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Begriff steht nicht im Duden: Die "Vorständin" ist nicht aufzuhalten

Begriff steht nicht im Duden : Die "Vorständin" ist nicht aufzuhalten

"Die Dame friert. Beim 'Flying Buffet' mit Journalisten in der Münchner BMW-Welt behält die Vorständin zunächst den Mantel an", liest man im Manager-Magazin über die Spanierin Milagros Caiña-Carreiro-Andree. "Vorständin"? Seit Juli 2012 ist sie das.

Im gedruckten Duden sucht man den Begriff vergebens, anders als etwa "Aufsichtsrätin". Im Online-Duden steht "Vorständin", was darauf hindeutet, dass man die Bezeichnung in der nächsten Druckauflage finden wird. Die Wortpäpste reagieren einmal mehr auf den Wortgebrauch in der Gesellschaft.

"Vorständin" mag grauenhaft klingen, aber es spiegelt immerhin eine Entwicklung hin zu mehr Frauen in höchsten Führungspositionen. Diese ist, so legt der Online-Duden nahe, sogar ausbaubar: Denn er bietet die Mehrzahl an, "Vorständinnen". 15 dieser Spezies sitzen bereits in deutschen Dax-Unternehmen.

Was der Duden ignoriert: Der Begriff klingt nicht nur schlimm, er ist eigentlich falsch. Unter "Vorstand" verstand man ursprünglich das gesamte Gremium, in dem es Mitglieder gibt, aber keine "Vorstände". Ein schöner Gedanke, der eine geschlechtsspezifische Unterscheidung überflüssig macht.

Nun waren "Vorstände" gewöhnlich männlich. Ist also doch eine weibliche Form vonnöten? Der Begriff "Bundeskanzlerin" wurde auch erst erfunden, als durch Frau Merkel die Notwendigkeit dazu bestand. Andererseits gibt es im Militär die "Frau Hauptmann" und nicht "Frau Hauptfrau". Wäre die "Vorständin" auch für Personalfragen zuständig, hieße sie im Angelsächsischen "Head of Human Resources". Eine Bitte nur: Auf keinen Fall "Head" zu "Headin" verweiblichen!