"The Tutu Project" Die schönsten Bilder sind in Berlin zu sehen

BERLIN · Am Anfang stand eine etwas ungewöhnliche Art der Selbsttherapie. Dann der Wunsch, seiner an Brustkrebs erkrankten Frau Mut und Lachen zu schenken. Dann verliebte sich das Internet in die Bilder des New Yorker Fotografen Bob Carey, dem Mann im rosa Tütü. Dessen schönste Fotos sind ab Freitag in Berlin zu sehen.

Rosa Sprung in Berlin: Bob Carey am 9. Dezember 2013 beim Foto-Shooting vor dem Brandenburger Tor.

Rosa Sprung in Berlin: Bob Carey am 9. Dezember 2013 beim Foto-Shooting vor dem Brandenburger Tor.

Foto: dpa

Er ist 52 Jahre alt, das Haar schütter, der Bauch ein bisschen groß. Er steht vor dem Brandenburger Tor und hantiert an einer Kamera auf einem Stativ herum. Dann nickt er. Zieht seine Jacke aus, läuft barfuß, bar allem außer einem rosa Tütü aufs Tor zu - und springt.

Ist das alles? Ein nackter Mann im Tütü, der öffentlich in die Luft springt und das fotografiert? Wer ihn gesehen hat, damals beim ersten Mal in Berlin, am 9. Dezember im vergangenen Jahr, der dachte: Der ist durchgeknallt. Oder: wahrscheinlich eine Werbeidee. Ganz falsch ist beides nicht. Seit Herbst 2013 springt der New Yorker Bob Carey immer mal wieder vor uns allen - als Star im Telekom-TV-Spot, kombiniert mit dem Spruch "Besondere Geschichten werden größer, wenn man sie teilt".

Was im TV-Spot fernseh-knapp umrissen wird, ist eine Geschichte, die vor zwölf Jahren beginnt. Der Werbefotograf Bob Carey aus Phoenix wird vom Arizona-Ballett engagiert, ein Foto zum Thema Ballett zu machen. Da zieht er ihn zum ersten Mal an, den rosa Tüll, ein Selbstporträt mit Augenzwinkern entsteht, für den Kunden.

Das Video auf Youtube:

Zwei Jahre später zieht er mit seiner Frau Linda von Phoenix nach New York. Alles neu, alles anders. Um das zu verarbeiten, griff er die Idee vom Selbstporträt im öffentlichen Raum wieder auf: "Ich nahm das mir Bekannte und vermischte es mit dem Neuen, das Tutu immer griffbereit.".

Die nächste Veränderung trifft ins Herz: Bei seiner Frau wird Brustkrebs diagnostiziert. Das Tutu Project wird für Carey vom selbst gesetzten rosa Komma in einer fremden Welt zum persönlichen Ausrufezeichen hinter dem Wort "Lebensmut".

Seine Frau lacht, als sie die Bilder sieht. Freunde, Bekannte, andere Krebspatientinnen lachen auch. Sie stellen die Bilder ins Internet. Dort werden sie geteilt, tauchen in immer mehr sozialen Netzwerken auf. Als die Deutsche Telekom die Geschichte von Bob und Linda als Werbespot realisiert, laufen alle Kanäle zusammen: die private Geschichte, der öffentliche Ort des Foto-Geschehens, die Internet-Fans, das Fernsehen.

An 107 Orten ist Bob Carey mittlerweile im Tütü in die Luft gesprungen. Immer mehr, die ihn dabei entdecken, kennen ihn schon. Im eher prüden Amerika, wo die meisten Bilder entstanden, wurde der Mann in Tüll durchaus auch mal feindselig betrachtet. Polizisten hätten ihm einmal beim Shooting in der Nähe einer Grundschule ein Zeitlimit gestellt, erzählt Carey - aber er braucht eh nie lange, er springt ja nur kurz hoch.

Längst gibt es die Fotos als Buch. Wer es kauft, unterstützt damit die Carey Foundation, die Brustkrebspatientinnen hilft. Im Circle Culture Editions in der Berliner Gipsstraße 10 sind Tutu-Porträts ab heute bis zum 9. März zu sehen. Linda Carey geht es übrigens nach Aussage von Bob Carey gut: "Aber sie bekommt noch Chemo." Das hat er auf der "Tutu"-Facebookseite mitgeteilt. Nach einem Auftritt in der US-Today-Show erhielt die Seite über Nacht 13.500 Likes. Im Moment hat sie 160.124. Tendenz: steigend.

Weitere Infos unter www.thetutuproject.com.

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