsystem und im Privatleben zerrüttete. Sie konnte im Dunkeln leuchten wie kaum eine andere - und ihre einzig beständige Liebesaffäre war die mit der Kamera.