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Pangoline werden in Südafrika von Wilderern geschmuggelt: Die Gier nach dem Schuppentier

Pangoline werden in Südafrika von Wilderern geschmuggelt : Die Gier nach dem Schuppentier

Die traumatisierten Schuppentiere - oder Pangoline - kommen ausgezehrt und schwer verletzt in der Wildtierklinik in Johannesburg an. Sie haben mehr Glück als viele ihrer Artgenossen.

Denn sie wurden aus der Hand von Wilderern gerettet und werden dank eines engagierten Teams von Freiwilligen überleben, die ihre Wunden versorgen, sie füttern und wieder gesund pflegen.

Pangoline sind einzigartige Kreaturen, die einzigen Säugetiere der Welt mit Schuppen. Manchmal werden sie auch als schuppige Ameisenbären bezeichnet, obwohl beide Arten nicht verwandt sind. Sie können sich wie Gürteltiere zu einer gepanzerten Kugel zusammenrollen.

Ihre Zunge kann erstaunlicherweise länger sein als ihr Körper. Sie sind nicht sehr bekannt und gehören dennoch zu den weltweit am häufigsten gewilderten und illegal gehandelten Tieren.

Anders als Nashörner und Elefanten stehen Schuppentiere allerdings nicht in den Schlagzeilen, wenn es um Initiativen gegen Wilderei in Afrika geht. Doch Experten warnen, dass die kleinen Tiere – sie sind etwa so groß wie eine Hauskatze – stärker betroffen und von der Ausrottung bedroht sind, da die Nachfrage nach ihren Schuppen in der traditionellen asiatischen Medizin hoch ist.

Die afrikanische Pangolin-Arbeitsgruppe in Südafrika kümmert sich seit fast zehn Jahren um Schuppentiere, die aus der Gewalt von Wilderern befreit wurden.  „Wenn wir diese Schuppentiere bekommen, sind sie komplett eingerollt – manchmal seit zwei Wochen“, sagt Nicci Wright, Expertin für die Rehabilitation von Wildtieren und Exekutivdirektorin der Gruppe.

Die Tiere werden oft mit primitiven Fallen eingefangen. Kürzlich nahm die Gruppe ein Schuppentier entgegen, dessen Körper fast vom Magen bis zum Rücken von einer Falle durchschnitten worden war, wie Wright in der Johannesburger Wildtier-Klinik erzählt, in der gerettete Schuppentiere versorgt werden.

Sie bekommen Infusionen zur Rehydratation, werden mit einer speziellen Nahrung künstlich ernährt und für bis zu 48 Stunden in ein künstliches Koma versetzt. Dann werden sie an geheime Orte gebracht, damit die Klinik nicht Ziel von Wilderern wird. „Sie sind angesehen, gestupst und geknufft worden, von einem Ort zum anderen gebracht, geöffnet und wieder angesehen worden“, sagt Wright. „Ruhe ist das Wichtigste neben der physischen Erholung.“

Die gequälten Tiere sind faszinierende Geschöpfe. Ihre Schuppen bestehen aus Keratin, derselben Substanz wie in menschlichen Fingernägeln, und sind unglaublich fest. Ihre extrem lange und flinke Zunge eignet sich bestens zum Fangen von Ameisen. Wenn sie nicht in Gebrauch ist, wird sie in einem speziellen Bereich in der Brusthöhle zusammengerollt.

Im Fall einer Bedrohung rollen sich die scheuen Tiere zu einem festen Ball zusammen. Dies ist ein nützlicher Verteidigungsmechanismus gegen Fressfeinde und schützt auch vor Ameisenschwärmen, wenn eine Mahlzeit außer Kontrolle gerät.

Nach Angaben des Vorsitzenden der Pangolin-Gruppe, Raymond Jansen, wurden im vergangenen Jahr 97 Tonnen an Pangolin-Schuppen bei Schmugglern beschlagnahmt, die diese aus Afrika herausbringen wollten. Das entspricht etwa 150 000 gewilderten Tieren. Jansen schätzt, dass es sich dabei um lediglich etwa 20 Prozent der Gesamtzahl handelt, da der Rest den Behörden entgeht.

„Wenn dieser Trend anhält und die Nachfrage bedient wird, werden alle acht Arten des Schuppentiers mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgerottet werden“, sagt der Experte, der hauptberuflich am Fachbereich Umwelt-, Wasser- und Erdwissenschaften an der Technischen Universität Tshwane in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria arbeitet.

Vor diesem Hintergrund behandelt die Arbeitsgruppe nicht nur Tiere, sondern kämpft auch für deren Fortbestand. Die Freiwilligen arbeiten - oft in verdeckten Ermittlungen - mit der Polizei zusammen, damit Wilderer und Händler identifiziert und festgenommen werden können. Im Oktober wurden zwei Männer in einer Tiefgarage in Pretoria festgenommen, die ein Schuppentier für umgerechnet rund 17 000 Euro verkaufen wollten.

Bei solchen Einsätzen bringt sich Jansen manchmal persönlich in Gefahr, wenn er sich als illegaler Käufer ausgibt und sich mit Wilderern trifft, bevor die Polizei zugreift und diese festnimmt.

Die Gruppe setzt sich auch gegen den Schmuggel von Pangolin-Schuppen ein. So leitete Jansen zuletzt ein Programm zur Ausbildung von Spürhunden, damit diese Pangoline vor dem Abtransport auffinden können.

Ein Hund namens „Havoc“ ist der erste Schuppentier-Spürhund auf dem Kontinent und erkennt alle vier afrikanischen Pangolin-Arten am Geruch, wie die Gruppe erklärt. Ein zweites Mitglied der Pangolin-Einheit K-9 wird gerade geschult. ap

(dpa)