Wie läuft der Kampf gegen Sauftouristen? Alkoholverbot auf Mallorca: Das ist die Bilanz nach einer Woche am Ballermann

Analyse | Palma de Mallorca · Seit einer Woche gilt in den Partyzentren auf Mallorca wie dem Ballermann ein Alkoholverbot auf offener Straße und am Strand. Damit will die Inselregierung mal wieder den Kampf gegen den Sauftourismus verschärfen. Doch wie läuft das Verbot? Eine erste Bilanz aus der No-go-Area für Sauftouristen.

 Ist eigentlich seit einer Woche verboten: Alkohol am Ballermann-Strand.

Ist eigentlich seit einer Woche verboten: Alkohol am Ballermann-Strand.

Foto: dpa/Clara Margais

Vielen deutschen Mallorca-Touristen ließen die Schlagzeilen der vergangenen Tage wohl einen Schauer den Rücken herunterlaufen: „Alkoholverbot am Ballermann“ und „Malle legt den Ballermann trocken“ war da zu lesen. Der Hintergrund: Mallorca hat im Kampf gegen den Sauftourismus mal wieder die Benimmregeln in den Partyzentren der Insel verschärft. Seit einer Woche gilt ein neues Gesetz, wonach jetzt auch Einzelpersonen, die mit einer Bierdose am Strand oder auf der Straße am Ballermann erwischt werden, bis zu 1.500 Euro Strafe bezahlen sollen.

Doch eine Woche nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes hat die Polizei noch kein einziges Knöllchen geschrieben – und das wird wohl auch erstmal so bleiben. Zwar gilt seit Sonntag das neue „Dekret für einen verantwortlichen Tourismus und zur Verbesserung der Qualität der Tourismuszonen“, doch die Polizei hat noch keine Anweisungen erhalten, wie die Kontrollen überhaupt ablaufen sollen. Das hat die Ortspolizei dem GA bestätigt. Besonders hart wollen die Beamten aber sowieso wohl nicht durchgreifen, wie zwei Beamte dem GA sagten: Einzelpersonen oder kleinere Gruppen mit zwei bis drei Personen, die in aller Ruhe mal ein Bier am Strand trinken, sollen auch künftig gar nicht kontrolliert oder gar bestraft werden.

Lediglich größere Gruppen, die laute Musik abspielen, Alkohol in großen Mengen am Strand konsumieren und dabei andere Strandbesucher stören, will die Polizei in die Schranken weisen. Solche Kontrollen gab es bisher allerdings auch schon – das ist also nicht neu.

Strengere Kontrollen, wie sie das neue Gesetz eigentlich vorsehen, dürften zudem auch nur schwer umsetzbar sein. Dafür gibt es einfach zu wenige Polizisten, wie auch Ballermannkennerin und Gastronomin Gerlinde Weininger vom Münchner Kindl dem GA sagte: „Wir sind schon jetzt ziemlich knapp mit Polizisten hier an der Playa. Wenn dann beispielsweise mal jemand krank wird, wird’s echt brenzlig“, so Weininger. „Und die Polizei soll sich ja auch um andere Dinge kümmern können, statt künftig nur trinkende Touristen zu kontrollieren.“

Ob der bisher fehlenden Kontrollen zeigen sich die Urlauber momentan entsprechend entspannt, wie eine Stippvisite des GA am Ballermann zeigte: Rund um Bierkönig und Megapark läuft alles wie immer. Von verängstigten Urlaubern, die sich um ihre Urlaubskasse Sorgen machen müssen, weil sie mit einer Bierdose am Strand erwischt werden, keine Spur. Stattdessen wird gefeiert und getrunken wie vor Inkrafttreten des Alkoholverbots. Wie zu erwarten war lassen sich die feiernden Urlauber von dem neuen Gesetz nicht abschrecken. „Wir hatten im Vorfeld bei Instagram gelesen, dass es dieses Verbot gibt. Entsprechend haben uns viele angeschrieben, dass wir darauf achten sollen, was wir am Ballermann machen. Aber: Wir trinken trotzdem“, so Urlauberin Anita aus Dortmund. „Hier sitzen so viele rum, die Alkohol trinken – da machen wir einfach mit“, sagte Sebastian aus Fulda.

Dabei es gibt auch Stimmen, die das neue Gesetz begrüßen und sich ein härteres Durchgreifen der Polizei wünschen würden: „Leider kommen die ganzen Deutschen nur hierhin, um zu saufen“, beklagt Beatrice Ciccardini. „Viele benehmen sich völlig daneben. Das ist die letzten Jahre vollkommen aus den Fugen geraten“, so die Wirtin des Gasthauses „Zur Krone”. „Da muss sich wirklich was ändern. Und wenn man das mit dem neuen Gesetz hinbekommen könnte, wäre das ganz toll.“

Anders sieht das Feli Bohrhausen vom Deutschen Eck. Sie kann die ganze Aufregung um das neue Gesetz nicht so richtig verstehen: „Kenner der Playa wissen, dass es solche Gesetze schon seit Jahren gibt, die werden nur jedes Jahr wieder erneuert. Es hat sich also im Grunde nichts geändert“, so die Wirtin.

Größeren Handlungsbedarf sieht auch Gerlinde Weininger nicht: „Leben und leben lassen, sage ich immer. Mich als Gastronomin stören die Urlauber nicht, die auf der Mauer am Strand ihr Bier trinken.“ Aber: „Es muss natürlich auch nicht sein, dass die volltrunken unterwegs sind, überall hinpinkeln oder auf dem Weg ins Hotel alles vollkotzen“, sagte die Wirtin des Münchner Kindl dem GA.

In einem sind sich Urlauber und die befragten Gastronomen übrigens einig: Ändern wird sich in absehbarer Zukunft am Ballermann wohl nichts – daran werde auch das neue Alkoholverbot nichts bewirken.

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