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Düsseldorf Flughafen: Türkei-Urlauber bilden Warteschlangen am Schalter

Tumulte in Düsseldorf : Türkei-Urlauber sitzen nach Chaos-Tag am Flughafen fest

Hunderte Urlauber, die von Düsseldorf in die Türkei fliegen wollten, mussten die Nacht in Hotels verbringen. Ihre Maschinen konnten abends nicht mehr abheben. Viele reagierten mit Unverständnis. Vorangegangen war eine Hängepartie mit Chaos und Tumulten vor den Schaltern. Ein massives Polizeiaufgebot musste für Ordnung sorgen.

Es ist kurz nach 21.30 Uhr am Freitag, als ein Polizist im Düsseldorfer Flughafen zum wiederholten Mal an diesem Abend zum Mikrofon greift. Diesmal bittet er die Passagiere nicht, Abstand zu halten und Ruhe zu bewahren. Er vertröstet sie auch nicht und sagt, dass ein weiterer Check-in-Schalter geöffnet hätte, um die angespannte Lage zu entzerren. Stattdessen teilt er mit, dass an diesem Abend wegen des nun geltenden Nachtflugverbots keine Maschine mehr in die Türkei rausgehen wird. Mehrere Maschinen sind betroffen mit Hunderten Passagieren. „Ich kann verstehen, dass sie gefrustet sind“, sagt der Polizist zu den Fluggästen, die vor ihm stehen und zum Teil seit 15 Uhr vergeblich aufs Boarding gewartet haben. „Aber es wird nicht mehr geflogen heute.“

Einige Fluggäste reagieren wütend und brüllen ihren Frust laut heraus; manche sollen sogar handgreiflich geworden sein, wird vereinzelt berichtet. Aber die meisten sind zunächst sprachlos; sie sind zu müde und erschöpft von der stundenlangen Warterei, der Hängepartie, um noch irgendwas sagen zu können. „Das ist eine Katastrophe“, sagt ein Mann, der mit seiner schwangeren Frau in die Türkei fliegen wollte. „Wir wissen jetzt nicht, was wir machen sollen. Vom Flughafen sagt uns niemand was. Ich höre immer nur die Ansagen der Polizisten, dass wir in Hotels untergebracht werden sollen“, sagt er.

Sprechchöre branden im Terminal auf: „Wir wollen fliegen, wir wollen fliegen.“ Frauen mit Kindern sitzen erschöpft am Boden, während ihre Männer herausfinden wollen, wie es weitergeht. „Wir sind extra drei Stunden früher gekommen, um sicher zu sein. Aber jetzt sind wir am Ende. Unser Sohn hat bitterlich geweint, weil er Angst hat, nicht mehr in den Urlaub zu fliegen“, sagt ein türkischer Familienvater.

Zuvor ist es am letzten Schultag vor den Ferien am Flugsteig C des Düsseldorfer Flughafen zu teils chaotischen Zuständen gekommen. Ab etwa 15 Uhr waren immer mehr Reisende mit Ziel Türkei zu den Check-in-Bereich gekommen, von denen nach Ansicht mehrerer Experten viel zu wenig geöffnet hatten. In dem vergleichsweise kleinen Abflugsteig standen die Menschen stundenlang dicht an dicht; die Luft war zum Teil stickig. Corona-Abstandsregeln wurden so gut wie nicht mehr eingehalten.

„Der Flugsteig C ist viel zu klein für so viele Menschen“, kritisierte Verdi-Sekretär Özay Tarim, der die Interessen der Fluggastkontrolleure vertritt. „Man hätte viel früher weitere Schalter öffnen müssen, um die Lage zu entspannen. Als es gemacht wurde, war es bereits zu spät“, so Flughafen-Experte Tarim.

Vor allem vor den Check-in-Schaltern 234 bis 247 kam es zu dichtem Gedränge, da nicht alle Schalter zur Abfertigung der Passagiere besetzt waren. Anfangs gab es deshalb Tumulte einiger aggressiver Fluggäste. Eine Mitarbeiterin des betroffenen Check-In-Schalters sagte unserer Redaktion: „Wir haben Angst gehabt. Die Leute waren richtig aggressiv. Ein Kollege hat mir berichtet, dass er attackiert worden ist am Hals. Ich arbeite seit 25 Jahren in dem Beruf, aber an so etwas kann ich mich nicht erinnern. Ganz schlimm.“

Nachdem die Bundespolizei für etwas Ordnung gesorgt hatte, übernahmen ihre Kollegen von der Landespolizei. Ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei sagte: „Der Einsatz erfolgte aufgrund einer überraschend hohen Zahl Reisender - überraschend nicht für uns, aber offenbar für das Abfertigungspersonal“, so der Sprecher. Mit einem großen Andrang habe man zu Beginn der Sommerferien durchaus rechnen können. „Viele Reisende sind zudem verfrüht angereist, um sicherzugehen, dass sie ihren Flug kriegen; dadurch wurde es schnell sehr voll.“ Anfangs seien die Emotionen unter den Wartenden hochgekocht. „Viele hatten Sorge, ihren Flug zu verpassen“, sagte der Sprecher. „Es wurde auch etwas lauter, viele waren aufgeregt.“ Die Lage habe sich aber gut beruhigen lassen.

Ein Sprecher des Flughafens erklärte: „Wir bedauern die Situation und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten für unsere Passagiere und unterstützen durch den Einsatz von eigenem Personal", so der Sprecher. Der Check-In liege aber in der Verantwortung der Airlines und ihrer Dienstleister. Viele der gestrandeten Passagiere kamen in der Nacht in Hotels unter. Am späten Abend war ungewiss, wann sie ihren Urlaub antreten können.